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Duisburg
Markus Lüpertz stellt in Duisburg aus: Rache am Banalen

Duisburg. Der große Auftritt ist ihm zu eigen. Neulich, so erzählte Markus Lüpertz gestern im Duisburger Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM), sei er Erster Klasse geflogen. Da habe eine Stewardess zu ihm gesagt, dass sie in ihren 20 Dienstjahren noch niemals zuvor einen so elegant gekleideten Herrn im Flugzeug, wohlgemerkt in der Ersten Klasse, gesehen habe. Da habe er sich umgeschaut und gedacht: "Sie hat wohl recht!" Es ist unterhaltsam, Markus Lüpertz zuzuhören. Da mischt sich Banales mit Philosophischem, da folgt auf den ironischen Plauderton der eine oder andere kunsthistorische Exkurs. Lüpertz ist ein Original und ein Repräsentant der deutschen Gegenwartskunst. Die Ausstellung in der Küppersmühle ist zweifellos ein Ereignis. Dort werden aus der Sammlung Sylvia und Ulrich Ströher mehr als 80 Werke aus fünf Jahrzehnten des ehemaligen Düsseldorfer Akademiedirektors gezeigt. Weltweit verfügt kein anderes Museum über so viele Lüpertz-Werke wie das MKM. Der Titel der Ausstellung, "Kunst, die im Wege steht" ist eine Art Wiederaufnahme: Vor 50 Jahren hatte eine Lüpertz-Ausstellung in Berlin dasselbe Motto. Wenn man Lüpertz persönlich erlebt, dann fällt einem als Titel auch die Beschreibung ein, die einst angesichts seiner Bonner Beethoven-Skulptur in die Welt gesetzt wurde: "Rache am Banalen". Von Peter Klucken

Der Schwerpunkt der Museumssammlung und damit der aktuellen Ausstellung liegt auf der Malerei, aber auch Skulpturen, Reliefs und Druckstöcke sind zu sehen. Lüpertz, der am 25. April 75 Jahre alt wird, bezeichnete schon früh seinen eigenen Mal-Stil als "dithyrambisch", womit er in Anspielung auf Nietzsches Dionysos-Dithyramben das Überschwängliche, Glückstrunkene und zur Begeisterung Fähige meint. Was den expressiven, halb gegenständlich, halb abstrakten Werken gemeinsam zu sein scheint, ist eine unverwechselbare Wucht und Würde. Bisweilen haben die Arbeiten Ausmaße, die die Ausstellungsmöglichkeiten vieler Museen überschreiten würden. So etwa die zwölf Meter lange und drei Meter hohe 20-teilige gemalte Wandinstallation aus dem Jahr 1977 namens "Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis", die zum ersten Mal öffentlich ausgestellt ist. Gegenüber ist in Überkopfhöhe das 12,50 Meter lange Gemälde "Westwall" gehängt worden, das auf den Plan der Nazis anspielt, ein 630 Kilometer langes militärisches Grenzbollwerk zu errichten. Allerdings soll ein solches Werk nicht zur Vermutung führen, Lüpertz sei ein politischer Künstler. "Als Künstler will ich die Gesellschaft erweitern, ich will nicht deren Lehrmeister sein", sagte er gestern.

Info Ausstellung bis 29. Mai. Der Katalog kostet an der Museumskasse 30 Euro. Weitere Infos unter www.museum-kueppersmuehle.de

Quelle: RP
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