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Urlaub zu Ende – Beziehung hin?
Warum nach den Sommerferien die Scheidungssaison beginnt

Trennung nach dem Urlaub - Gründe für Beziehungsstress
Die meisten Beziehungen scheitern nach den Sommerferien oder zum Frühlingsanfang. FOTO: Shutterstock/altafulla
Düsseldorf. Ferienzeit – Zeit für Erlebnisse und gemeinsame Stunden mit dem Partner. Das hört sich entspannt an. Ist es aber nicht immer. Denn nach den freien Tagen startet die Scheidungssaison. Wissenschaftler kennen den Grund dafür.  Von Tanja Walter

Sonne, Strand und Streit: gemeinsamer Urlaub ist nicht immer Erholung, sondern für viele Paare ein ernster Prüfstein in ihrer Beziehung. Das fanden Julie Brines und Brian Serafini, Soziologen der University of Washington heraus. Sie untersuchten die Washingtoner Scheidungszahlen aus 14 Jahren und kamen zu dem ernüchternden Ergebnis: Es gibt eine Zeit für alles – auch für Trennungen.

Hinter den unzähligen Daten entdeckten sie einen immer wiederkehrenden Zyklus. Stets im Anschluss an den Winter sowie die Sommerferien folgten Trennungswellen. Im März und im August reichten der Statistik nach die meisten Menschen ihre Scheidung ein. Und das unabhängig von weiteren Faktoren wie steigende Arbeitslosigkeit oder sinkenden Hauspreisen.

Damit bestätigen die amerikanischen Forscher ein Phänomen, das sich auch in Beziehungen hierzulande zeigt. Ein Drittel aller unglücklichen Paare trennt sich nach den Sommerferien, ein Drittel in der Zeit nach dem Jahreswechsel bis zu den Osterferien und das letzte Drittel verteilt sich auf das Jahr. Das Verrückte: ausgerechnet die Ferien - also die entspannteste Zeit im Jahr, in der man viel Zeit füreinander hat - sorgen im Nachgang für höhere Scheidungsquoten. Ebenso seltsam ist die Tatsache, dass ausgerechnet der Start ins Frühjahr oft das Aus für wackelige Beziehungen mit sich bringen soll.

Gründe für das Beziehungsende

Die Erklärung, die die Soziologen dazu liefern: Unglückliche Paare neigen dazu, die Ferien oder auch Feiertage als Zeit zu sehen, in der sie ihre Beziehung reparieren und neu beginnen können. In der Regel geht das allerdings daneben. "Menschen neigen dazu, die Feiertage trotz der Enttäuschungen vergangener Jahre mit steigenden Erwartungen zu überladen", sagt Brines. Dabei übersehen sie, dass solche Zeiten besonders emotional und anstrengend für sie als Paar sein können.

Durch die aufgeladene, miese Stimmung steigt der innere Druck wie in einem Dampfkessel an und entlädt sich dann explosionsartig nach der unerholsamen gemeinsamen Zeit: die Scheidung wird eingereicht. Auch hier nach einem Zyklusprinzip: zwischen Ferien und Schulstart der Kinder.

Die unbewusste Neigung, im März den Schlussstrich zu ziehen, erklären die Forscher mit der Gesamtumstellung auf längere Tage und den Frühlingsbeginn. Das hebe die Aktivität und bringe Menschen eher in eine Stimmung, zu handeln.

Die 5:1-Regel

Das Beziehungsende ist dann wie die Quittung einer langen Rechnung. Der amerikanische Beziehungsforscher und Psychologe John Gottham hat das in ein mathematisches Prinzip gefasst: Wer stets darauf achtet, dass Liebe und Streit in einem Verhältnis von fünf zu eins miteinander stehen, der führt seiner These nach eine gute Beziehung. Wer also einmal einen Motzflash bekommt, kann das durch fünf nette Aufmerksamkeiten oder Gesten wieder wettmachen. Geschieht das nicht, sammeln sich mit der Zeit immer mehr Minuspunkte in der Partnerschaft an. So lange, bis die Beziehung in vollkommene Schieflage geraten ist und das Ende droht.

Tipps gegen Beziehungsstress

Wer den Beziehungstod vermeiden will, der sollte nach Rat von Paartherapeutin Ilka Vasteling aus der Psychotherapieambulanz Braunschweig ein paar Tipps beherzigen:

  1. Dem anderen aktiv zuhören und ihm durch etwaige Rückfragen zeigen, dass man interessiert ist an dem, was er zu sagen hat.
  2. Auf den anderen eingehen und auf verständnislose Maßregelungen wie "das konnte ich mir schon denken" oder "ständig vergisst du was" verzichten.
  3. Machen Sie aus einer Kleinigkeit keinen Elefanten und holen Sie nicht gleich zum Rundumschlag aus.
  4. Formulieren Sie klar Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse und signalisieren Sie, was Sie möchten. Erwarten Sie nicht, dass der Partner zum Gedankenleser mutiert.

Wenn Sie mehr Tipps gegen Beziehungsstress suchen, lesen Sie hier weiter.

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