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Heute ist Weltmännertag
Warum Deutschland eine Männerquote braucht

Weltmännertag: Warum Deutschland eine Männerquote braucht
FOTO: Shutterstock.com/ Warren Goldswain
Düsseldorf . Immer wieder gibt es Diskussionen um die Notwendigkeit einer Quote für Frauen in Männerberufen. Was aber kaum diskutiert wird, ist eine Quote für Männer in Frauenberufen. Die wäre eigentlich dringend nötig, befindet Männertherapeut Björn Süfke, und erklärt im Gespräch, was sich alles ändern würde, wenn Männer von Kindheit an mehr Männer um sich hätten. Von Susanne Hamann

Herr Süfke, Sie sind für eine Männerquote in Frauenberufen, wie ist das zu verstehen?

Süfke: Also, man darf das nicht zu politisch sehen, aber ich habe mich schon immer darüber gewundert, wieso im Zusammenhang mit Kitas niemand je von einer Quote spricht.

Aber wie kommen Sie denn auf diese ungewöhnliche Idee?

Süfke: Hintergrund ist, dass Kinder im allgemeinen seit Jahrzehnten Frauen in ihrem Alltag als Bezugspersonen haben. Das sind etwa Mütter, Kindergärtnerinnen und Kindermädchen. Während Mädchen somit ein Rollenvorbild haben, an dem sie sich orientieren können, lernen Jungs so immer nur wie Frauen die Dinge erledigen. Sie erleben aber nie wie andere mit schwierigen Alltagssituationen umgehen.

Und inwiefern ist das ein Problem?

Süfke: Gerade in jungen Jahren lernen die Kinder sehr viel am Model. Wenn aber das einzig reale Model das der Frau ist, wissen Kinder auch nur wie diese sich verhalten. Den Rest lernen sie vor allem durch die Industrie: Jungs spielen mit Star Wars-Spielzeug, Mädchen mit Lillifee. Und in Comics und Hollywood-Filmen machen Männer immer spektakuläre Sachen, sind hart und zeigen keine Gefühle. Da ist es natürlich schwierig für Jungs zu lernen, wie man damit umgeht, wenn Gefühle wie Angst oder Ratlosigkeit auftauchen, oder wann man sich auch einfach mal entschuldigt. Ich will damit nicht sagen, dass Frauen schlechte Pädagogen sind. Aber Jungs brauchen andere Modelle. Selbst wenn eine Frau pädagogisch gesehen alles perfekt macht, wird ein Junge sich damit eben niemals richtig identifizieren können. Er wird immer lernen, dass es Frauen so machen, Männer aber nicht, und im schlimmsten Fall sogar denken, Frauen machen alles besser als Männer.

Was würde sich denn verändern, wenn mehr Männer in pädagogischen Frauenberufen arbeiten?

Süfke: Es geht darum, dass sich das Männerbild dringend verändern muss. Zwar gibt es heutzutage immer wieder Stimmen, die sagen, es wäre alles gar nicht mehr so dramatisch, aber tatsächlich ist das männliche Rollenverständnis immer noch das des Ernährers, des Starken, und dessen, der alles hinbekommt. Das setzt sie unter enormen Druck, und unter ein enormes Leistungsthema. Und das tritt in allen Bereichen auf, nicht nur beruflich. Sie meinen sie müssen perfekte Partner, Väter und Liebhaber sein. Nicht selten reicht da ein einziges Scheitern aus, um das eigene Selbstbild zu zerstören.

Und was kann dagegen unternommen werden?

Süfke: Das ist jetzt ein großes Wort, aber ich plädiere für eine männliche Kultur des Scheiterns. Und mit Kultur meine ich, dass es gelingen muss ein Männlichkeitsbild in die Gesellschaft zu integrieren, in dem Versagen in Ordnung ist. Und das geht eben nur, wenn Jungs von anderen Männern auch lernen können, wie man als Mann mit Misserfolgen umgeht, mit schwierigen Situationen und eben mit Gefühlen.

Und dafür braucht es mehr Männer in Frauenberufen, der Kreis schließt sich also.

Süfke: Genau. Das Elterngeld war so ein Schritt in die richtige Richtung. Aber so wie die Dinge im Moment sind, werden wir sicher noch einige Generationen damit zu kämpfen haben, dass sich Männer nicht richtig ausdrücken können, weil sie nicht gelernt haben sich über ihre Gefühle bewusst zu werden. Erst wenn sie, sozusagen eine Lizenz zum Scheitern erhalten, wird sich gesellschaftlich für Männer etwas ändern. Und in der Folge auch beispielsweise die Kommunikation in Liebesbeziehungen einfacher werden. Meiner Erfahrung nach ist es nämlich so, dass die Männer, die die Hürde genommen haben, und ihre Gefühle besser einsortieren können, auch sehr gesprächsbereit gegenüber ihren Partnerinnen sind. 

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

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