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Zu hohe EU-Aufschläge
Telefonica droht Zwangsgeld

Telefonica droht Zwangsgeld: Zu hohe EU-Aufschläge
Telefonica verlangte beim Roaming von vielen Kunden 20 Cent die Minute und will diesen Zuschlag zum 1. Juli für Vertragskunden nur auf 14,95 Cent pro Minute senken. FOTO: dpa, dpa
Exklusiv | Bonn/München. Weil der Telefonkonzern Telefonica Deutschland (02, Base) vielen Kunden nach Meinung der Bundesnetzagentur deutlich zu hohe Gebühren im EU-Ausland abknöpft, droht ihm jetzt ein Zwangsgeld. Dies erklärt die Bonner Behörde gegenüber unserer Redaktion. Von Reinhard Kowalewsky

Der Grund ist, dass das Münchener Unternehmen sich trotz sechs Wochen langem Streit weigert, sich an die EU-Vorgabe eines maximalen Zuschlages von fünf Cent die Minute zu halten, wenn Kunden im EU-Ausland telefonieren.

Eine Vorgabe für den maximalen Roaming-Aufpreis gilt seit 1. Mai. Aber Telefonica verlangte von vielen Kunden trotzdem 20 Cent die Minute und will diesen Zuschlag zum 1. Juli für Vertragskunden nur auf 14,95 Cent pro Minute senken.

Dieses Vorgehen nimmt das Amt nicht mehr hin, erklärt es in einer Mail gegenüber unserer Redaktion: "Die Bundesnetzagentur wird am Montag, den 20. Juni 2016, die Telefonica unter Androhung eines Zwangsgeldverfahrens schriftlich auffordern, die Verordnungskonformität unverzüglich herzustellen."

Verbraucherzentrale begrüßt Vorgehen

Sie ergänzt außerdem, dass es Telefonica noch teuer zu stehen kommen kann, sich nun schon seit rund sechs Wochen nicht an die EU-Regeln zu halten: "Im Weiteren wird auch die Frage der Abwicklung gegebenenfalls zu viel gezahlter Entgelte der Verbraucher eine Rolle spielen." Gemeint ist, dass Kunden also möglicherweise Geld zurückerhalten müssen, weil sie bei Auslandsreisen zu hohe Gebühren zahlen – Verbraucher könnten sich an die Bundesnetzagentur wenden.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen begrüßt es, dass die Netzagentur nun gegen Telefonica vorgeht: "Das ist überfällig und richtig, um die Rechte von vielen Millionen Verbrauchern zu verteidigen", erklärt gegenüber unserer Redaktion Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes.

Telefonica-Sprecher Albert Fetsch erklärt, das Unternehmen halte sich an die EU-Vorgaben und entsprechende Richtlinien. Gemeint ist unter anderem, dass die Kunden die Wahlmöglichkeit zwischen einer Reihe an Optionen hätten. Trotz mehrfacher Nachfragen unserer Redaktion, konnte Telefonica aber nie erklären, warum Kunden von vor dem 1. Mai abgeschlossenen Flatrates in der Regel den hohen Zuschlag von 20 Cent bzw. künftig 14,95 Cent zahlen müssen, obwohl die EU nur fünf Cent vorsieht.

Telekom und Vodafone setzten die EU-Vorgaben ohne Streit um.

Quelle: RP
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