Abschlussbericht legt NASA-Schlampereien offen: "Columbia"-Astronauten hätten gerettet werden können
zuletzt aktualisiert: 26.08.2003 - 11:57Cape Canaveral (rpo). Die Untersuchungskommission zum Absturz der Raumfähre "Columbia" ist zu einem für die NASA niederschmetternden Ergebnis gelangt: Warnungen vor technischen Mängeln wurden nicht weitergeleitet. Wären die Gefahren ernst genommen worden, hätten die Astronauten womöglich gerettet werden können.
Sieben Monate nach dem Absturz der US-Raumfähre "Columbia" findet die Untersuchung der Unglücksursache mit der Vorlage des offiziellen Berichts ihren Abschluss. Der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, Sam O'Keefe, kündigte eine "wirklich hässliche" Bilanz an: Der Bericht soll Fehler von Ingenieuren und Managern publik machen, die das Unglück vom 1. Februar begünstigt haben. Die "Columbia" brach beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinander, alle sieben Astronauten an Bord kamen ums Leben.
Die 13 Mitglieder der Untersuchungskommission gelangten zu dem Schluss, dass ein Stück Isolierschaum das Hitzeschild der linken Tragfläche der "Columbia" beschädigte. Das rund 680 Gramm schwere Schaumstoffteil löste sich den Ermittlungen zufolge beim Start am 16. Januar und traf den Flügel. Durch das tellergroße Loch im Hitzeschild drangen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre 1.650 Grad heiße Gase ein und ließen die Tragfläche von innen schmelzen.
"Überhaupt kein Anlass zur Sorge"
Obwohl der Aufprall des Isolierschaums beim Start gefilmt wurde, gingen die verantwortlichen NASA-Ingenieure nicht von einer Gefährdung der Raumfähre aus. Ein Flugdirektor schrieb den Astronauten in einer E-Mail, es gebe "überhaupt keinen Anlass zur Sorge". Allerdings befürchteten einige Techniker einen Tag vor der Katastrophe doch, die Beschädigung könnte zum Absturz führen. Ihre Warnungen wurden nicht weitergeleitet. Nur wenige Stunden nach dem Absturz galt die Beschädigung durch den Isolierschaum bereits als wahrscheinlichste Ursache.
Die Ermittlungen ergaben auch, dass Mitarbeiter noch während der Mission Satellitenaufnahmen von der "Columbia" sehen wollten, um die Schwere des Schadens beurteilen zu können. Ihre Forderung wurde von den Verantwortlichen jedoch nicht aufgenommen.
Wäre die Gefahr ernst genommen worden, hätten die Astronauten womöglich gerettet werden können. Chefermittler Harold Gehman sagte im Mai, die NASA hätte eine weitere Raumfähre ins All schießen können, um die Crew aus der absturzgeweihten "Columbia" zu befreien.
Der Abschluss der Ermittlungen könnte nun die Tür für eine Wiederaufnahme des Raumfahrtprogramms öffnen. Allerdings machte die Untersuchungskommission neue Auflagen. Dazu gehört eine Methode, um Schäden am Hitzeschild während des Fluges im All zu reparieren; detailliertere Bilder vom Start; die Analyse von Satellitenaufnahmen sowie schärfere Inspektionsvorschriften. Der erste Start der Raumfähre "Atlantis" nach dem Unglück ist für Frühjahr 2005 geplant.
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