Nasa beschießt Erdtrabanten: Raketenstufe schlägt auf dem Mond ein
zuletzt aktualisiert: 09.10.2009 - 14:00Washington (RPO). Die US-Weltraumbehörde Nasa hat am Freitag wie geplant den Mond beschossen. Die zwei Tonnen schwere Raketenstufe schlug mit einer Geschwindigkeit von 9000 Kilometern pro Stunde in einem Krater am Südpol des Erdtrabanten ein.
Von der Analyse der aufsteigenden Staubwolke, die bis zu zehn Kilometer hoch sein sollte, erhoffen sich die Wissenschaftler einen Beweis für Wasser auf dem Mond. Von der Erde aus verfolgten zahllose Teleskope das Schauspiel.
Um 13.31 Uhr MESZ wurde die 2,3 Tonnen schwere ausgebrannte Oberstufe der Trägerrakete der Mondsonde LRO gezielt im Cabeus-Krater am Südpol des Erdtrabanten zum Absturz gebracht. Hinter ihr flog die Raumsonde LCROSS, die den Einschlag filmte und mit ihren Instrumenten die Staubwolke untersuchen sollte. LCROSS (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) wurde im Juni ins All und in eine Umlaufbahn um den Mond geschossen und hat seitdem die Mondoberfläche mit einer hochauflösenden Kamera fotografiert.
Ziel des Doppelschlags der NASA war der Krater "Cabeus A" am Südpol des Erdtrabanten. Forscher vermuten, dass sich gerade tief unten in Kratern an den Polen, die nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, Wasser in Form von Eis gesammelt haben könnte. Wasser ist eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau längerfristiger bemannter Stationen auf dem Mond.
Die Wissenschaftler wollen damit ihre Hypothese bestätigen, dass es auf dem Boden des Kraters, der nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, Wassereis gibt. Die NASA geht davon aus, dass durch den Aufschlag der Raketenstufe bei 9010 Stundenkilometern ein Loch von etwa 20 Metern Durchmesser und fünf Metern Tiefe entstanden ist und etwa 400 Tonnen Mondmaterie aufgewirbelt wurden. Das Experiment wurde auch von der Erde und mit Satelliten, darunter das "Hubble"-Weltraumteleskop, beobachtet und im Bild festgehalten.
Die Mondsonde war am 18. Juni in Cape Canaveral (Florida) gestartet worden. Fünf Tage schwenkte sie auf eine Mondlaufbahn ein. Ziel der rund 480 Millionen Euro teuren Mission ist unter anderem die Kartierung des Erdtrabanten mit bisher unerreichter Genauigkeit, die Erkundung von Landestellen für künftige bemannte Flüge und die Suche nach Wasser an den Polen. Dazu umkreist der Orbiter den Mond rund ein Jahr lang in 50 Kilometern Höhe und macht Aufnahmen mit einer Auflösung von etwa einem halben Meter.
Deutschland ist mit zwei Forschergruppen an der Mission beteiligt. So hilft ein Team vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Technischen Universität Berlin bei der geophysikalischen und geodätischen Interpretation der Daten des Laser-Höhenmessers LOLA. Das Institut für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bringt zudem seine Expertise auf dem Gebiet der geologischen Bilddatenauswertung und Altersbestimmung für die Aufnahmen der Mondkamera LROC ein. Die Berliner Wissenschaftler streben zudem die hochpräzise Vermessung der Landestellen der "Apollo"-Mondmissionen aus den Jahren 1969-72 an. Erste Aufnahmen hat die Sonde davon bereits Anfang Juli gemacht.
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