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Dehn- und Kräftigungstraining
Wie Pilates den Körper strafft
10 Dinge, die Sie über Ihren Rücken noch nicht wussten
10 Dinge, die Sie über Ihren Rücken noch nicht wussten FOTO: shutterstock/ Sebastian Kaulitzki
Düsseldorf. Nach Weihnachten blickt so mancher mit Sorge in den Spiegel und stellt fest: Ein straffer Körper sieht anders aus. Da kann Pilates helfen. Es ist ein Dehn- und Kräftigungstraining, mit dem auch viele Prominente ihr Aussehen und ihre Fitness optimieren. Von Aliki Nassoufis

Madonna, Scarlett Johansson und Jessica Biel sollen es schon länger tun und seit kurzem angeblich auch Miley Cyrus zusammen mit Liam Hemsworth: Pilates. Auf den Sport schwören aber nicht nur Stars, sondern auch viele andere Menschen. Bei der Trainerauswahl sollten Kunden aber kritisch sein. Denn Pilates kann - wenn es falsch gemacht wird - auch Schäden anrichten.

"Pilates ist ein Dehn- und Kräftigungstraining, bei dem vor allem die Muskulatur des Rumpfes, also die des Bauches, unteren Rückens und Beckenbodens gestärkt wird", erklärt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbandes in Düsseldorf. "Es verbindet Bewegung mit Kraft, Atmung mit Wahrnehmung, Haltung mit Beweglichkeit, Anspannung mit Entspannung." Pilates sei in seiner Wirkung eine Mischung aus Yoga, Atemtherapie, Krafttraining und Entspannung.

Bewußte Übungen

"Pilates ist eine ganzkörperliche Betätigungsart, bei der jeder Muskel und jedes Gelenk benutzt wird", ergänzt Kurt Rotter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Pilates-Trainer in Medizin & Sport in Fürstenfeldbruck ergänzt. Die Übungen seien nicht alle neu, aber man mache sie bewusst, so dass Muskeln gekräftigt und entlastet werden.

Wissenschaftlich fundierte Studien zu den Effekten von Pilates gibt es kaum. Das Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln zum Beispiel führte eine Studie zum Einfluss von Pilates-Training auf die Befindlichkeit von Frauen durch. Die Forscher stellten nach eigenen Angaben "eine signifikante Verbesserung der körperlichen und psychischen Befindlichkeit" fest.

Allerdings basierten die Ergebnisse auf nur 14 Frauen, die Pilates trainierten. Hinzu kam, dass die elf Frauen der Kontrollgruppe, die Gymnastik machten, ebenfalls "signifikante Verbesserungen, wenn auch in etwas geringerem Umfang" spürten. "Auch normale Gymnastik kann umfassende positive psychische Effekte nach sich ziehen", resümierten die Forscher.

Dennoch gehört Pilates Hertel zufolge vor allem in England und in den USA zur Ausbildung an anerkannten Tanzschulen und Hochschulen. Auch in Deutschland werde in einigen Kultureinrichtungen wie Ballettensembles nach Pilates trainiert. "In der medizinischen Reha, wie zum Beispiel nach Sportverletzungen, wird ebenfalls Pilates eingesetzt", sagt Hertel. Teilweise werde es von Ärzten als gerätegestützte Physiotherapie verordnet. Pilates sei besonders geeignet für Sportler, darstellende Künstler wie Tänzer oder Schauspieler sowie Menschen, die unter chronischen, haltungsbedingten Rückenschmerzen leiden.

Begriff ist nicht geschützt

Allerdings müssen Interessenten vorsichtig sein. Den Experten zufolge ist der Begriff "Pilates" nicht geschützt. Es gebe auch keine einheitlichen Richtlinien für die Ausbildung, sagt Hertel. "Jeder kann sich Pilates-Trainer oder Pilates-Experte nennen." Rotter rät daher, sich seinen Trainer genau anzuschauen. "Es ist wichtig, dass der- oder diejenige Wissen über Anatomie hat, um Zusammenhänge im Körper besser zu verstehen." Denn nicht jede Übung sei für jeden Menschen geeignet. "Wer zum Beispiel einen flachen Rücken hat, bei wem also die Krümmung des Rückens nicht normal ausgeprägt ist, der sollte in Rückenlage seine Beine nicht stark hoch- und runterbewegen, weil er sonst Gefahr laufen könnte, einen Bandscheibenvorfall zu bekommen."

Hertel betont, dass die Probleme nicht mit der Methode des Pilates an sich zu tun haben, sondern mit den Menschen, die sie unterrichten oder praktizieren. Gesundheitliche Vorbelastungen, insbesondere Schäden an der Wirbelsäule, müssten sehr ernst genommen werden. "In solchen Fällen würde ich auch dringend davon abraten, sich anhand von Büchern oder Videos die Übungen selbst beizubringen." Sein Tipp: "Wer bei den Trainern sicher gehen will, sucht für professionelle Anleitung einen staatlich anerkannten Physiotherapeuten, der wenigstens 600 Stunden Fortbildung, teils mit Hospitationsstunden, in Pilates absolviert hat."

Außerdem sollte nicht jeder Pilates machen. "Wer unter chronischen oder akuten Erkrankungen leidet, sollte grundsätzlich seinen Arzt um Rat fragen", sagt Hertel. Gefährlich seien unter anderem Entzündungen jeder Art, akute Bandscheibenvorfälle und Osteoporose mit Extremstellungen der Wirbelsäule. Auch wenn jemand einen akuten Infekt oder eine Erkältung hat oder sich sonst unwohl fühlt, sollte kein Pilates-Training durchführen.

Quelle: dpa/anch
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