Raumtransporter "ATV-Evolution" vorgestellt: Deutschland will in bemannte Raumfahrt einsteigen
zuletzt aktualisiert: 14.05.2008 - 11:26Bremen (RPO). Deutschland will offenbar in das Abenteuer bemannte Raumfahrt einsteigen. Ein erster Flug könnte bereits 2017 möglich sein. Eine Studie für ein Raumschiff wurde jetzt vom europäischen Raumfahrtkonzern EADS Astrium vorgestellt.
Dabei betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Astrium GmbH, Evert Dudok, der neue Transporter sei "technisch machbar". Die Frachtrückführung sei schon 2013 und die bemannte Version 2017 "denkbar".
Bei dem bemannten Raumtransporter handelt es sich um die mögliche Weiterentwicklung des Automatischen Transportraumschiffs (ATV) "Jules Verne", das Anfang April an der Internationalen Raumstation ISS festgemacht hat. Ein Modell des "ATV-Evolution" soll auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2008 in Berlin erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.
In einem ersten Schritt soll in der Studie untersucht werden, ob Deutschland und Europa in der Lage sind, den Rücktransport von Fracht von der ISS zur Erde zu bewerkstelligen. Im zweiten Schritt geht es dann um den Transport von drei Astronauten zur Raumstation und zurück.
Dudok betonte, für die Realisierung sei allerdings eine politische Entscheidung erforderlich, die innerhalb eines Jahres fallen müsste. Die genauen Kosten für das Projekt wollte er nicht nennen. Sie beliefen sich aber unter der Milliarden-Grenze.
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, betonte, mit "Columbus" und ATV habe Europa international für viel Aufsehen gesorgt. Nun fehle nur noch die bemannte ATV-Variante, um Europa den eigenständigen bemannten Zugang zur ISS und darüber hinaus zu sichern.
Wörner sagte, die Bereitschaft der Politik, über ein solches Projekt zu sprechen, sei in letzter Zeit "massiv besser" geworden. Er hoffe deshalb auf eine "positive Entscheidung". Der DLR-Chef zeigte sich überzeugt, dass dieser "Alleingang Europas" bei der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und bei der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos nicht als "feindliches Manöver" angesehen werde.
Nach Angaben des DLR-Vorstandsmitglieds Thomas Reiter ist geplant, die Frachtkapsel wie die bemannte Kapsel, die einen Durchmesser von rund drei Metern hat, vor der Westküste Afrikas wassern zu lassen. Dort würden sie dann von einem Spezialkommando geborgen.
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