Dramatischer Zustand: Zu wenig Lehrer werden eingestellt
zuletzt aktualisiert: 16.11.2005 - 13:17Berlin (rpo). Dass an deutschen Schulen immer weniger Lehrer eingestellt würden, beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit nur 22.400 Pädagogen in 2005 seien die Zahlen der eingestellten Lehrer schon im dritten Jahr in Folge rückläufig. Ein "dramatischer Zustand", wie die Gewerkschaft meint.
Zudem lägen die Zahlen weit unter dem von der Kultusministerkonferenz (KMK) prognostizierten Bedarf. "Die Länder wären gut beraten, die verfügbaren Lehrerinnen und Lehrer einzustellen", sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Zwar würden die Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren um etwa 15 Prozent sinken, doch um die Qualität des Unterrichts zu verbessern, seien mehr Lehrer nötig.
Die GEW stützt sich bei den Zahlen auf eine Arbeitsmarktstudie der Universität Duisburg-Essen. Die KMK habe für 2005 die Einstellung von 27.000 Lehrkräften erwartet, erklärte Studienleiter Klaus Klemm. Es seien jedoch 4.600 Lehrer weniger in den Schuldienst aufgenommen worden. Auch in den Jahren 2003 und 2004 seien die von der KMK prognostizierten Zahlen deutlich unterschritten worden. In nur drei Jahren habe sich ein Einstellungsrückstand von fast 15.000 Lehrerinnen und Lehrern ergeben.
Mehr Unterricht in Bayern
In Bayern, dem bundesweiten Spitzenreiter beim PISA-Test, werde deutlich mehr Unterricht erteilt als in anderen Bundesländern, sagte Klemm weiter. Ein 15-jähriger Schüler aus Bayern habe verglichen mit einem Gleichaltrigen aus Nordrhein-Westfalen ein Jahr mehr Unterricht gehabt. In Nordrhein-Westfalen gebe es relativ wenig Schulstunden im Verlauf von neun Schuljahren.
GEW-Vorstand Ilse Schaad kritisierte, dass seit dreizehn Jahren der zusätzliche Bedarf an den Schulen durch Kürzung der Stundentafeln und die Verlängerung der Lehrerarbeitszeit gedeckt worden sei. Angesichts des schlechten Abschneidens Deutschlands bei der PISA-Untersuchung sei das Einstellungsverhalten absurd.
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