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Umfrage unter Jobsuchenden
Flirten für die Stelle?

Umfrage unter Jobsuchenden: Flirten für die Stelle?
Flirten für die Stelle? FOTO: ddp
Düsseldorf. Persönliche Beziehungen, Online-Portale, Initiativbewerbungen – es gibt viele Wege, über die man an eine Stelle kommen kann. Jeder Dritte Arbeitsuchende wäre auch dazu bereit, mit den Vorgesetzten zu flirten, wenn es bei der Suche hakt. Von Christopher Weckwerth

Eines ist klar: Die viel beschworene "Generation Praktikum" ist noch längst nicht zu Ende. Nach wie vor scheint gerade für viele Jungakademiker der Weg in den Beruf nur über schlecht bezahlte oder sogar unentgeltliche Probephasen zu führen. Enttäuschung und Empörung sind groß, wenn diese anstatt vollwertiger Stellen angeboten werden und kein Ende in Sicht ist.

Doch Praktika bieten dem Nachwuchs auch eine große Chance. Denn die Arbeitsuche vereinfacht sich um ein Vielfaches, wenn neben der Berufserfahrung auch Kontakte gesammelt werden. Ein ausgeprägtes Netzwerk, das so genannte Vitamin B, ist ein äußerst wertvoller Nebenverdienst.

Heiße Blicke statt harter Fakten

Die Jobsuche ist erheblich schwieriger, wenn die Branchenkenntnisse noch nicht ausgeprägt genug sind oder die entstandenen Kontakte einfach nicht die richtigen waren. Das gilt ebenso für berufliche Veränderungen. Hinzu kommt die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft und die Diversifizierung der Berufslandschaft.

Es ist ein kulturelles Phänomen, das die Einzigartigkeit jedes Einzelnen immer stärker hervorgehoben wird. Ihren Ausdruck findet diese Entwicklung insbesondere im Konsum. Doch auch die Berufswahl unterliegt dem Kriterium der Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung.

Um das zu schaffen, sind einige Bewerber aber anscheinend auch bereit, sich auf ganz andere Weise zu präsentieren. Das Karriereportal talentfrogs.de hat eine bundesweite Umfrage durchgeführt, mit dem Ziel herauszufinden, ob Jobsuchende auch flirten würden, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. In der Tat gab rund ein Drittel der 2.084 Befragten an, gegebenenfalls mit den Vorgesetzten im Vorstellungsgespräch heiße Blicke auszutauschen.

Den Chef bezirzen?

Ein genauer Blick auf das Ergebnis zeigt, dass der Anteil der Flirter bei Frauen höher ist als bei Männern. Das mag freilich auch damit zusammenhängen, dass die Entscheider häufig noch reine Männerrunden sind. Zudem gibt es Generationsunterschiede: Je jünger die Befragten waren, umso höher war ihre Flirtbereitschaft. Unter den befragten Bewerbern über 50 Jahre sahen lediglich drei Prozent das Flirten als probates und chancenreiches Mittel an.

Über die erwarteten Erfolgsaussichten des Schäkerns ist nichts bekannt, allerdings dürfte nicht jeder einen so überzeugenden Dauerflirter abgeben wie Filmheld James Bond. Es ist zu hoffen, dass die Kandidaten nicht nur umgarnen, sondern auch fachlich überzeugen können. Schließlich soll eine erfüllende berufliche Zusammenarbeit kein Flirt bleiben, sondern zur langfristigen Beziehung werden.

(chk/csi)
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