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Dellen weg – oder alles glatt gelogen?
Experten bewerten Anti-Cellulite-Methoden

Hilfe bei Cellulite: Experten bewerten Anti-Cellulite-Methoden
Tatsächlich gar nicht so dumm ist es, den unschönen Dellen mit Bürstenmassagen zu Leibe zu rücken. FOTO: dpa, Mascha Brichta
Düsseldorf. In den letzten Tagen wurde es vielen wieder klar: Der Bikini gibt schonungslos den Blick frei auf Fleckchen und Dellen an Beinen, Armen und Po - und das auch bei vielen schlanken Frauen. Wir haben Dermatologen gefragt, was gegen Cellulite hilft und was nur Geldabschneiderei ist. Von Tanja Walter

Orangenhaut heißt das Schreckgespenst vieler Frauen. Besonders am Po und den Oberschenkeln zeigen sich Dellen, die das Bindegewebe dem weiblichen Geschlecht  beschert. Egal ob schlank oder fülligere Formen das von vielen als Schönheitsmakel empfundene Problem macht weder davor, noch vor dem Alter Halt. Schon ab dem 20. Lebensjahr werden die Dellen bei vielen sichtbar. Denn was die weibliche Haut in manchen Zonen zur Hubbelpiste macht, bleibt den Männern durch eine andere Veranlagung weitestgehend erspart.

Wie Cellulite entsteht

Sechs Fakten zu Cellulite

Schon "im  dritten Monat der Embryonalentwicklung wird die Bindegewebsschwäche unter Einfluss der Hormone angelegt und bleibt für den Rest des Lebens erhalten", sagt der Düsseldorfer Dermatologe Dr. Manuel Cornely. Im Gegensatz zum Mann besitzt die Frau Hautgewebe, das hormonellen Schwankungen unterliegt. Das nutzt den Frauen zwar bei Schwangerschaften, wird aber von vielen als Nachteil in Sachen Optik empfunden.

Denn im Gegensatz zur Männerhaut ist die der Frauen in der Oberhaut dünner und die darunter liegende Lederhaut flexibler. Das Unterhautgewebe unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, dass sich dort überschüssige Fettsäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden, dauerhaft als eiserne Energiereserve ablagern können. Das Ungünstige ist, dass diese Fettzellen bis auf das zehnfache ihrer Größe anwachsen können. Das senkrecht aufgehängte Bindegewebe aber bleibt stabil wie eine Säule stehen und sorgt für die ungewünschte Eindellung der Haut.

"Insgesamt ist Cellulite ein natürlicher Zustand der Haut", sagt Dermatologe Cornely. Sie ist also ein rein kosmetisches Problem und keine Krankheit. Das aber allein tröstet nicht alle über die aufgeblähten Fettzellen an Oberschenkeln, Po, Hüfte oder Bauch hinweg. Viele wünschen sich selbst etwas tun zu können, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Das leisten Cellulitecremes

Am einfachsten scheint da der Griff zur Cremetube. Die zu erwerben ist mehr oder minder kostspielig: Ab drei Euro bekommt man sie in Drogeriemärkten, zwanzig Euro und mehr kosten andere Produkte in Apotheken und dem Kosmetikfachhandel. Abgesehen davon, dass viele Inhaltsstoffe solcher Anti-Cellulite-Cremes als Allergieauslöser bekannt sind, sind sich die Dermatologen außerdem einig: Cremes können nicht helfen, egal ob sie eher auf Stoffwechsel ankurbelndes Coffein oder auf Birkenextrakt setzen. Denn diese Stoffe dringen laut Hautarzt Cornely gar nicht weit genug in die Haut ein. Die unten liegenden Hautschichten bleiben von der Wirkung unberührt, auch wenn sich nach mehrwöchiger Behandlung das subjektive Empfinden einstellt, die Haut sei glatter.

Der beobachtete Effekt stellt sich allein durch die Massage. Wer zur Luffragurke greift und den Dellen mit der üblichen Bodylotion oder einem normalen Hautpflegeöl zu Leibe rückt, erzielt den gleichen Effekt. "Zwischen den Fettzellen lagert hormonell bedingt Flüssigkeit. Durch eine Massage verschiebt man sie und die Hautoberfläche wirkt glatter."  Der Effekt bleibt jedoch nur erhalten, wenn er permanent wiederholt wird. Ist Schluss mit der Massagetherapie, ist das alte Problem wieder da, denn den feisten Fettzellen im Bindegewebe kommt man nicht bei.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät aber auch aus anderen Gründen von einigen Cremes ab. Manche Produkte sind zwar mittlerweile frei von Konservierungsstoffen, die Hautreaktionen hervorrufen können, doch enthalten sie Cyclopentasiloxane oder Dimethicone. Dabei handelt es sich um Silikonverbindungen, die fortpflanzungsgefährdend und zudem –geraten sie in die Umwelt – schwer abbaubar. Aus diesem Grund hält auch das Umweltbundesamt es für sinnvoll, diese Stoffe auf EU-Ebene zu verbieten

So gut ist Endermologie

Hinter diesem Verfahren verbirgt sich ein Gymnastikprogramm für tiefer liegende Hautschichten. Dabei erzeugen Walzen, die über die Haut gleiten einen vakuumähnlichen Saugeffekt. Das Gewebe wird auf diese Art und Weise aufgelockert und entwässert. Auch hier wirkt die Haut zunächst glatter, dauerhaft aber verändert auch diese Behandlung nichts. Die Stiftung Warentest befindet nach einem Test: "Es gibt nur wenige Studien, die die Wirksamkeit dieser Methode unterstützen."

