Renovieren Häuser mit Charme

Viele Häuser aus der Nachkriegszeit werden nun frei und stehen zum Verkauf. Sie müssen teils saniert werden, haben aber auch ihren eigenen Charakter.

 Alte Häuser zu sanieren kann sich häufig lohnen, bieten sie doch einzigartigen Charme.

Alte Häuser zu sanieren kann sich häufig lohnen, bieten sie doch einzigartigen Charme.

Foto: elxeneize/Shutterstock.com

<p>Viele Häuser aus der Nachkriegszeit werden nun frei und stehen zum Verkauf. Sie müssen teils saniert werden, haben aber auch ihren eigenen Charakter.

Ein altes Haus hat seinen besonderen Charme. Anders als ein Neubau steht es meist in einer gewachsenen Wohngegend mit funktionierender Infrastruktur und Nachbarschaft. Wer sich für eine Immobilie entscheidet, die in den 1950er- und 1960er-Jahren gebaut wurde, kann einen Schatz bekommen. Oder auch einen Reinfall erleben.

"Diese Nachkriegsbauten befinden sich meist im ersten Innenring der Städte", erklärt Jürgen Michael Schick, Sprecher des Immobilienverbands Deutschland. "Das sind sehr attraktive Lagen mit eingewachsenem Baumbestand und eingespielten Strukturen, ruhig und dennoch zentrumsnah." Wenn diese Wohnimmobilien sanierungsfähig sind, können sie sehr attraktive Investments sein.

Allerdings haben sie nicht nur Standortvorteile, sondern auch manches altersbedingte Zipperlein. "Ihr Minus sind die energetisch und technisch einfachen Standards", erläutert Schick. Schwachstellen sind eine mangelnde Wärmedämmung, feuchte Keller, veraltete Haustechnik sowie schadhafte, ungedämmte Dächer. Ohne die Begutachtung durch einen unabhängigen Experten sollten Interessenten so ein Haus deshalb nicht übernehmen.

Diagnose, ob sich eine Sanierung lohnt

Der Experte erstellt eine Diagnose über den Zustand des Gebäudes. Und sucht dabei auch nach Schadstoffbelastungen. "Erst wenn die abschließenden Laborergebnisse vorliegen, ist eine seriöse Aussage zu Art und Umfang der Sanierung möglich", betont Ulrich Zink, Vorstandsvorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung. Erst dann lässt sich über einen Kauf nachdenken.

"Nachkriegshäuser haben ganz typische Eigenschaften, die man kennen sollte", erklärt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB). Sie wurden nach den Bedürfnissen der 1950er- und 1960er-Jahre gebaut. Daher haben sie meist kleine Zimmer, die Wände sind nicht gedämmt, die Fenster nur einfach verglast, Keller und Dachgeschoss sind nicht ausgebaut. "Trotzdem lässt sich daraus viel machen, wenn man sie den heutigen Standards anpasst", sagt Reinhold-Postina. Es ist möglich, Wände zu versetzen, Zimmer zusammenlegen, Terrassen vergrößern, Balkone anbauen. Je nach Aufwand müssen für die Modernisierung gut 40 Prozent der Kaufsumme zusätzlich investiert werden, sagt sie.

Es gibt auch Unterschiede zwischen den Jahrzehnten. "Häuser, die in den 1950er-Jahren gebaut wurden, haben meist eine schlechtere Bausubstanz als die 1960er-Jahre-Bauten", sagt Schick. Denn sie wurden mit recht einfachen Mitteln nach dem Krieg im Wiederaufbauprogramm errichtet. In den 1960er-Jahren war die Qualität besser.

Keine Lösung von der Stange

Eine Lösung von der Stange für die Sanierung gibt es nicht. Manchmal lohnt sich die Modernisierung nicht, weil ein Neubau günstiger ist. "Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Gebäude in den 1970er-Jahren oder später erheblich umgebaut und mit ehemals modernen Baustoffen modernisiert wurde", erklärt Reinhold-Postina. Denn in den 1970er-Jahren setzten sich moderne Baustoffe durch, vor allem PVC und Kunstfasern. Auch Holzschutzmittel wie Lindan hielten Einzug, die gesundheitliche Schäden hervorrufen können und inzwischen verboten sind. Diese Stoffe zu beseitigen, wäre zu teuer. In den meisten Fällen haben die Nachkriegshäuser aber Potenzial, um noch der nächsten Generation ein schönes und modernes Zuhause zu bieten. "Besonders die Gebäude aus den 1950er-Jahren zeichnen sich durch eine schlichte Architektur aus, die heute noch ihren Charme hat", findet Zink.

Wo zwischenzeitlich nichts saniert wurde, ist zu erwarten, dass die Häuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren gesundheitlich unbedenklich sind. Denn es wurden beim Bau natürliche, traditionelle Baustoffe wie Ziegel oder Tonsteine verwendet. "Die sollten keineswegs herausgerissen und entsorgt werden", betont Reinhold-Postina. Die natürlichen Baustoffe sind ein großes Plus der alten Häuser. Heute seien die meisten Baustoffe sogenannte Komposit- oder Verbundwerkstoffe, also aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengesetzt und oft mit Kunststoff verarbeitet.

Dämmen, ja oder nein?

Ein altes Haus muss aus Sicht der Bauexpertin auch nicht zwangsläufig mit einer wärmedämmenden Gebäudehülle versehen werden. "Es kann durchaus sinnvoll sein, auf eine Wärmedämmung zu verzichten und stattdessen eine gute Heizung einzubauen", erklärt Reinhold-Postina. Die alten Häuser haben oft noch ein 36 Zentimeter dickes Mauerwerk. "Da rechnet sich eine zusätzliche Dämmschicht eventuell gar nicht."

Käufer sollten das von einem Fachmann durchrechnen lassen, bevor sie eine energetische Modernisierung in Auftrag geben. "Natürlich lassen sich Altbauten auf einen modernen Energiestandard bringen, aber ob und wann sich das rechnet, das muss jeder Hausbesitzer mit Hilfe eines Experten für sich entscheiden." Zu diesem Thema gibt es aber unterschiedliche Ansichten. Der Altbauexperte Ulrich Zink hält grundsätzlich eine energetische Sanierung inklusive Fenstertausch und Fassadendämmung für unumgänglich. "Die Häuser sollen schließlich die Energiestandards der Zukunft erfüllen."

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