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Das große Lexikon der Schmerzmittel

Egal, ob nach Operationen, durch schwere Krankheiten oder noch undiagnostiziert - Schmerzen machen vielen Menschen täglich das Leben schwer. Bei 12 Millionen Deutschen ist er gar chronisch. Lesen Sie hier, welche Schmerzformen es gibt, und welche Medikamente wann helfen.

Das große Lexikon der Schmerzmittel

Der Schmerzplan der WHO

Stufe eins: In einem Stufenplan zur Schmerzbehandlung, den die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 1986 festlegte, bilden diese Schmerzmittel die Stufe eins. Sie wirken zum Teil neben ihrer schmerzdämpfenden Wirkung entzündungshemmend oder fiebersenkend.

Stufe zwei: Schwache Opioide wie Tramadol, Valoron, Kodein, Tilidin und Naloxon werden in Stufe zwei gegen starke Schmerzen eingesetzt. Arthrose-Patienten fallen bei dauerhaften Schmerzen ebenso in diese Gruppe wie auch Bandscheibenpateinten bei einem akuten Vorfall. Auch bei Krebsschmerzen werden solche Mittel eingesetzt. Oft dann aber in Kombination mit Arzneien der Stufe eins.

Stufe drei: Die letzte Stufe bilden Wirkstoffe wie Morphin, Fentanyl, Buprenoprphin oder Oxycodon. Sie wurden früher ausschließlich in der Palliativmedizin eingesetzt. Heute aber werden sie auch chronischen Schmerzpatienten verschrieben sowie in akuten Situationen nach Operationen oder bei akuten Schmerzerkrankungen, die vorübergehender Natur sind.

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Wenn die Wirkung zu schnell nachlässt

Besonders nach Operationen, Verletzungen oder länger andauernden Erkrankungen halten Schmerzmedikamente nicht so lange vor, wie man sich das wünschen würde. Wichtig ist aufgrund von Nebenwirkungen allerdings, die im Beipackzettel angegebene Zeitspanne zwischen den Einnahmen einzuhalten. Behelfen kann man sich aber damit, beispielsweise Ibuprofen und Paracetamol im Wechsel zu nehmen. So ergibt sich die Möglichkeit, bereits nach vier Stunden erneut gegen die Schmerzen anzugehen.

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Manche Präparate werben gezielt als Wirkstoff gegen spezielle Leiden. Das Arzneimittel "Dolormin Migräne" weist zum Beispiel auch im Beipackzettel darauf hin, dass es zur Behandlung von Kopf- und Migräneschmerzen geeignet ist. Das allerdings teichnet dieses Präparat nicht gegenüber anderern Ibuprofenhaltigen aus. Die gleiche Menge des Wirkstoffs ist auch in Pfeil Zahnschmerztabletten enthalten. Eine kompetente Beratung in der Apotheke und ein Preisvergleich hilft, das richtige Präparat für seine Bedürfnisse zu finden.

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Wogegen ASS wirkt

Kopfschmerzen ist was die Schmerzbekämpfung angeht Indikationsgrund Nummer eins für ASS-haltige Arzneimittel. Erwachsene sollten zwischen 500 und 1000 Milligramm davon einnehmen. Es hilft zudem bei Fieber und wird, da es blutverdünnend ist auch in der Schlaganfall- und Herzinfarktprophylaxe gegeben

Es wirkt, indem es die Bildung von Botenstoffen, die Entzündungen, Schmerzen und Fieber fördern, verhindert.

Wirkzeit: nach 20 bis 60 Minuten/für rund sechs Stunden

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Besser auf ASS verzichten

Asthmapatienten sollten den Wirkstoff meiden, da er wiederum das Entstehen eines Anfalls provozieren kann. Auch dürfen Kinder mit Fieber oder Schmerzen den Wirkstoff nicht verabreicht bekommen, weil er das lebensgefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Dabei handelt es sich um einen lebensgefährlichen Leberschaden, der mit Symptomen einer Hirnhautentzündung einher geht.

