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Kampf gegen Hass
Facebook startet Initiative für Zivilcourage im Internet

Facebook gründet "Initiative für Zivilcourage Online"
Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg bei der Präsentation in Berlin. FOTO: dpa, nie jhe
Berlin. Das soziale Netzwerk beugt sich dem Druck aus der Politik und will stärker gegen Hasskommentare vorgehen. Die Initiative wird mit einer Million Euro ausgestattet.  Von Daniel Fiene

Nachdem das soziale Netzwerk Facebook während der letzten Monate wegen seines mangelhaften Vorgehens gegen Hassbotschaften deutlich in die Kritik geriet, hat das Netzwerk jetzt eine europäische Initiative für Zivilcourage Online angekündigt. Facebook hat zudem angekündigt eine Million Dollar für eine Öffentlichkeits-Kampagne und für Forschung und Projekte von Nicht-Regierungs-Organisationen auszugeben.

Die Initiative ist am Montag in Berlin von Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg vorgestellt worden. "Wir können Hassbotschaften nicht verschwinden lassen", erklärte Sandberg. "Wir können sie zwar runternehmen. Das lindert zwar die Symptome, aber nicht die Ursache." Die neue Initiative will deswegen Gegenrede im Netz fördern. "Wer keine Totalzensur im Internet will, kann Löschen nicht als Lösung nehmen", unterstrich Professor Peter Neumann das Ziel. Sein Institut wird Teil der Initiative und will in diesem Bereich stärker forschen: "Sämtliche Studien zeigen, dass Gegenrede hilft. Wir müssen jetzt herausfinden, wann aus Online-Hass tatsächlich Offline-Gewalt wird."

Facebook kommt mit dem Start der Initiative den Forderungen von Bundesjustizminister Heiko Mass nach, der vor wenigen Monaten deutliche Kritik äußerte. Justiz-Staatssekretär Gerd Billen begrüßte die Initaitive: "Sie liegt auf der Linie, die wir mit Facebook aber auch mit Google und Twitter in den letzten Wochen besprochen haben"  Die sozialen Netzwerke sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, erklärte Billen in Berlin bei der Vorstellung. "Wir müssen Modelle entwickeln, wie man mit Meinungen umgeht, die einem vielleicht nicht gefallen. Die Absender der Hassbotschaften müssen aus ihrer extremen Ecke herausgeholt werden."

Bisher habe sich Facebook an alle Zusagen aus den Gesprächen mit dem Justizminister gehalten und würde mit dieser Initiative sogar einen Schritt weiter gehen. Billen kündigte an, künftig auch andere Internet-Plattformen stärker unter die Lupe zu nehmen. Auch sie stünden in der Verantwortung, etwas gegen Hassbotschaften im Netz zu unternehmen.

Zu den vereinbarten Regeln gehört es auch, dass rechtswidrige Kommentare nach 24 Stunden gelöscht werden. Bisher stand Facebook in der Kritik nicht genügend Mitarbeiter für die Kontrolle von gemeldeten Kommentaren einzusetzen und dass diese auch vom Ausland aus tätig sind. Facebook arbeitet künftig mit der Bertelsmann-Tochter Arvato zusammen, die ein Team im dreistelligen Bereich von Berlin aus Kommentare vorfiltern wird. Die letztendliche Entscheidung über die Löschung wird weiter von Facebook getroffen. "Es ist für uns nur logisch, dass wir ein Team in Deutschland aufbauen", kommentierte Sandberg die Entscheidung. "Von den 27 Millionen Nutzern nutzen fast 90% Facebook täglich. Das ist deutlich intensiver als im weltweiten Schnitt." Nur jeder zweite aktive Facebook-Nutzer ruft sonst das Netzwerk täglich auf. 

 

(RPO)
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