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München
Filmstar der 50er: Ruth Leuwerik ist tot

München. Die Schauspielerin starb 91-jährig in München. Sie spielte in ihren Filmen stets selbstbewusste Frauen. Von Regina Goldlücke

Wer seine ersten Kinoerlebnisse in den 50er und 60er Jahren hatte, mit Filmen wie "Königin Luise", "Die Trapp-Familie" oder "Rosen im Herbst" nach Fontanes "Effi Briest", wird mit Ruth Leuwerik besondere Erinnerungen verbinden. Ein Liebling des Publikums, elegant und bodenständig, herzlich und für die damalige Zeit auch durchaus glamourös. Ihr häufigster Filmpartner war Dieter Borsche. Gemeinsam wurden sie zu einem der umschwärmten Traumpaare der Leinwand - wie Maria Schell und O. W. Fischer, wie Sonja Ziemann und Rudolf Prack, wie Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm.

Gestern starb die Schauspielerin im Alter von 91 Jahren in München. Dort hatte sie mit ihrem dritten Ehemann, dem Augenarzt Heinz Purper, ein zurückgezogenes Leben geführt. Davor war sie zuvor mit ihrem Kollegen Herbert Fleischmann und dem Sänger Dietrich Fischer-Dieskau verheiratet gewesen.

Ihr bereits vor Jahrzehnten vollzogener Abschied aus der Film- und Fernsehwelt geschah freiwillig. Über 30 Kinofilme, zahlreiche Auszeichnungen und Preise wie der "Bambi", den sie von 1959 bis 1962 vier Mal in Folge gewann, waren ihr wohl genug. Aus ihrer Berühmtheit schien sie sich wenig zu machen. Und nicht einmal das Theater vermochte sie noch zu locken. Ihre letzte Rolle spielte sie 1955 am Düsseldorfer Schauspielhaus: als Eurydike in Jean Anouilhs gleichnamigem Stück.

Geboren wurde Ruth Leuwerik 1924 in Essen. Als Stenotypistin verdiente sie sich den ersehnten Schauspielunterricht. Und hatte erste Erfolge, sogar als "Gretchen" im Faust. Von 1947 bis 1953 gastierte sie an vielen Theatern der Bundesrepublik, unter anderem in Paderborn, Münster, Bremen, Lübeck, Hamburg und Berlin.

Doch inzwischen war der Film auf sie zugekommen und gewann recht schnell die Oberhand über die Bühne. Dabei war ihr Leinwand-Debüt eigentlich reiner Zufall. Bei "Dreizehn unter einem Hut" sprang sie für eine erkrankte Kollegin ein, was ihr gleich eine Hauptrolle bescherte und in der Branche Aufsehen erregte. Allerdings gab es nicht nur schmeichelhafte Reaktionen. "Die Kleine ist begabt", hieß es, "aber gänzlich unfotogen."

Weitere Angebote blieben erstmal aus. Die Wende kam zwei Jahre später durch die Begegnung mit Dieter Borsche und der Komödie "Vater braucht eine Frau". Danach war Ruth Leuweriks Karriere beim Film nicht mehr aufzuhalten.

Die Frauen, die sie verkörperte, blieben in einem festgesteckten Rahmen, den sie selber bestimmte. Sie spielte so gut wie nie die leidenschaftliche Geliebte, war stets mehr Kumpel und patente Frau als Sexsymbol - und erst recht keine "femme fatale".

Großen Respekt brachte ihr 1953 die Literatur-Verfilmung "Königliche Hoheit" nach Thomas Mann ein, der sie als "Frau von beachtlicher Ansehnlichkeit" bezeichnete. Auch die Effi Briest war ganz nach dem Geschmack der Schauspielerin, deren Herz für gebrochene Charaktere schlug.

Im neuen deutschen Film wurde es dennoch schwierig für den Leinwandstar vergangener Zeiten. Noch einmal versprühte sie Glanz - als Konsulin in "Die Buddenbrooks" (1979). Dann wurde es still um Ruth Leuwerik.

In München ehrte man sie zu ihrem 80. Geburtstag mit der Medaille "München leuchtet". Als sie 2014 ihren 90. feierte, wollte sie kein Aufhebens mehr. Ihr einziger Kommentar: "In dem hohen Alter ist es ein Wunder, dass ich noch da bin."

Quelle: RP
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