So gut ist Radiofrequenztherapie wirklich

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Als eines der modernsten Verfahren, der Cellulite beizukommen gilt die Radiofrequenztherapie oder akustische Wellentherapie. Dabei wird die Haut in mehreren Sitzungen mit Stoßwellen behandelt. Das Verfahren ist ähnlich dem zur Zertrümmerung von Nierenstein eingesetzten und wird schon seit längerem in der orthopädischen Schmerztherapie angewandt. Dabei beobachtete man zufällig, dass sich an den behandleten Stellen auch die Haut glättete, beschreibt die Schweizer Dermatologin und Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laseranwendungen Dr. Bettina Rümmelein mit Co-Autor Christoph Zindel in der Fachpublikation Dermatologie Praxis.

Durch die Radiowellen erhitzt sich das Unterhautgewebe auf bis zu 44 Grad Celsius, die darüber liegende Hautschicht sogar auf 60 Grad. Dadurch wird die Haut stark durchblutet, die Fettzellen schrumpfen und das Bindegewebe zerstört. Anschließend produziert der Körper neues Kollagen, wodurch das Bindegewebe gestärkt werden soll. Um diesen Effekt zu erreichen, ist eine zweimalige Behandlung pro Woche erforderlich. Wie die Münchener Dermatologin Tatjana Pavicic in einem Fachbeitrag schreibt, gibt es allerdings nur wenige Studien, die die Wirksamkeit der zudem teuren Behandlung belegen.

Ultraschall, Bodywrapping & Co

Die Verbraucherzentrale Hessen warnt vor der irreführenden Werbung rund um Ultraschallbehandlungen. Sie verspricht, die eingesetzten Schallwellen könnten Cellulite dauerhaft verschwinden lassen. Das allerdings sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Ähnlich stellt sich auch der Erkenntnisstand in Sachen Laserbehandlung, Bodywrapping oder Fettabsaugung dar. Da auch ihre Wirkung nicht zweifelsfrei belegt ist, stellt sich die Frage, ob man diese teuren Behandlungsoptionen dennoch in Anspruch nehmen möchte. Mit der verzweifelten Suche nach der Lösung des kosmetischen Problems werde jede Menge Geld gemacht. "Aber es hilft nichts", sagt Hautexperte Dr. Manuel Cornely. Zumindest nicht nachhaltig.

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Das richtet Lipolyse gegen Cellulite aus

Er warnt zudem vor Behandlungen mit Fett-weg-Spritzen. Bei ihnen wird der Wirkstoff Lipostabil gespritzt, der überschüssige Fette über die Blutbahn abtransportieren soll. Wer dieses Verfahren angeboten bekommt, der sollte besser abwinken. Denn zur Cellulitebehandlung ist das Verfahren nicht zugelassen. Es findet lediglich im Bereich der Behandlung Cholesterinkranker Einsatz, um von Fett verstopfte Gefäße zu reinigen. Wie risikoreich der Griff zur Fett-weg-Spritze sein kann, zeigen Behandelte, bei denen Gewebe abstarb, die Haut löchrig wurde oder einige Todesfälle.

Das beste Mittel gegen Cellulite bleibt Sport

Nachweislichen Effekt erzielt hingegen Sport. Denn je mehr Muskulatur der Körper aufbaut, desto weniger Platz bleibt für Cellulite. Denn die Muskulatur wird bis in tiefere Schichten hinein gestrafft. Durch die Bewegung wird zudem die Durchblutung des Gewebes angeregt. Weiterer positiver Nebeneffekt: Bewegung lässt Pfunde purzeln. Das macht zusätzlich eine gute Figur.

Wie Sie mit Ernährung gegen Cellulite angehen können

Die Wirksamkeitsbescheinigung hat daneben eine gesunde Ernährung. Mehr Obst und viel Gemüse sowie wenig Fett, statt dessen aber proteinreiche und schnell abbauende Kohlehydraten führen zu nachhaltigen Erfolgen. Auch wenn sich Cellulite bei beleibteren wie dünnen Frauen gleichermaßen zeigt, lohnt es sich für Übergewichtige die Pfunde zu reduzieren. Denn Cellulite erzeugt Cellulite. Die verhärteten Fettknübbelchen im Bindegewebe sorgen für eine schlechtere Durchblutung und einen schlechteren Lymphfluss. Das wirkt sich ungünstig auf den natürlichen Fettabbau aus und führt dazu, dass sich im Gewebe noch mehr Fett ansammelt.

Ernährungsexperten warnen jedoch ebenso wie die Stiftung Warentest vor Crash-Diäten, denn ihnen folgt meist der gefürchtete Jo-jo-Effekt. Durch das ständige Zu- und Abnehmen leiert die Haut zusätzlich aus und wirkt dann nicht nur dellig, sondern hängt im schlimmsten Fall schlaff herunter. Wer das vermeiden will, sollte es nach Empfehlung der Warentester mit Wechselduschen und Bürstenmassagen versuchen. Denn das regt die Blutzirkulation und den Lymphfluss an und tut auch dem Bindegewebe gut.

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