Forscher misst empfundene Inflation: Wie sich "alles wird teurer" anfühlt
zuletzt aktualisiert: 29.02.2008 - 13:52Frankfurt/Main (RPO). Die trockenen Zahlen der Statistiker belegen es: Die Preise steigen auf breiter Front. Auch im Januar stieg die Teuerungsquote wieder: 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch den Verbrauchern kommt die Teuerungswelle noch viel gewaltiger vor als es die Zahlen der Statistiker zeigen. Ein Professor hat darum den Index der gefühlten Inflation entwickelt.
Hans Wolfgang Brachinger von der Universität Fribourg in der Schweiz will damit erfassen, wie die Preisentwicklung von den Verbrauchern empfunden wird. "Vor allem die Waren des täglichen Bedarfs wie Butter, Brötchen oder Benzin haben sich in der letzten Zeit zum Teil stark verteuert", erklärt Brachinger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Das falle den Menschen natürlich sofort auf "und macht sich in den Geldbörsen auch ganz konkret bemerkbar". Schließlich würden solche Waren ja besonders häufig gekauft.
Tatsächlich günstiger wurden zuletzt nach Brachingers Erkenntnissen vor allem solche Produkte, die seltener angeschafft und deren Preise damit eben auch weniger stark wahrgenommen würden etwa Flachbildschirme, PCs oder Camcorder. Außerdem bewerten Verbraucher nach seinen Worten Verluste stärker als Gewinne, was dazu führt, dass Preissenkungen zugunsten der Haushaltskasse schlicht weniger Beachtung finden. Solche psychologischen Aspekte werden bei der Berechnung der amtlichen Teuerungsrate aber nicht berücksichtigt. Hier werden alle Preisveränderungen eines repräsentativen Warenkorbs gleich behandelt und entsprechend den jährlichen Ausgaben eines Durchschnittshaushalts gewichtet.
"Inflationsgefühl wird hoch bleiben"
Im Dezember 2007 lag die wahrgenommene Inflation bei 8,8 Prozent, fast dreimal so hoch wie der amtliche Wert von 3,2 Prozent. Dieses Phänomen erinnert Brachinger an die Einführung des Euros. Damals erreichte sein Wahrnehmungsindex ähnlich hohe Werte, und rasch war vom "Teuro" die Rede. Die konkrete Folge ist, dass die Käufer sich eher zurückhalten und angesichts einer hohen gefühlten Inflation größere Investitionen erst einmal zurückstellen. Auch wenn nicht gerade alltägliche Güter wie technische Geräte nachweislich günstiger geworden sind, wie Brachinger weiter erläutert.
"Es gab aber auch Zeiten, in denen die wahrgenommene Inflation unter dem Wert der amtlichen Inflationsrate lag", betont der Indexspezialist. Dies sei zum Beispiel vor der Euro-Einführung so gewesen. Seinerzeit hätten sich viele Anbieter vor allem im Lebensmittelbereich - einen starken Wettbewerb mit sinkenden Preisen auf breiter Front geliefert.
Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung in diesem Jahr geht Brachinger von einer weiteren Steigerung aus: "Eine Jahresinflation um 2.5 Prozent ist realistisch", sagte Brachinger. "Und das Inflationsgefühl wird hoch bleiben."
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