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Das sollten Sie vor einer Operation oder dem Zahnarztbesuch meiden

Manchmal erwünschte Nebenwirkung des Wirkstoffs ASS ist seine blutverdünnende Eigenschaft. Bereits 100 Milligramm reichen aus, um das Blut für bis zu vier Tage zu verdünnen. Bei Schlaganfallpatienten eine mitunter lebensrettende Eigenschaft. Vor Operationen oder Zahnarztbesuchen hingegen ist diese Wirkung unerwünscht, weil sie Komplikationen und Nachblutungen nach sich ziehen könnte. Gefährlich ist darum auch die Einnahme während der Schwangerschaft. Paracetamol hingegen wäre in solchen Fällen sehr viel besser geeignet. Selbst Ibuprofen, das eine leicht blutverdünnende Wirkung hat, wäre die bessere Wahl.

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Das hilft bei Entzündungsschmerzen

Bei Entündungsschmerzen helfen Ibuprofen, Naproxen und ASS gleichermaßen. Magenfreundlicher ist allerdings der erste Wirkstoff und wird darum bei länger andauernder Therapienotwendigkeit mehr empfohlen. Unter der Einnahme von Ibuprofen gibt es deutlich weniger Magenblutungen. Bei Rheuma und anderen Entzündungsschmerzen ist hingegen Paracetamol ungeeignet, da es keine entzündungshemmende Eigenschaft hat.

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Wogegen Ibuprofen wirkt

Neben Entzündungsschmerzen können mit Ibuprofen auch Kopfschmerzen, Zahn- und Regelschmerzen,  Gicht, Arthrose, rheumatische Erkrankungen sowie Fieber behandelt werden. 

Wirkzeit: nach 15 bis 20 Minuten / für rund vier bis sechs Stunden

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Wann sich Paracetamol eignet

Es ist bei Erkältungsschmerzen das Mittel der Wahl und wirkt gegen Kopfweh, Gliederschmerzen und Fieber gut, indem es das Schmerzerleben im Gehirn abschwächt. Der Wirkstoff ist auch für kleine Kinder und Säuglinge schon geeignet und kann ebenfalls in der Schwangerschaft eingenommen werden.

Wirkung: Paracetamol wirkt nach 15 bis 20 Minuten/für vier bis sechs Stunden

Vorsicht mit der Dosierung

Das Wundermittel Paracetamol kann reines Gift für die Leber sein. Darum sollte man sich unbedingt an die genaue Dosierungsangabe halten, die sich nach dem Körpergewicht richtet und diese nicht überschreiten. Auf einen anderern Wirkstoff sollten Leberkranke und Menschen zurückgreifen, die regelmäßig Alkohol trinken.

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Wogegen Naxopren hilft

Dolormin ist eines der bekanntesten Medikament, das den Wirkstoff Naxopren enthält. Er hilft bei Regelschmerzen, Beschwerden durch Arthrose, Gicht, Fibromyalgie  oder auch rheumatische Beschwerden. Es wirkt entzündungshemmend, abschwellend, fiebersenkend und schmerzstillend.

Nachteil des Wirkstoffs: Er sollte bei Kindern unter zwölf Jahren nicht angewendet werden. Ohne ärztlichen Rat sollte man das Schmerzmittel nicht länger als sieben Tage einnehmen. Es ist für Asthmatiker sowie Schwangere und Stillende nicht geeignet. Auch Patienten mit Blutungsneigung sollten darauf verzichten, da es leicht blutverdünnend ist. Auch Menschenmit Nasenpolypen, Heuschnupfen und Erkrankungen der Atemwege dürfen auf diesen Wirkstoff nur nach Rücksprache mit dem Arzt zurückgreifen.

Wirkung: Naproxen wirkt nach 15 bis 20 Minuten und dann für bis zu zwölf Stunden.

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Wogegen Diclofenac wirkt

Der Wirktsoff Diclofenac wird vor allem in der Orthopädie zur Behandlung von Gelenschmerzen etwa durch Entzündungen eingesetzt.

