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Sprechstunde mit Dr. Ulrich Waltking
Was bedeutet es, wenn die Hand anschwillt?

Was bedeutet es, wenn die Hand anschwillt?
FOTO: Kuttelvaserova Stuchelova /shutterstock.com
Unsere Leserin Carla L. aus Hilden (46) fragt: "Bei Glatteis im Winter habe ich mir das rechte Handgelenk gebrochen. Es wurde operiert. Jetzt sehe ich seit einigen Monaten keine Fortschritte mehr in der Heilung. Im Gegenteil, die Hand ist angeschwollen, sie schmerzt ständig, und ich kann auch die Finger nicht mehr richtig bewegen. Meine Freundin sagt, das könnte ein Sudeck sein. Was verbirgt sich dahinter?"

Ulrich Waltking Es spricht viel dafür, dass Ihre Freundin recht hat. In Deutschland hat der Chirurg Sudeck 1900 erstmals eine Arbeit zu diesem Krankheitsbild veröffentlicht. Der Begriff "Morbus Sudeck" oder "Sudeck'sche Dystrophie" wird heute nicht mehr gebraucht. Vielmehr spricht man von einem "komplexen regionalen Schmerzsyndrom". Regional, weil es in der Regel auf eine Gliedmaße oder Teile einer Gliedmaße beschränkt ist. Komplex, weil viele Faktoren zu einer solchen Komplikation führen.

Im Anfangsstadium zeigen sich charakteristische Symptome: Schmerzen, die sich mit der Verletzung nicht mehr sicher in Einklang bringen lassen; die Hautfarbe ändert sich bis zu einer bläulichen Marmorierung; die Hand schwillt an, schwitzt vermehrt, Haar- und Nagelwachstum verändern sich; die Beweglichkeit wird schlechter, die Muskelkraft lässt nach.

Abzugrenzen sind diese Symptome von einem natürlichen Ausheilungsvorgang nach einer Verletzung, der auch mit Schmerzen und Schwellungen einhergehen kann. Hilfreich in der Diagnostik zur Abgrenzung sind ein Szintigramm, das eine vermehrte gelenknahe Anreicherung zeigen wird, und eine Röntgenuntersuchung, die gelenknahe und fleckförmige Entkalkungen aufzeigen kann.

Wie entsteht der Morbus Sudeck? Als Ursache der Erkrankung werden verschiedene Ansätze diskutiert. Durch eine Störung des autonomen Nervensystems kommt es zu einer lokalen Stoffwechselentgleisung und zu einer gestörten Schmerzweiterleitung. Bedeutsam ist auch die individuelle Schmerzverarbeitung, die wiederum durch psychische Faktoren beeinflusst wird. Hierzu gehören neben Ängsten oder einer depressiven Stimmungslage auch belastende Ereignisse im Vorfeld wie auch das Unfallgeschehen selbst.

Die Erkrankung kann in verschiedenen Stadien verlaufen. Ein bleibender Schaden mit einer Verkümmerung der Muskulatur ist eher selten. Im Vordergrund der Behandlung steht die Krankengymnastik durch einen kompetenten, handchirurgisch erfahrenen Physiotherapeuten. Ebenso wichtig ist die Schmerzkontrolle durch das Verstehen der Erkrankung und - ebenso wichtig - durch die Anwendung einer ganzen Reihe medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten, und zwar immer abhängig vom Verlauf und Schweregrad.

Ansprechpartner sind der behandelnde Orthopäde, Handchirurg, Neurologe oder Schmerztherapeut. Wichtig auch in Ihrem Fall sind Geduld und - wie immer in der Medizin - der feste Wille zur Heilung!

Quelle: RP
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