kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
       
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Exklusiver Blick hinter die Kulissen: Bundeswehr späht jetzt aus dem Weltall

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 04.08.2008 - 19:28

Gelsdorf (RP). Pkw fahren scheinbar meterweit neben der Autobahn, Straßen sind durchsichtig, Schiffe schweben über dem Meer -­ die streng unter Verschluss gehaltenen Radarfotos, die das neue Satelliten-Aufklärungssystem „SAR Lupe” der Bundeswehr aus dem Weltall schießt, sind nur von Experten auswertbar. Denn was der Radarstrahl von oben zuerst erreicht, das sendet er am schnellsten zurück, ein total verzerrtes Bild ist die Folge.

Die Auswerter entdeckten jeden Tag etwas Neues, berichtete gestern Brigadegeneral Friedrich Wilhelm Kriesel (60) beim Rundgang durch die unscheinbare Anlage im Gewerbegebiet Grafschaft-Gelsdorf bei Bonn. Sogar ein altes Gräberfeld unter einem Bundeswehr-Feldlager in Afghanistan wurde zufällig aufgespürt -­ „Lupe” kann bis zu einem Meter tief in den Erdboden blicken.

Hinter dem doppelten Sicherheitszaun mit Kameras und Scheinwerfern betreibt das erst 2001 gegründete „Kommando Strategische Aufklärung” der Bundeswehr unter dem Befehl Kriesels die Bodenkontrollstation für Deutschlands neue „Augen” im All. Lediglich eine weiße Satellitenschüssel auf einem künstlichen Hügel, die Empfangsstation, ist von der Anlage erkennbar. Darunter befindet sich ein sechs Geschosse tiefer Bunker.

Alle Krisenregionen grob abgedeckt

Noch läuft der Probebetrieb, das System gehört bis zur Übergabe im Herbst dem Hersteller. Soeben ist der Satellit Nummer fünf vom russischen Weltraumbahnhof Plessetsk aus ins All geschossen worden und kreist nun dort. Auf dem Kontrollbildschirm in Gelsdorf scheinen die Satelliten auf ihren Umlaufbahnen um die Erde zu kriechen. In Wirklichkeit rasen sie mit 25.200 km/h dahin.

Die Abkürzung SAR steht für Synthetic Aperture Radar (Radar mit synthetischer Bündelbreite). Das bedeutet: Der Satellit sendet und empfängt innerhalb von Sekunden tausende Radiowellen; das derart abgetastete Objekt wird wie ein dreidimensionales Schwarz-Weiß-Foto dargestellt. „Lupe” steht für die Fähigkeit, auch Nahaufnahmen machen zu können. Die Umlaufbahnen in 490 Kilometern Höhe sind so verteilt, dass alle Krisenregionen grob abgedeckt sind.

Im Bedarfsfall können die etwa Sportwagen-großen Satelliten auch umgelenkt werden, was aber gut überlegt sein muss: „Der Treibstoff Hydrazyn an Bord reicht im normalen Betrieb für maximal 15 Jahre. Nachtanken ist im All nicht möglich”, so der General.

Für die Evakuierung deutscher Staatsbürger

„Wir steuern die Systeme, wohin wir wollen. Nacht oder Wolken behindern uns im Gegensatz zu herkömmlichen Foto-Satelliten nicht”, ergänzt der Abteilungsleiter für satellitengestützte Aufklärung, Oberst Reinhard Pfaff. Was „Lupe” genau kann, das fällt unter strikte Geheimhaltung oder wird verschleiert. Es können noch Gegenstände „deutlich unter einem Meter Größe” erkannt werden. So lassen sich vermutlich auch Sprengfallen der Taliban an afghanischen Straßen aufklären. „Lupe” schaut durch Baumkronen und Tarnnetze hindurch.

Für die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Krisenregionen können zuvor Häfen und Flughäfen erkundet werden, ohne das Hoheitsgebiet der jeweiligen Staaten zu verletzen. Auch bei Katastrophen wie Hochwasser hilft „Lupe”, den nötigen Überblick zu bekommen. „Kunden” sind die Bundesregierung und die Streitkräfte selbst, Aufträge würden in spätestens 24 Stunden erledigt, verspricht Pfaff.

„Die Kosovo-Krise war die Geburtssstunde von Lupe”, berichtet General Kriesel. Damals sei deutlich geworden, dass die Bundesregierung dringend eigene Lage-Informationen für ihre schwerwiegende Entscheidung hätte haben müssen, in die Kampfhandlungen einzutreten. Die Abhängigkeit von Aufklärungsfotos anderer Nationen berge zudem die Gefahr der Manipulation. In nur acht Jahren wurde deshalb „Lupe” als wichtiges Instrument des Krisenmanagements realisiert. „Das schafft Ihr nie, haben uns andere Nationen gesagt”, so Kriesel. Doch das 370-Millionen-Euro-Projekt liege voll im Zeitplan.

Gedanken übers Nachfolgesystem

Hinter dem Stabsgebäude wächst gerade ein neuer Antennenturm heran. Damit wird der Kontakt zum optischem Aufklärungssystem „Helios” der Franzosen hergestellt. Beide Nationen arbeiten so eng zusammen, dass jederzeit auf den Satelliten des Partners zurückgegriffen werden kann.

Im Herbst beginnt die Bundeswehr offiziell mit den Einsatz von „Lupe”. Ende des Jahres ist auch Nummer fünf voll operationsfähig. „Satelliten leben nicht ewig”, infomiert Kriesel. „Zehn Jahre, vielleicht etwas länger”, lautet die Prognose. Dann werden sie nach unten in dichte Luftschichten gesteuert und verglühen -­ „rückstandsfrei”. Deshalb wird schon jetzt über das Nachfolgesystem nachgedacht. Es soll, so der General, mit acht Partner-Nationen gemeinsam betrieben werden.


