| 15.15 Uhr

Geld für Artikel
Wikipedia enttarnt "Sockenpuppen"-Netzwerk

Wikipedia enttarnt "Manipulator"-Netzwerk
FOTO: Screenshot: YouTube
London. Die Wikipedia-Statuten sind streng: Wer über sich selbst Artikel veröffentlicht, muss das angeben. Artikel, die gegen diese Regeln verstoßen werden gelöscht. Nun feierte Wikipedia im Kampf gegen ein Manipulator-Netzwerk einen ersten Erfolg.

Wikipedia hat 381 Konten von Nutzern gesperrt, die gegen Geld Artikel für das Online-Nachschlagewerk geschrieben haben, ohne dies öffentlich zu machen. Es habe sich um eine organisierte Gruppe gehandelt, die von Personen und Unternehmen teils sogar Geld für den "Schutz" ihrer Wikipedia-Einträge erpresst habe, berichtete der "Independent" am Mittwoch.

Die Wikipedia-Betreiber teilten in ihrem Blog mit, dass Mitarbeiter nach "wochenlanger Ermittlung" die Nutzerkonten gesperrt und 210 Artikel gelöscht hätten. Firmen, Unternehmer und Künstler seien betroffen gewesen. Die Artikel seien in der Regel werbend gewesen und oft einseitig. Das nun entdeckte Netzwerk "Orangemoody" habe sich offenbar auf Selbstdarsteller spezialisiert, die nach den Relevanzkriterien nie einen eigenen Wikipedia-Artikel hätten bekommen dürfen. Wenn die Beiträge tatsächlich in dem Online-Lexikon erschienen waren, verlangten die Hintermänner zusätzliche Gebühren für den Schutz und die Pflege des Artikels.

Wikipedia: Die zehn bekanntesten Manipulationen FOTO: dapd

Bei der Manipulation gingen die "Sockenpuppen" offenbar äußerst planmäßig vor. Mit harmlosen Änderungen von bestehenden Artikeln versuchten sie zunächst, als vollwertige Wikipedia-Autoren anerkannt zu werden. Zusätzlich verifizierten sie gegenseitig ihre Accounts, um die Schutzmaßnahmen der Wikipedia-Commpunity gegen Spammer und Online-Vandalen zu unterlaufen. Die Manipulationen fielen auf, nachdem Kunden von "Orangemoody" sich öffentlich beschwert hatten, dass bezahlte Artikel gelöscht oder verändert worden waren.

Bei Wikipedia kann jeder zu jedem Thema schreiben und Artikel überarbeiten. Es gehört aber zu den Geschäftsbedingungen, dass dabei Interessen offengelegt werden - etwa, wenn Mitarbeiter eines Museums den Einträge zu diesem Museum oder seinen Ausstellungen bearbeiten. In der Vergangenheit wurde immer wieder auch versucht, in dem Online-Lexikon Links auf irrelevante Webseiten unterzubringen, um die Ziel-Site attraktiver für Suchmaschinen zu machen.

Die 10 jüngsten Personen mit Wikipedia-Eintrag FOTO: dpa
(dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wikipedia enttarnt "Manipulator"-Netzwerk


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.