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Genaue Aussage erst 2029 möglich: Erde droht Asteroideneinschlag

zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 - 07:11

Frankfurt/Main (RPO). Der altägyptische Gott Apophis könnte nach dem 13. April 2029 für Chaos auf der Erde sorgen. Dann wird er sich der Erde in Gestalt eines Asteroiden mit ungefähr 300 Metern Durchmesser bis auf 30.000 Kilometer näheren. Sieben Jahre später könnte er dann auf der Erde einschlagen.

Zerfallen die Asteroiden nicht in der Erdatmosphäre, können sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50.000 Stundenkilometern die Erde treffen.  Foto: ESA, AOES Medialab, AP
Zerfallen die Asteroiden nicht in der Erdatmosphäre, können sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50.000 Stundenkilometern die Erde treffen. Foto: ESA, AOES Medialab, AP

"Die Öffentlichkeit interessiert sich immer noch zu wenig für Asteroiden", sagt Michael Khan, Raumfahrtingenieur bei der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) in Darmstadt. Er war an einer Vielzahl namhafter Missionen beteiligt, unter anderem Ulysses und Cassini-Huygens.

Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages von "Apophis" wird zwar derzeit von Experten gleich null bewertet. Doch genau wissen wird man es erst 2029. Dann ist Apophis nahe genug, um exakte Berechnungen anstellen zu können. Benannt ist der Himmelskörper nach dem ägypischen Gott Apophis, dem Widersacher des Sonnengottes Re, der für Finsternis und Chaos steht.

Zerstörungsszenario 800 Megatonnen

Die Öffentlichkeit weiß wenig über die Himmelsobjekte. Asteroiden kommen aus einer Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren, als das Sonnensystem geboren wurde. Unterschieden wird grob zwischen Asteroiden aus Stein und Kometen aus Eis. Reste dieser Himmelskörper gehen auf der Erde als Meteoriten nieder oder sind als Sternschnuppen am Himmel zu beobachten. Die meisten kommen aus dem Raum zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Ende 2008 waren insgesamt 438.000 dieser Himmelskörper im Sonnensystem bekannt. Doch dürfte ihre Zahl weitaus höher liegen: Immer wieder werden neue entdeckt.

Ein Blick in die Internet-Datenbanken von ESA und NASA: Immer wieder kreuzen kleinere und größere Objekte die Erdbahn. "1441052 (2001 XR1)" zum Beispiel, ein Objekt von einer Größe zwischen 930 und 2100 Metern, huschte am 1. Februar in einer Entfernung von 0,1769 Astronomischen Einheiten, das sind etwa 26,6 Millionen Kilometer, am blauen Planet vorbei.

Zerfallen die Asteroiden nicht in der Erdatmosphäre, können sie mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von mehr als 15 Kilometern in der Sekunde, also 50.000 Stundenkilometer, die Erde treffen. Bereits ein Objekt von 800 Metern Durchmesser könne globale Konsequenzen auslösen, gar das Ende der Zivilisation bedeuten. Ein 200 Meter großer Brocken könne ein mittelgroßes Land verwüsten, erläutert Khan.

Einschläge in Tunguska und Arizona

Historische Beispiele gibt es viele. Vor 12.000 Jahren erst stürzte ein Gesteinsbrocken von rund 30 Metern Durchmesser und etwa 15.000 Tonnen Gewicht in Arizona auf die Erde und hinterließ einen 1,2 Kilometer breiten Krater. Heute noch ist der Krater rund 170 Meter tief.

Am 30. Juni 1908 explodierte ein Asteroid in acht Kilometern über Tunguska in Sibirien. Experten schätzen, dass allein bei der rund 15 Megatonnen starken Explosion 60 Millionen Bäume auf einer Fläche von 2.000 Quadratkilometern umgeknickt wurden. Apophis würde mit einer Sprengkraft von schätzungsweise 400 bis 800 Megatonnen TNT ein Vielfaches entfachen. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch das Aussterben der Dinosaurier auf den Einschlag eines Asteroiden von rund 10 Kilometer Durchmesser zurückzuführen ist.

Don Quichotes Kampf gegen die Gefahr aus dem All

Rund 1000 Objekte bezeichnet die NASA derzeit als potenziell gefährlich. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenstoß mit einem zwei Kilometer großen Brocken laut NASA nur etwa ein bis zwei Mal in einer Million Jahren vorkommt, suchen Astronomen, Raumfahrtingenieure und Physiker weltweit nach Möglichkeiten, um einen potenziellen Einschlag vorherzusehen und rechtzeitig abzuwenden.

Beim Space-Guard-Programm fotografieren sekündlich automatische Kameras die Himmelssektoren. Verschiedene Sonden, darunter "Deep Impact", haben Asteroiden schon fotografiert und Staub aus dem All gesammelt. Wegen ihrer chemischen Beschaffenheit stehen die Himmelskörper nämlich auch im Verdacht, die Entwicklung des Lebens und des Klimas auf der Erde vorangetrieben zu haben.

Die ESA bereitet eine Mission mit dem Namen "Don Quichote" vor: Eine Sonde soll die Möglichkeit untersuchen, einen Asteroiden von seiner Bahn abzulenken. "Die Mission ist derzeit etwas in Verzug geraten", sagt Kahn. Er schätzt aber, dass es spätestens Ende des kommenden Jahrzehnts losgehen soll.

Für die Sonde "Rosetta" begann die Mission 2004. Im folgenden Jahr untersuchte sie die physikalische und chemische Beschaffenheit des Kometen "Steins" und funkte spektakuläre Bilder auf die Erde. Den Asteroid "Lutetia" soll sie 2010 passieren, 2014 soll sie als erstes Raumfahrzeug überhaupt auf einem Kometen landen.

Quelle: AP

 
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