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Katastrophe: Vor 20 Jahren explodierte die "Challenger"

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 10:44

Cape Canaveral (rpo). Nur 73 Sekunden währte die Freude über den Bilderbuchstart der US-Raumfähre "Challenger" am 28. Januar 1986, dann schlug sich in den Gesichtern der Anwesenden am Cape Canaveral Entsetzen nieder. Eine Rauchwolke umhüllte plötzlich das Space-Shuttle und nur Sekunden später explodierte die Fähre in einem gewaltigen Feuerball.

Die Detonation in 15.240 Metern Höhe über dem Atlantik riss alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod. Angehörige der Astronauten und weitere Zuschauer am Boden sowie Millionen Menschen an den Fernsehschirmen weltweit wurden Zeugen der Tragödie.

Die Katastrophe vor zwei Jahrzehnten erschütterte das glänzende Image der Raumfahrtbehörde NASA und den Glauben daran, dass Raumflüge so alltäglich wie Flugreisen werden könnten. Die Untersuchung des bis dahin schwersten Unglücks in der Geschichte der bemannten Raumfahrt offenbarte eine NASA, der mehr an der Einhaltung von Zeitplänen und der Öffentlichkeitsarbeit gelegen war als an Sicherheit und einwandfreien Entscheidungen.

Nichts gelernt

Fast auf den Tag genau 17 Jahre später, am 1. Februar 2003, verlor die NASA beim Absturz der "Columbia" erneut sieben Astronauten - und viele stellten danach ernüchternd fest, dass die Raumfahrtbehörde aus der "Challenger"-Katastrophe nichts gelernt habe. Senator Bill Nelson aus Florida, der selbst als Astronaut mit einem Shuttle im All war, macht "die Arroganz des NASA-Managements" für beide Katastrophen verantwortlich. Die Führung der Raumfahrtbehörde habe nicht auf die Ingenieure gehört, meint Nelson.

Die jetzige Führung mit Direktor Michael Griffin an der Spitze habe inzwischen aber die Lektion aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt, zeigt sich der ehemalige Astronaut zuversichtlich. Die Raumfähren seien damals ein Symbol des technischen Könnens der USA gewesen, sagt Nelson in Erinnerung an die "Challenger"-Katastrophe. Und mit einmal sei das vor aller Augen zerstört worden.

Ursache des "Challenger"-Unglücks waren schadhafte Dichtungsringe an einer der beiden wiederverwendbaren Feststoffraketen. Die Ringe waren infolge von Kälteeinwirkung in der Nacht vor dem Start brüchig geworden. Warnungen von Ingenieuren des Herstellers Morton Thiokol hatte die NASA-Führung in den Wind geschlagen. Die Ingenieure hatten sich wegen der eisigen Kälte an jenem Januarmorgen vor 20 Jahren gegen einen Start der Raumfähre ausgesprochen. Wie die vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan einsetzte Untersuchungskommission in ihrem Bericht feststellte, setzte sich schließlich auch das Management von Morton Thiokol unter dem Druck der NASA über die Empfehlung der eigenen Ingenieure hinweg und zog die Bedenken gegen einen Start zurück.

So hob die "Challenger" am 28. Januar 1986 um 11.38 Uhr Ortszeit (17.38 Uhr MEZ) von der Startrampe in Cape Canaveral ab. Es war der 25. Flug eines Shuttles und der zehnte der "Challenger". Alles schien normal zu verlaufen. Doch 73 Sekunden nach dem Start explodierte plötzlich der Außentank mit den beiden Feststoffraketen, mit dem der Shuttle in der ersten Flugphase verbunden ist, in einem Feuerball und zerriss die Fähre. Die Trümmerteile stürzten einen Feuer- und Rauchschweif hinter sich herziehend in den Atlantik vor der Küste Floridas.

Die sieben Astronauten an Bord hatten keine Überlebenschance. Sie waren sofort tot. Neben den Berufsastronauten Francis Scobee, Michael Smith, Judith Resnik, Ronald McNair, Ellison Onizuka und Gregory Jarvis gehörte auch die Lehrerin Christa McAuliffe zur Besatzung. Sie sollte ihren Schülern vom Weltraum aus eine Unterrichtsstunde geben. Die NASA wollte damit das nach den spektakulären Mondflügen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre nachlassende öffentliche Interesse an der Raumfahrt wieder erwecken - nicht zuletzt angesichts drohender Etatkürzungen durch den Kongress.

Shuttle-Ära soll 2010 zu Ende gehen

Präsident Reagan sprach damals in einer Rede an die Nation von einem "nationalen Verlust". "Wir trauern um sieben Helden", erklärte er und würdigte die toten Astronauten als Weltraumpioniere.

Nach der "Challenger"-Katastrophe setzte die NASA alle weiteren Flüge von Raumfähren bis 1988 aus. Die Shuttles wurden technisch überholt. Auch nach dem Absturz der "Columbia" vor knapp drei Jahren wurde die verbliebene Raumfährenflotte zur technischen Überarbeitung auf Eis gelegt. Technische Probleme beim ersten Flug nach dem Absturz der "Columbia" mit der "Discovery" im Juli vorigen Jahres veranlassten die NASA erneut, den Raumfähren eine Zwangspause zu verordnen. Die Flüge sollen etwa zur Jahresmitte 2006 wieder aufgenommen werden.

Als Folge der Zwangpause ist der Ausbau der Internationalen Raumstation (ISS) ins Stocken geraten. Astronauten können zur Zeit nur mit russischen "Sojus"-Kapseln zur Station gebracht und wieder zurückgeholt werden.

Die NASA verfügt nach dem Verlust der "Challenger" und der "Columbia" noch über drei Raumfähren - die "Discovery", die "Atlantis" und die "Endeavour". Zwei dieser Raumfahrzeuge sind bereits über 20 Jahre alt. Nach den Planungen der NASA soll die 1981 begonnene Shuttle-Ära 2010 zu Ende gehen. Danach will sich die NASA mit neuen Raumschiffen wieder auf bemannte Flüge zum Mond und einen Flug von Menschen zum Planeten Mars konzentrieren.

Quelle: ap

 
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