Mönchengladbach Unfassbarer Sexualmord ab dem 28. April vor Gericht

Mönchengladbach · Der Fall schockte die ganze Stadt: Ein unbescholtener Rentner tötete am 7. November seine Lebensgefährtin auf so bestialische Weise, dass selbst hartgesottene Polizisten vor Detailbeschreibungen zurückschreckten.

Frau tot in Wohnung in Mönchengladbach-Wickrath gefunden
6 Bilder

Frau tot in Wohnung in Mönchengladbach gefunden

6 Bilder
Foto: Reichartz

Er galt in Wickrath als angenehmer Nachbar, wurde als nett und solide beschrieben. Er engagierte sich im Brauchtum und hatte 50 Jahre lang bei ein und derselben Firma gearbeitet. Bei den Kollegen war er beliebt. Und die, die ihn besser kennen, sagen, dass seine Art bei Frauen gut ankam.

Als am 7. November Polizeiautos und Spurensucher in weißen Overalls in der Straße auftauchten, ahnten die Nachbarn zwar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Doch was der Chefermittler zwei Tage später über die Vorgänge in der Mordnacht berichten sollte, war für viele so unfassbar, dass es ihnen die Sprache verschlug. Mit diesem Mann hatte man geredet, gelacht und gefeiert. Der nette 68-Jährige ein Sadist? Warum war niemanden etwas aufgefallen? Wie konnte so etwas verborgen bleiben?

Ab 28. April wird der Fall vor Gericht aufgerollt. Vielleicht wird man dann mehr verstehen können, auch wenn die Tat wohl immer unverständlich bleiben wird. Ingo Thiel, der für den Fall die Mordkommission leitete, zählt zu den erfahrenen Ermittlern und hat schon viel erlebt. Aber er schreckte davor zurück, die Geschehnisse in der Mordnacht bis ins Detail zu schildern - auch mit Rücksicht auf die Angehörigen des Opfers. Und auch der Sprecher des Landgerichts, Jan-Philip Schreiber, sagt: "Wer die ganze Anklageschrift liest, muss hartgesotten sein."

Der 68-jährige ist angeklagt wegen Mordes in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person mit Todesfolge. Seine neue Lebensgefährtin hatte er im Juni 2016 bei einem Schützenfest in Wickrath kennengelernt. Die lebenslustige 55-Jährige soll sogar ihren damaligen Freund für den 68-Jährigen verlassen haben. Ende August zog sie bei ihm ein. Die Beziehung der beiden galt als harmonisch.

Am 6. November vergangenen Jahres besuchte das Paar mit Freunden eine Gaststätte in Wickrath. Dabei soll sich die 55-Jährige so stark mit Tequila betrunken haben, dass sie in dem Lokal mit dem Barhocker nach hinten überfiel. Eine ihr später entnommene Blutprobe ergab laut Anklageschrift einen Alkoholgehalt von 3,79 Promille. Gegen 21.30 Uhr fuhr das Paar mit den Freunden gemeinsam mit dem Taxi nach Hause. Dort legten sie die nahezu bewusstlose 55-Jährige auf das Bett. Anschließend fuhren die Bekannten nach Hause.

Was danach begann, mag niemand schildern, weil es zu grausam und widerlich ist. Fakt ist: die Frau erlitt so massive Verletzungen im Unterleib, dass sie innerlich verblutete. Laut Anklageschrift reinigte der Rentner dann sich selbst und die Frau vom Blut und schlief anschließend neben ihr ein. Am Morgen alarmierte er die Feuerwehr und erklärte, er habe seine Lebensgefährtin leblos gefunden. Doch die eingesetzte Notärztin merkte gleich, dass etwas nicht stimmte. Sie rief die Polizei, bei der der Angeklagte später ein umfassendes Geständnis abgelegt haben soll.

Laut Gutachterin war der 68-Jährige am Tattag voll steuerungsfähig, sagt Jan-Philip Schreiber. Es gebe keine Hinweise auf Schuldunfähigkeit.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort