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Stück auf der Bühne
Harry Potter kehrt endlich zurück

Harry Potter and the Cursed Child: Bühnenpremiere in London am 31. Juli
Harry Potter (Jamie Parker, M.) ist erwachsen geworden: Das neue Theaterstück beginnt am Gleis Neundreiviertel von King's Cross. FOTO: dpa, skm
Lonon. Am Sonntag feiert die Fortsetzung "Harry Potter and the Cursed Child" ihre Bühnenpremiere in London. Zum Glück! Von Jessica Balleer

Selten steckte in dem letzten Satz einer Buchreihe so viel Trost und Trauer zugleich: "All was well", also "Alles war gut", schrieb Joanne K. Rowling in die letzte Zeile von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Doch eigentlich war überhaupt nichts gut. Für Millionen Fans weltweit war das einer dieser Momente, in denen man ein Buch zuklappt, sich umsieht und plötzlich fremd fühlt. Weil alle weitermachen, als sei nichts gewesen, während einem selbst gerade nicht nur eine treue Freundschaft genommen wurde, sondern eine ganze magische Welt untergegangen ist.

Das Besondere der Harry-Potter-Buchreihe lag immer darin, dass sie nicht bloß von einem Zauberlehrling handelte, der gegen das Böse kämpfte. Jedes Wort vermochte es, den Leser in eine andere Welt entführen. Und deswegen scheint es so richtig, dass die Ära mit dem Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child" fortgeführt wird. Am Sonntag ist Premiere im Londoner Palace Theatre - sämtliche Vorstellungen bis März 2017 sind längst ausverkauft. Es zeigt, dass die Lust auf Fantasie noch heute lebt.

"Harry Potter und der Stein der Weisen"

1997 lernt die Welt Harry Potter kennen. Im Ligusterweg wächst der Waise als ungeliebter Neffe bei den Dursleys auf. Sein Zimmer - die Abstellkammer unter der Treppe. Die Erlösung flattert per Brieftaube ein: Es ist die Einladung nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, die aus dem Außenseiter den Auserwählten machte. "Harry Potter und der Stein der Weisen" war nicht nur der Beginn einer fiktiven literarischen Reise. Auch für die Autorin Joanne K. Rowling veränderte sich alles.

Ihre sieben Romane wurden in 80 Sprachen übersetzt und mehr als 450 Millionen Mal auf der ganzen Welt verkauft. Alle Bücher wurden verfilmt. Harry Potter steht in der Tradition dieser großartigen britischen Kinderliteratur, etwa von James Matthew Barrie ("Peter Pan") oder Enid Blyton ("Fünf Freunde"). Bei Harry Potter möchte man das Wort Weltkulturerbe zulassen. Weil die Zauberwelt so fantastisch, die Identifikationsfiguren Harry, Ron und Hermine so echt, die Romane von eins bis sieben so dicht und schlüssig sind, schwingt für viele Fans immer auch die tiefe Bewunderung für die Schöpferin mit.

Es ist auch die Erfolgsgeschichte der Joanne Kathleen Rowling, in deren Fantasie von Beginn an genügend Platz für das Storyboard einer siebenteiligen Romanreihe war. Ihre eigene Vita hat sie verarbeitet, die Entfremdung vom eigenen Vater. Und dann, nach Tausenden Seiten findet sie ihre Antwort auf Unglück und auch auf Terror, Tyrannei und Ungerechtigkeit. Eine Antwort, wie sie zeitgemäßer kaum sein könnte. Sie ist scheinbar ganz einfach, lautet: Liebe und Freundschaft. Die wenigsten Fans nahmen es ihr deshalb übel, dass Verfilmungen inhaltlich gekürzt und in zwei Teile gesplittet erschienen sind, dass sie die Rechte für einen riesen Merchandise-Markt verkaufte, und dass nun der achte Teil als Theaterstück und dessen Skript als Buch "Harry Potter und das verwunschene Kind" (ab 24. September, Carlsen Verlag) erscheinen wird.

Grenzenloser Hype

Im Gegenteil. Der Hype scheint grenzenlos. Doch es sind die Millionen von Fans, die seit Jahren versuchen die Zauberwelt zu erhalten, wie Liebende, die an einer brüchigen Beziehung festhalten. So etwas hört nicht einfach auf, zumal es an Alternativen fehlt: Der Buchreihe "Die Tribute von Panem" fehlt die Wärme. In der Dystopie kämpft Katniss Aberdeen alleine gegen Obrigkeit, während in Harry Potter viele für das gemeinsame Ziel kämpfen. In der Vampirgeschichte "Twilight" findet sich Liebe, daneben aber weder Belang noch Tiefe.

Das Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child" setzt inhaltlich nach dem Epilog des siebten Bandes ein. 19 Jahre nachdem der dunkle Zauberer Lord Voldemort besiegt ist, steht Harry Potter mit seiner Familie am Gleis Neundreiviertel des King's-Cross-Bahnhofs. Er verabschiedet seine Kinder, die den Zug nach Hogwarts nehmen. Hermine ist zur Zaubereiministerin aufgestiegen, auch Harry arbeitet in der Behörde. Während ihn die eigene Vergangenheit immer wieder einholt, kämpft auch Sohn Albus mit dem Vermächtnis seiner Familie, das er eigentlich ablehnt. Einige bekannte Gesichter sind in dem fünfstündigen Stück zu sehen, das Sonia Friedman und Colin Callender inszeniert haben.

Mit großen Lichteffekten und einer sehenswerten Klang- und Bühnenwelt mit Spezialeffekten überzeugte die Vorpremiere. "Magisch" sei die Atmosphäre. Viel mehr aber weiß man nicht. Diesen einen Clou hat sich "JKR" vorbehalten. Sieben Jahre nach Erscheinen des letzten Romans macht sie Fans im Theaterpublikum nun doch zu "Auserwählten". Keine Eulenpost, sondern einen Hashtag hat Rowling verschickt: Mit #KeepTheSecrets fordert sie alle Zuschauer auf, die Geheimnisse für sich zu behalten.

Quelle: RP
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