Größtes Weltraumteleskop der Erde: Europa schickt "Herschel" auf Sternen-Jagd
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 14.05.2009 - 15:51Düsseldorf (RPO). Mission im Doppelpack: Die europäische Weltraumagentur ESA startet am Donnerstag um 15.12 Uhr zwei Teleskope ins All: „Herschel“ wird das bisher größte Obervatorium im All sein. Im Infrarotlicht beobachtet es Baby-Galaxien und Sterne in den Geburtswehen. „Planck“ untersucht die kosmische Hintergrundstrahlung, der Nachhall des Urknalls, so genau wie noch zuvor. Beide Missionen kosten zusammen 1,8 Milliarden Euro.
Europa richtet seinen Blick zu den Sternen. Buchstäblich. Denn am Donnerstag startet die europäische Weltraumagentur ESA mit „Herschel“ ein neues Observatorium. In einer Ariane-5-Rakete wird es zusammen mit seinem kleinen Bruder „Planck“ vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ins All abheben.
Mit 3,5 Meter Durchmesser ist Herschels Spiegel fast 50 Prozent größer als beim berühmten Vorgänger Hubble. Doch anders als das 19 Jahre alte Teleskop soll das ESA-Observatorium nicht das fürs Auge sichtbare Licht einfangen. Vielmehr nimmt es Infrarot-Strahlung, also Wärmestrahlung, aus den Weiten des Alls auf und eröffnet so eine neue Sicht auf das Universum: Im Infrarot-Licht versperrt Staub nicht mehr den Blick auf die Kinderstuben junger Sternen und ihrer Planetensysteme in großen interstellaren Gaswolken.
Auch Milliarden Lichtjahre entfernte Baby-Galaxien im damals noch jungem Universum lassen sich mit Herschel untersuchen. Für Hubble sind sie unsichtbar. Zudem wird das neue Teleskop Kometen und Planeten-Atmosphären sowie die Oberflächen entfernter Planeten untersuchen – und dabei nach Wasser suchen. Das ist eine Mindestanforderung für mögliches Leben auf anderen Planeten.
Um seine Mission erfüllen zu können, wird sich Herschel nicht im erdnahen Orbit bewegen. Das 7,5 Meter lange und 300 Kilogramm schwere Himmelsauge wird nach einer 60-tägigen Reise an einem so genannten Lagrange-Punkt ankommen – etwa 1,5 Millionen Kilometer von uns entfernt. Dort heben sich die Kräfte der Erde und der Sonne auf das Teleskop gerade auf.
Allerdings ist diese Position extrem instabil. Die Mission gleicht dem Versuch, einen Golfball vom Boden aus auf den Gipfel des Mount Everest einzulochen. Tatsächlich wird Herschel seine Bahn immer wieder korrigieren müssen und zwischen 1,2 Millionen und 1,8 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein – immer um den Lagrange-Punkt herum.
Die Vorteile: Die Sonde bewegt sich immer im Schatten der Erde, hat frei Sicht und wird von Störstrahlung nicht beeinflusst. Vor allem ist Herschel dort vor der Sonne geschützt. Das macht es leichter, die Instrumente mit Hilfe von 2300 Liter flüssigen Helium als Kühlmittel auf Temperaturen knapp über den absoluten Nullpunkt bei -273 Grad zu halten.
Herschel ist nach dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) benannt und soll im Idealfall bis 2013 im Einsatz sein. Die Kosten des Gesamtprojekt belaufen sich auf 1,1 Milliarden Euro. Das Weltraumteleskop wird sich indes nicht alleine auf die Reise gehen.
Zusammen mit ihm startet auch das insgesamt 700 Millionen Euro teure, 4,2 Meter lange und nur 28 Kilogramm schwere Planck-Observatorium. In ähnlicher Position wie Herschel untersucht es bis 2012 die kosmische Hintergrundstrahlung – das Echo des Urknalls vor knapp 14 Milliarden Jahren als unser Universum entstand.
Planck wird dabei erstmals Temperaturunterschiede von einem Millionstel Grad feststellen können. Daten, die Rückschlüsse auf Vorgänge erlauben, die sich nach dem Urknall im gerade mal 380.000 Jahre alten, „jugendlichen“ Kosmos abgespielt haben.
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