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Darauf müssen Sie bei dieser Kälte achten

Wichtige Tipps

Darauf müssen Sie bei der Kälte achten

Deutschland friert: Die eisige Kälte aus Russland lässt derzeit viele bibbern. Wie kann man sich gegen die Kälte schützen? mehr 

Schutzschild gegen Bomben aus dem All

Projekt zur Asteroidenabwehr gestartet

Schutzschild gegen Bomben aus dem All

Der Asteroid Apophis, benannt nach der altägyptischen Gottheit des Chaos, schrammt im April 2029 haarscharf an der Erde vorbei. mehr 

mehr Wissen
Aus der Region

Projekt zur Asteroidenabwehr gestartet

Schutzschild gegen Bomben aus dem All

Halo durch Eiskristalle verursacht

Riesiger Leuchtring um den Mond

Schülerstudenten

Erst das Studium, dann Abitur

Videos

Mönchengladbach nach dem Rockerbanden-Streit

Nach der Auseinandersetzung zweier Rockerclubs in der Mönchengladbacher Altstadt laufen die Ermittlungen der Polizei an. Bisher gab es ... mehr 

Verbotene Liebe feiert 4000. Folge in der Nachtresidenz

Besser hätte das Drehbuch die Jubiläums-Party zur 4000. Folge "Verbotene Liebe" wohl auch nicht schreiben können: ... mehr 

Mehr Nachrichten Wissen Weltraum
meteorit dinokiller 2003-0807

Projekt zur Asteroidenabwehr gestartet

Schutzschild gegen Bomben aus dem All

Der Asteroid Apophis schrammt im April 2029 haarscharf an der Erde vorbei. Um gerade mal 30.000 Kilometer wird der 300-Meter-Brocken unseren Planeten verfehlen. Wäre Apophis auf Crashkurs, würde sein Einschlag ganze Regionen vernichten. mehr 

 

Halo durch Eiskristalle verursacht

Riesiger Leuchtring um den Mond

 

Blick in die Tiefen des Alls

Der geheimnisvolle Helixnebel

 

Neue "Super-Erde" entdeckt

Was genau ist eigentlich ein Planet?

 

Expansion in den Weltraum

Russland plant Mondlandung für 2020

 

Könnten hier Menschen wohnen?

Forscher finden "Super-Erde"

Top-Services
Antworten auf die wichtigsten Kälte-Fragen
Antworten auf die wichtigsten Kälte-Fragen
Deutschland friert: Die eisige Kälte aus .. mehr 
 
Antworten auf die wichtigsten Kälte-Fragen
Antworten auf die wichtigsten Kälte-Fragen
Deutschland friert: Die eisige Kälte aus ..
mehr 
Das Einmaleins der Planeten
Das Einmaleins der Planeten
Was genau ist ein Planet und was macht ein "Super-Erde" aus?
mehr 
Schwarze Löcher, ferne Galaxien, explodierende Sonnen
Schwarze Löcher, ferne Galaxien, explodierende Sonnen
In dieser Fotostrecke zeigen wir Ihnen die ..
mehr 
Sensation: Unbekannter Fischsaurier entdeckt
Sensation: Unbekannter Fischsaurier entdeckt
Vor sieben Jahren fanden Forscher auf einer ..
mehr 
Bildband: Überwiegend lustige Grafiken
Bildband: Überwiegend lustige Grafiken
Das Buch "Was wir tun, wenn der Aufzug nicht ..
mehr 
Neue Tierarten im Mekong-Delta entdeckt
Neue Tierarten im Mekong-Delta entdeckt
Über 200 neue Tierarten sind im Mekong-Gebiet entdeckt worden.
mehr 
PC-Präsentationen richtig halten
PC-Präsentationen richtig halten
Ab dem ersten Tag gehören PC-Präsentationen in ..
mehr 
Deutschlands erste Grünkohl-Akademie
Deutschlands erste Grünkohl-Akademie
Die Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH ..
mehr 
Sehenswerte Bildbände
Ritts_LA_02_full.jpg

Bildband zeigt Herb Ritts Werk

Akt und Mode in Vollendung

Herb Ritts gehört mit seinem Stil zu den wichtigsten und innovativsten US-Fotografen seiner Generation. Armani, Calvin Klein, Valentino oder Versace liebten ihn. So schuf Ritts Ikonen, die jetzt in einem Bildband gesammelt sind. mehr 

 
UDO LINDENBERG - STARK WIE ZWEI - 000 - Verwendung nur im Rahmen einer Online-Galerie - Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Berlin 2010.jpg

Bildband "Stark wie Zwei"

So sieht man Udo wirklich selten

Seine Markenzeichen sind Hut und Sonnenbrille. Er ist ein Meister der Selbstinszenierung und eine deutsche Ikone. Doch wie tickt Udo Lindenberg? Ein sehr intimer Bildband gewährt Einblicke. mehr 

 
GrafikenBild1.jpg

"Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt"

Überwiegend lustige Grafiken

Wer an der Ampel ankommt, hat meist rot. Ist doch so, oder? Was macht man, wenn der Bürokaffee alle ist? Neuen kochen oder durch alle Räume laufen, um sich bei jedem Kollegen zu beschweren? Katja Berlin und Peter Grünlich wissen die Antworten. von dagmar haas-pilwat  mehr