Nachteil des Wirkstoffs: Diclofenac belastet die Magenschleimhaut und kann zu Sodbrennen und Entzündungen führen. Es wird deshalb oftmals mit magenschützenden Medikamenten gegeben.

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Medikamente der Schmerzstufe 2 und 3

Viele Ärzte sind jedoch mit dem Verschreiben von Schmerzmitteln der Stufe 2 und 3 zurückhaltend. Ähnlich wie auch Patienten, fürchten sie um Sucht und Abhängigkeit. Schmerzexperten verweisen allerdings darauf, dass es bei einer sachgerechten Einnahme und Verschreibung moderner Opioidpräparate das nahezu ausgeschlossen ist. Damit es nicht zur Abhängigkeit kommt, sollten Patienten sich an ihr fest vorgegebenes Einnahmeschema halten, denn das garantiert einen konstanten Wirkspiegel. Durch Medikamente, die verzögert, also retardiert wirken, bringt der Patient die Einnahme der Arzneimittel nicht in Verbindung zu seiner Schmerzbefreiung.

 

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Metamizol wird zur Behandlung starker Schmerzen, Koliken und Fieber eingesetzt. Es ist unter dem Handelsnamen Novalgin bekannt. Meist wird es viemal täglich gegeben und wirkt neben seinen schmerzlidnerden Eigenschaften auch krampflösend. Es kann HAutreaktionen hervorrufen oder Nebenwirkungen wie VErdauungsbeschwerden oder Blutbildstörungen.

Anwenungsgebiet:
- akuten starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen,
- krampfartigem Leibschmerz (Kolik),
- Schmerzen bei Krebsleiden (Tumorschmerzen),
- sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen, so weit eine andere Behandlung nicht infrage kommt,
- hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht.
 

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Fentanyl

eignet sich besonders als Mittel bei Tumorschmerzen als sehr starkes Schmerzmittel, das kurzfristig seine Wirkung entfaltet. Im Vergleich zu Morphium ist Fentanyl etwa 100 Mal wirksamer. Intravenös gegeben tritt seine Wirkung sehr schnell ein, weshalb es auch in der Notfallmedizin bei Verbrennungen oder schweren Brüchen eingesetzt wird.

Anwendungsgebiete:

- bei kurzfristigen Schmerzzuständen, z.B. nach operativen Eingriffen
- bei schwerer Beeinträchtigung der Funktion des zentralen Nervensystems
- bei einer schweren Beeinträchtigung der Atemfunktion unter fachkundiger Beobachtung
- in der Palliativmedizin gegen Atemnot

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Morphin

wird als starkes Schmerzmittel eingesetzt und ist das stärkste natürliche Schmerzmittel. Im Jahr 1803 isolierte es der deutsche Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner erstmals aus dem getrockenten Milchsaft des Schlafmohns. Heute verwendet es die Medizin zur BEhandlung stärkster Schmerzen. Seinen festen Platz hat es vor allem in der Palliativmedizin und bei der Therapie starker chronischer Schmerzen.

Anwendungsgebiet:

- starke und sehr starke Schmerzen aller Art

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Sufentanil

ist das stärkste humanmedizinische Schmerzmittel. Es ist 500 bis 1000 mal stärker als Morphin. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und hat eine minimale Wirkdauer von 30 Minuten.

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Tilidin

ist ein eher weniger potentes Schmerzmittel, das auch unter dem Handelsnamen Valoron bekannt ist. Es wirkt nur rund 0,2 mal so schmerzdämpfend wie Morphin und wird häufig in Kombination mit Nalloxon gegeben, da diese Kombination unter anderem Verstopfung im Darmtrakt vorbeugen kann. In Deutschland unterliegt es nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Es wird neben anderern Opioiden gegeben, wenn diese keine ausreichende Wirkung bringen.

Anwendungsgebiet:

- starke und sehr starke Schmerzen aller Art

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Naloxon

wird zur Aufhebung der Wirkung von Opioiden eingesetzt und meist injiziert. So kommt es zum Beispiel bei Opioidabhängigkeit zum Einsatz oder bei Vergiftungen oder dem Aufheben eines künstlichen Komas.