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Mobbing am Arbeitsplatz
Wie man sich gegen Terror-Kollegen wehrt

Tipps: So wehren Sie sich gegen mobbende Kollegen
Tipps: So wehren Sie sich gegen mobbende Kollegen FOTO: gms
Düsseldorf. Spitze Kommentare, abfällige Bemerkungen oder manipulierte Unterlagen - Mobbing im Büro kann viele Facetten haben. Der Schaden für das Opfer ist immer groß. Lesen Sie hier, wie man sich wehrt, wo es Hilfe gibt, und was der Chef tun kann. Von Susanne Hamann

Es gibt viele Methoden jemanden so fertig zu machen, dass er es nicht mehr aushält oder gar zusammenbricht. Mobbende Kollegen können mit Blicken strafen, sich abwenden, schweigen, beleidigen, Unterlagen vorenthalten, Rufmord betreiben oder sogar handgreiflich werden. Für zwei Millionen Deutsche sind Erlebnisse wie diese an der Tagesordnung.

Der regelmäßige Psycho-Terror hat Folgen. Wer ihm standhalten muss, bekommt bald psychische und physische Probleme. Erst empfinden die Opfer Wut und Verzweiflung, begleitet von Symptomen wie Kopfschmerzen, Herzkreislaufproblemen, Dauermüdigkeit und Antriebslosigkeit. Doch auf Dauer mündet die Situation meistens in massiven Angstzuständen bis hin zur Depression.

Es ist ein Teufelskreis. Die Opfer sagen lange nichts, weil sie den Verlust des Arbeitsplatzes fürchten. Zugleich läuft ihr Schweigen auf ein Verlassen der Stelle hinaus, denn wie Lucia Beatrix Stellberg, Gründerin des Coaching Instituts Köln weiß "lassen sich viele die Schikane so lange gefallen, bis sie kurz vor dem Burnout stehen, und dann wirklich nur noch eine echte Therapie und ein Beenden der Situation, also eine Kündigung, hilft."

Schluss mit der Opferrolle

A und O jeder Schutzreaktion gegen den Terror am Arbeitsplatz ist deshalb frühzeitiges  Handeln. "Zunächst sollten Betroffene unbedingt mit jemandem über das Problem sprechen, und sich durch Bücher und das Internet über Mobbing informieren", sagt Stellberg "denn alleine damit fertig zu werden ist fast unmöglich." Wer sich informiert hat dagegen die Chance zu verstehen, dass er weder machtlos noch ein Einzelfall ist. Außerdem kann so eine angemessene Gegenstrategie entwickelt werden.

Brust hoch, Kinn raus

Denn an erster Stelle im Kampf gegen den Mobber steht, ein stärkeres Selbstbewusstsein zu entwickeln, und richtig Kontra zu geben. "Wo ein Täter ist, da muss es auch ein Opfer geben", erklärt Stellberg. Betroffene sollten folglich zunächst ihr eigenes Verhalten analysieren und herausfinden, wie sie sich selbst in die Opferrolle begeben oder drängen lassen. Im nächsten Schritt kann dann ein Plan entwickelt werden, mit dem man sich gegen den Psychoterror abgrenzt: "Kommt beispielsweise wieder einmal eine unverschämte Bemerkung, ist es wichtig massiv dagegenzuhalten, anstatt einzuknicken." Nur so merke der Mobber, laut Stellberg, dass das Opfer seine Rolle verlässt und ziehe sich somit zurück. Allerdings braucht eine solche "Umprogrammierung" der Situation auch seine Zeit. Zwei bis drei Wochen muss das neue Verhalten glaubhaft aufrecht gehalten werden, um erste Erfolge beim dem Psychoterroristen  zu erzielen.

Keine offene Aussprache

Auf keinen Fall sollte dagegen ein offenes Gespräch mit dem Aggressor gesucht werden. "In einer solchen Situation kann der Mobber die Wahrnehmung des Opfers viel zu leicht infrage stellen", so die Leiterin des Coaching Instituts Köln. "Ein simpler Satz wie "Das stimmt doch gar nicht, das ist doch nur deine verschobene Wahrnehmung", reicht, um das Gespräch auszuhebeln, und dem Opfer erneut eins auszuwischen."

Sich nicht allein auf den Chef verlassen

Sehr situationsabhängig ist, ob der Chef in den Eklat eingeschaltet werden sollte. "Die Frage ist, wie wichtig der betroffene Mitarbeiter dem Chef ist, und welche Kompetenzen er als Führungskraft hat", sagt Stellberg. Kann der Chef gut zuhören und Rückendeckung geben, ist er die richtige Unterstützung. "Weiß er jedoch nicht, wie er mit der Situation umgehen soll, oder erachtet das Problem als nicht wichtig genug, kann es dazu kommen, dass das Opfer wieder allein dasteht oder sogar vom Chef fallen gelassen wird."

Sollte es der Chef selbst sein, der mobbt, empfiehlt es sich möglichst bald einen Anwalt einzuschalten, um gegen die unfairen Methoden vorzugehen. Die regelmäßigen Schikanen sollten dann schriftlich festgehalten werden. Das erleichtert die Beweisführung.

Den Körper sprechen lassen

Auch die Körpersprache ist ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Mobbern. Eine gebückte Haltung oder leises schleichen durch die Gänge signalisiert bereits indirekt die Opferhaltung. "Wer sich jedoch gerade hinstellt, dem Gegenüber in die Augen sieht und mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, der zeigt "Mit mir kann man das nicht machen"."

Bloß nicht Schweigen

Fazit ist: Jede Handlung ist besser als zu schweigen. "Mobbing ist ein fortschreitender Prozess", sagt Stellberg. Es hört nicht irgendwann von selbst auf. "Sondern, wenn der Mobber merkt, dass sich das Opfer die Angriffe auf Dauer gefallen lässt, werden die Attacken immer schlimmer." Sind dann erst einmal ein oder gar mehrere Jahre ins Land gegangen, in denen das Opfer die permanenten Angriffe ertragen hat, fehlt oft für jegliche Lösung der Situation die Kraft. Hilfe und Rat finden Betroffene etwa bei Coaches, dem Betriebsrat, Anwälten oder auch Psychotherapeuten. "Wer sich rechtzeitig zur Wehr setzt, hat wirklich gute Chancen, die Situation in den Griff zu bekommen", so Stellberg.  

(anch/ham)
 
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