Forschungsergebnisse: Hatte die Erde früher mehr als einen Mond?
zuletzt aktualisiert: 06.05.2008 - 14:36London (RPO). Die Erde könnte einmal mehr als nur einen Mond besessen haben. Als vor 4,5 Milliarden Jahren der Mond durch die Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper entstand, sammelten sich vermutlich weitere Bruchstücke an zwei bestimmten Stellen in der Umlaufbahn des Mondes an.
An diesen Orten heben sich die Anziehungskräfte von Erde und Mond auf, so dass sich weitere Erdtrabanten mit dem heutigen Mond synchron in einer Umlaufbahn um die Erde bewegten, wie Forscher um Jack Lissauer von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa berechnet haben.
Durch die Anziehungskräfte der anderen Planeten seien diese hypothetischen Monde allerdings nach einigen Millionen Jahren aus ihrer Bahn gekickt worden, schreibt der Onlinedienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".
Wenn sich ein Himmelskörper in einer Umlaufbahn um einen schwereren Zentralkörper - eine Sonne oder einen Planeten - dreht, gibt es mehrere sogenannte Lagrange-Punkte, in denen sich die Gravitationswirkung beider Körper aufhebt. Gerät ein weiterer Himmelskörper an diesen Punkt, kann er daher dort hängen bleiben. Astronomen bezeichnen größere Gesteinsbrocken an solchen Punkten als Trojaner, wie sie etwa für den Jupiter, den Neptun und zwei Saturnmonde nachgewiesen sind.
Die Astronomen um Lissauer berechneten, wie stabil die Bahn von Trojanern des Erdmonds ist. Diese Trojaner würden sich auf der Bahn des Mondes rund 390 000 Kilometer vor und hinter dem Mond bewegen. Ohne äußere Einflüsse durch andere Planeten blieben die Trojaner des Mondes für viele hundert Millionen Jahre stabil auf ihren Lagrange-Punkten. Als Lissauer in seinen Berechnungen die Schwerkraftwirkung der großen äußeren Planeten des Sonnensystems hinzunahm, wurden die Trojaner demzufolge nach einigen Millionen Jahren jedoch aus ihrer Bahn geworfen. Sie drifteten weg oder kollidierten mit der Erde oder dem Mond. Dies erkläre, weshalb diese Punkte heutzutage verwaist sind. Falls es tatsächlich Trojaner des Erdmonds gab, so hatten diese nach Schätzungen von Astronomen Durchmesser von mehreren Dutzend Kilometern. Von der Erde wären sie ähnlich gut sichtbar gewesen wie die hell leuchtenden Planeten Jupiter und Venus.
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