Kometensonde "Rosetta" holt Schwung: Mit rund 140.000 k/mh auf dem Weg ins All
zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 17:54Darmstadt (RPO). Die europäische Kometensonde "Rosetta" ist mit neuem Schwung in die Tiefen des Weltalls gestartet. Wie die Europäische Weltraumagentur ESA in Darmstadt mitteilte, passierte "Rosetta" am Freitagmorgen um 08.45 Uhr zum dritten und letzten Mal die Erde und beschleunigte dadurch auf rund 140.000 Stundenkilometer. Die Raumsonde ist nun schnell genug, um selbst mit einem durch das Sonnensystem rasenden Kometen mithalten zu können.
Nach Angaben der ESA passierte die Sonde die Erde am Freitagmorgen die Erde in einer Höhe von 2481 Kilometern südlich der indonesischen Insel Java. Der im März 2004 gestartete "Kometenjäger" habe nun mit rund 4,5 von insgesamt 7,1 Milliarden Kilometern mehr als die Hälfte seiner Wegstrecke zurückgelegt. Nach einer für Juli 2010 geplanten Begegnung mit dem Asteroiden Lutetia soll "Rosetta" sich im Frühjahr 2014 dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko nähern.
Die rund eine Milliarde Euro teuere "Rosetta"-Mission ist eines der ehrgeizigsten Projekte in der Geschichte der Raumfahrt. Nach dem Rendezvous mit dem Kometen soll die Sonde für rund sechs Monate Tschurjumow-Gerasimenko umkreisen und von allen Seiten fotografieren. Spezialkameras und Spektrometer sollen Aufschluss über Dichte, chemische Zusammensetzung und Temperatur des Kometen geben.
Aufschluss über junges Sonnensystem
Im November 2014 wird "Rosetta" dann aus einer Höhe von einem Kilometer eine kompakte Landeeinheit abwerfen. Das Landegerät Philae soll auf der Oberfläche des Kometen Bohrungen vornehmen, Bodenproben nehmen und diese analysieren. Um "Rosetta" auf die notwendige Geschwindigkeit für ein Rendezvous mit dem Kometen zu beschleunigen, waren insgesamt vier Vorbeiflüge an Erde und Mars notwendig. Durch die Anziehungskraft der Planeten konnte die Sonde zusätzlichen Schwung holen.
Mit einem herkömmlichen Raketenantrieb hätte "Rosetta" lediglich auf eine Geschwindigkeit von rund 30.000 Stundenkilometern beschleunigt werden können. Dies ist deutlich zu langsam für einen Kometen, der mit 135.000 Studenkilometern durch das All rast. Alle Kometen sind in den so genannten Orthschen Wolken entstanden, einer Zone am äußersten Rand unseres Sonnensystems. Seit Entstehung des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahren haben sich die Kometen kaum verändert.
Die stoffliche Zusammensetzung eines Kometen kann der Wissenschaft daher Aufschluss geben über den Zustand des Sonnensystems, als es noch jung war. Zudem ist aus früheren Kometenmissionen bereits bekannt, dass Kometen Träger komplexer organischer Moleküle sind. Manche Wissenschaftler glauben, dass diese Stoffe über den Einschlag eines Kometen erstmals auf die Erde gelangt sind. Dies könnte eine Art Initialzündung für die Entstehung des Lebens gewesen sein.
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