RP-Online-Interview mit Bayer HealthCare: Viagra vs. Levitra - die Unterschiede
zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 09:13Düsseldorf (rpo). Im Rahmen der Erforschung von Herz-Kreislauf-Medikamenten entdeckte das Phamaunternehmen Pfizer die Wirkung von sogenannten Phosphodiesterase-Hemmern (PDE-Hemmer) auf Potenzstörungen. Das Ergebnis war Viagra. Inzwischen hat Viagra Konkurrenz aus Deutschland bekommen. RP Online sprach mit Christina Sehnert von Bayer HealthCare über Wirkung, Nebenwirkungen und neue Einsatzgebiete.
Ihr Produkt Levitra wirkt ebenso wie Viagra und Cialis als PDE-5-Hemmer. Welchen Vorteil bieten diese Stoffe gegenüber Produkten die mit Apomorphinhydrochlorid direkt auf das Gehirn wirken?
PDE-5-Hemmer bewirken gezielt eine Gefäßerweiterung im Penis. Dabei bekommen die Patienten jedoch nicht automatisch eine Erektion. Es ist auf jeden Fall immer eine sexuelle Stimulation nötig.
Und worin besteht der Unterschied zu Viagra?
Der Wirkstoff von Levitra wurde eigens für Erektionsprobleme in unserem Pharma-Forschungszentrum in Wuppertal entwickelt. Rund 5.000 Substanzen haben die Forscher untersucht und dabei darauf geachtet, dass der Wirkstoff ganz gezielt nur dort wirkt, wo es drauf ankommt und dass wenig Nebenwirkungen auftreten. Das andere Konkurrenzprodukt Cialis von Lilly Icos hat neben der Verträglichkeit auch eine längere Wirkdauer.
Warum ist Bayer bei einer Wirkdauer von vier Stunden geblieben?
Die vier Stunden beziehen sich auf den Wirkstoffspiegel im Blut, die Wirkdauer ist individuell und kann bis zu zwölf Stunden betragen. Aber in der Tat war die Vorgabe für die Forscher eine schnell einsetzende Wirkung und eine nicht zu lang anhaltende Halbwertzeit des Wirkstoffs im Blut herbeizuführen, um mögliche Wechsel- oder Nebenwirkungen zu vermeiden.
Welche Nebenwirkungen können denn bei der Einnahme von PDE-5-Hemmern auftreten?
Errötungen, eventuell Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase. Der Grund dafür liegt in der gefäßerweiternden Wirkung des Medikaments auf Schwellkörper. Die Durchblutung in Kopf, Nase und Penis wird durch PDE-5-Hemmer verstärkt. Die Wirkung von anderen gefäßerweiternden Mitteln kann verstärkt werden.
Könnten PDE-5-Hemmer denn eventuell auch andere Krankheiten positiv beeinflussen, zum Beispiel Herzkrankheiten?
Natürlich werden weitere Studien mit Levitra gemacht, auch nachdem es auf dem Markt ist. Momentan konzentrieren wir uns dabei auf die Behandlung von Erektionsstörungen. Phosphodiesterasen sind ein interessantes Untersuchungsgebiet für die Pharma-Forschung. Aber je nach Organ und Art der PDE sind die Wirkungen natürlich völlig verschieden. So können sie zum Beispiel im Herzen zur Leistungssteigerung beitragen.
Das Gespräch führte Anja Wunsch
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