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Spektakuläre Polarlichter erwartet: Stärkster Sonnensturm seit 2005 trifft die Erde

zuletzt aktualisiert: 24.01.2012 - 17:57

Washington (RPO). Sie können Flugzeuge und Satelliten stören und sogar Stromnetze lahmlegen: Sonnenstürme. Eine solche Teilchenwolke sollte am Dienstag die Erde erreichen. Die Folgen waren zunächst ungewiss.

Ein schwerer Sonnensturm wird in den kommenden Tagen auf die Erde treffen. Foto: dpa, Solar Dynamics Observatory, NASA
Ein schwerer Sonnensturm wird in den kommenden Tagen auf die Erde treffen. Foto: dpa, Solar Dynamics Observatory, NASA

Ein gewaltiger Sonnensturm ist auf die Erde zugerast. Er sollte nach Berechnungen der US-Wetterbehörde NOAA am Dienstagmittag (MEZ) auf die Erdatmosphäre treffen. Der Sonnensturm hat nach Angaben der NOAA die Strahlenstärke S3 auf einer fünfteiligen Skala, er sei der gewaltigste seit 2005.

Bei hoher Sonnenaktivität werden große Gaswolken aus den Außenschichten der Sonne ins All geschleudert. Diese sind elektrisch geladen und können das Erdmagnetfeld stören. Für Natur und Menschen auf der Erde sind sie ungefährlich, da sie nicht durch das Magnetfeld dringen.

Info

Über Schottland, Nordengland und den nördlichen Teilen Irlands hat es am Dienstag spektakuläre Polarlichter gegeben. Meist sind die Leuchterscheinungen erst nördlich des 60. Breitengrades, also nördlich der Nordspitze Schottlands am Himmel zu sehen. Experten zufolge sind die Polarlichter noch mehrere Tage zu sehen.

Bei Stärke S3 können jedoch Passagiere und Crew von sehr hoch fliegenden Flugzeugen einem erhöhten Strahlenrisiko ausgesetzt sein. Insbesondere in Polnähe werden möglicherweise Navigationssysteme von Flugzeugen gestört. Flugzeuge und Raumschiffe sollten daher die Polarregionen am Dienstag meiden, riet die NOAA.

Plasmawolke hatte sich am Montag von der Sonne gelöst

"Die Strahlungsbelastung, die während eines starken Sonnensturms bei Flügen über den Polen maximal auftreten kann, liegt in etwa bei einmal Röntgen", hatte der Sonnenphysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen kürzlich erläutert. Das sei für die Passagiere zwar kein Problem, sehr wohl aber für das Flugpersonal - weil es der Belastung häufiger ausgesetzt ist.

Größere Gefahr besteht auch für Astronauten, die sich außerhalb eines Raumschiffs befinden. Es kann zudem zu kleineren Störungen von Satelliten kommen, daher werden die Solarsegel bei Sturmwarnung im All oftmals eingezogen und bestimmte Instrumente abgeschaltet. Voraussichtlich führt der Sonnensturm auch wieder zu bunten Polarlichtern.

Die Plasmawolke hatte sich am Montag von der Sonne gelöst. Sie hatte nach NOAA-Angaben eine Anfangsgeschwindigkeit von mehr als 2000 Kilometern pro Sekunde - das sind über 7,2 Millionen Kilometer pro Stunde.

Der Sonnensturm sollte nach Angaben des Internetdienstes "Spaceweather" am Mittwoch den Planeten Mars erreichen. Er wäre damit eine Art Sonnengruß für den Marsrover "Opportunity", der dann exakt acht Jahre lang auf dem Roten Planeten im Einsatz ist.

Zahl der Sonnenstürme steigt

Unsere Sonne schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren zwischen ruhigen und besonders aktiven Phasen mit vielen Sonnenflecken, Gasausbrüchen und Strahlungsstürmen.

Grund für die Aktivitätsschwankungen ist der Rhythmus des Gastransports in den Außenschichten der Sonne. Seit 2010 steigt die Aktivität der Sonne wieder an.

Während einer aktiven Phase treten vermehrt Sonnenflecken auf. Die damit verbundenen starken Magnetfelder können große Gaswolken aus den Außenschichten der Sonne ins All schleudern. Diese sind elektrisch geladen und stören daher das Erdmagnetfeld, wenn sie die Erde kreuzen.

Der resultierende geomagnetische Sturm kann unterschiedlich stark ausfallen: Meist bleibt er unbemerkt, schwere Stürme können jedoch Satelliten, elektrische Anlagen und Funkverbindungen stören oder sogar beschädigen. Für Menschen auf dem Erdboden ist das Phänomen nicht gefährlich. Für Passagiere in Langstreckenflügen kann sich in Extremfällen eine erhöhte Strahlenbelastung ergeben.

Ein besonders starker Sonnensturm hatte etwa am 1. und 2. September 1859 die gerade eingeführten Telegrafenleitungen lahmgelegt und Polarlichter erzeugt, die noch in Rom und Havanna sichtbar waren.

Quelle: dpa

 
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