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"Mit bloßem Auge sieht man mehr!": Mars macht mobil: Großer Andrang in den Sternwarten

zuletzt aktualisiert: 27.08.2003 - 14:17

Berlin (rpo). Da wohl nur die wenigsten schon bei der letzten Marsannäherung vor 60.000 Jahren live dabei waren, ist der Andrang in den Sternwarten groß, um einen Blick auf unseren roten Nachbarn zu erhaschen.

Die lange Menschenschlange endet in einem Holzverschlag. Dort, ganz vorne, steht im Dunkel ein Fernrohr, durch das ein 14-jähriges Mädchen gebannt Blicke auf eine Kugel aus Staub, Gestein und Eis wirft: den Mars. Rund 300 Besucher, junge Pärchen, Familien, Motorradfahrer mit Helm und Lederkluft, sind an diesem Abend im August in die Berliner Archenhold-Sternwarte gekommen - sie alle wollen "den Roten Planeten" sehen.

55,76 Millionen Kilometer ist er derzeit von der Erde entfernt, so nah wie zuletzt vor 60.000 Jahren - zur Zeit der Neandertaler. "Doch die haben davon bestimmt nichts mitgekriegt", sagt der Astronom Dietmar Fürst.

Er hat viel zu tun in dieser Woche, Nacht für Nacht: Nach einem Vortrag begleitet Fürst die Besucher durchs weitläufige Freigelände der Sternwarte dorthin, wo die beiden Teleskope stehen. Dann schaut einer nach dem anderen hindurch - bis alle geguckt haben, kann es 2.00 Uhr früh werden. Fürst steht geduldig daneben, beantwortet Fragen, regelt das Fernrohr nach.

Vorher, im vollen Vortragsaal, erklärt er, warum sich Erde und Mars manchmal so nahe kommen: Die Planeten bewegen sich nicht auf einem perfekten Kreis um die Sonne, sondern in einer ovalen Bahn, einer Ellipse. Fürst zeigt eindrucksvolle Nahaufnahmen aus den Geschichte der Marsforschung.

Am Ende seines Vortrags sagt er: "Jetzt müssen Sie bitte die Bilder wieder vergessen!" Denn nach den hochaufgelösten Aufnahmen der Profis an der sechs Meter breiten Leinwand der Sternwarte muss der persönliche Blick durchs Fernrohr zur Enttäuschung werden - so gut wie eine Raumsonde kann kein Teleskop der Erde den Roten Planeten zeigen.

"Da sieht man ja mit bloßem Auge mehr", meint eine Frau. Als verschwommene Lichtfläche sei ihr der Mars im Fernrohr erschienen, so groß wie ein Tennisball, an den Rändern völlig ausgefranst. Das liegt am Großstadtdunst und dem Flimmern in der Nachtluft, das durch die Vergrößerung verstärkt wird.

Details der Oberfläche habe sie nicht erkannt. Und durch das grelle Sonnenlicht wirkt der Rote Planet auch noch ganz gelb im Fernrohr. Die Besucherschlange vor den Teleskopen rückt langsam voran. Dann stockt sie: Wolken vor dem Mars. Später klart es wieder auf, und der Planet ist erneut zu sehen.

Immerhin bietet das Teleskop die Chance, den Nachbarplaneten der Erde ohne die Hilfe von Raumsonden oder Satelliten zu betrachten. Und die Beobachtung mit Hindernissen lässt vielleicht die Schwierigkeiten früherer Astronomen erahnen, die leicht optischen Täuschungen erliegen konnten, die ihnen etwa "Kanäle" auf der Marsoberfläche vorgaukelten.

Bundesweit bieten mehrere Planetarien und Sternwarten weiterhin Marsnächte an - auch im September wird der Rote Planet den Nachthimmel weiter dominieren. Auf die nächste ähnliche Marsannäherung müssen Sternengucker bis zum Juli 2018 warten - und näher als in diesem Jahr kommen sich Erde und Mars erst 2287.


 
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