| 21.06 Uhr

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi
Wortakrobatik und Wahnsinn im Dortmunder FZW

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi: Wortakrobatik und Wahnsinn im Dortmunder FZW
Der Frontmann Robert Gwisdek alias Käptn Peng (links oben). FOTO: Sima Dehgani/Kreismusik
Düsseldorf. Man nennt es HipHop, das fordernde, wilde, hypnotische Werk von Käptn Peng und seinen Mannen, aber nur mangels eines besseren Ausdrucks. Von Tobias Jochheim

Robert und Johannes Gwisdek könnten sich damit begnügen, von Berufs wegen Kinder ihrer Eltern zu sein, der Schauspieler Michael Gwisdek und Corinna Harfouch – aber lieber nutzen sie die dadurch entstandenen Freiheiten dazu, abgefahrenes Zeug zu machen. Filme, Bücher, aber insbesondere HipHop, als "Käptn Peng und die Tentakel von Delphi".

Wobei es "HipHop" nicht trifft, nicht einmal "Musik" ist eine absolut zutreffende Kategorie, denn so viel Mathematik und Metaphysik, Märchen und zur Abwechslung auch mächtiger Mumpitz über Mutanten lässt sich in Musik nicht unterbringen. Ja, vor allem in Form von Rap brechen sich die in wunderschöne Worte gefassten klugen (und teils bloß dadaistischen) Gedanken Bahn, aber auch in imposant uncoolem Ausdruckstanz.

Es ist Poesie, aber in Kombination mit Puppenspiel oder auch mal einem langen Panflötensolo mitten in ihrem zweitbekanntesten Song "Der Anfang ist nah", einem sechsminütigen Begrüßungsfeuerwerk an Freunde und Feinde, an jeden, der in Liebe weint und jeden, der im Zorn lächelt, an alle, die ihr Schild senken und alle die Schwert heben, an alle denkbaren Wesen, Phänomene, Gefühle und Dinge. Gespielt wird es natürlich nicht zu Konzertbeginn, sondern am Schluss, in diesem Fall nach knapp zweieinhalb Stunden.

Noch wilder, verstrahlter, anstrengender und schöner als jener Song ist nur "Sie mögen sich", ein Liebeslied, das sich von allen anderen Liebesliedern so sehr unterscheidet wie diese einander ähneln.

"Ich will keinen neuen Text, sondern eine neue Sprache schreiben" – nichts weniger ist der Anspruch von Käptn Peng und seiner ausnehmend analogen Band, und dass sie das schaffen, wurde am Freitagabend im Dortmunder FZW noch deutlicher als auf den drei seit 2013 erschienenen Alben der Berliner. Ein viertes ist noch nicht angekündigt, aber die Gwisdek-Brüder und ihre Tentakel werden es sicher liefern: "Du kannst mit Katzen schmeißen und du kannst mit Pferden werfen / Es kommt trotzdem, es möchte sprechen."

Die Vorfreude ist groß auf das nächste "Feuerholz aus Worten, während wir mit Schatten ringen". Und bis es so weit ist, folge man "den Schritten, die zu gehen sind / um allen unser‘n Fehlern zu befehlen, dass sie Wege sind."

 
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