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"A Moon Shaped Pool"
Großartig: Das neue Album von Radiohead

Radiohead zeigt neues Album "A Moon Shaped Pool"
Radiohead-Sänger Thom Yorke. FOTO: ap
Düsseldorf. Die englische Band hat ihre neue Platte "A Moon Shaped Pool" ins Internet gestellt. Zu hören ist ein atmosphärisch dichtes Werk. Obwohl die Gruppe viel ausprobiert, wirkt es nie experimentell. Von Philipp Holstein

Das ist ein Radiohead-Album, das  man nicht bloß bewundern muss, sondern auch lieben kann. "A Moon Shaped Pool" ist eine menschenfreundliche Platte, sie hat eine besondere Atmosphäre, traumhaft, als schwebe man unter Wasser. Die Stimmung ist am ehesten zu vergleichen mit "Amnesiac", dem Radiohead-Album aus dem Jahr 2001, und der dazugehörigen Single "Pyramid Song".

Vor ein paar Tagen erst hatte die Gruppe angekündigt, dass sie nach fünf Jahren Pause ein neues Album veröffentlichen würde, als Appetitanreger gab es den Song "Burn The Witch". Nun ist das Werk da, es steht im Internet, und tatsächlich führte die rockige Vorab-Single ein wenig in die Irre, denn die anderen Stücke sind flirrender arrangiert, zarter und zugleich konzentrierter. "A Moon Shaped Pool" klingt pointierter und emotionaler als der zerklüftete und arg verfrickelte Vorgänger "King Of Limbs".

Obwohl Radiohead enorm viel ausprobieren, ist das keine experimentelle Platte. Sie verzichten zumeist auf das klassische Vers-Refrain-Schema, es geht ihnen um Klang-Texturen. Jonny Greenwood, der zuletzt Soundtracks für Hollywood schrieb, schichtet die Sounds, in fast jedem Lied gibt es Streicher, und Thom Yorke kontrastiert das Epische mit hingetupfter Elektronik. Die Instrumente sind weit nach hinten gemischt, vorne steht der Gesang, das Schlagzeug hat wenige Einsätze, das gibt den Stücken etwas Diesiges.

Album ist ein ästhetisches Statement

Radiohead ist womöglich die einzige populäre Rockband, der man zutraut, das Neue zu finden und in die Welt zu tragen. "A Moon Shaped Pool" bietet nun nichts Unerhörtes, aber die von Nigel Godrich produzierte Platte zeigt, wie stark sich die Gruppe bewegt, wie sie Gestimmtheiten erforscht; das Album ist ein ästhetisches Statement. Man höre sich nur "Daydreaming" an, diese wunderbar verhuschte Ballade, die den Zuhörer in Melancholie zu wiegen scheint. Am Ende dann hört man ein unheimliches Schnarchen, man weiß nicht, was das ist und schreckt auf.

So geht es immer, und ein Höhepunkt ist "Identikid", ein Lied, das sich nach zwei Minuten verändert, als ein Chor hinzutritt und einen Gespenster-Gospel beginnt. Wunderbar auch der Meerjungfrauengesang in "Decks Dark". "Panic is coming on strong", singt Thom Yorke auf die wie aus einem Nebel aufsteigenden Melodien, und anderswo: "Different kinds of love are possible".

Es gibt hier mehrere Stücke, die bereits bekannt sind. "True Love Waits" etwa ist ein Konzert-Klassiker seit dem Album "The Bends" (1995), war bisher allerdings nur auf dem Live-Album "I Might Be Wrong" zu finden. Die Wurzeln einzelner Stücke reichen also bis zu 20 Jahre zurück, und dennoch ist die neue Platte völlig logisch, aus einem Guss, zwingend. Eine Radiohead-Platte fürs Herz.

Das Album gibt es bei allen Download-Plattenformen. Als CD und LP soll es am 17. Juni erscheinen

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