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Oberhausen
"Phantom der Oper" spukt in Oberhausen

"Phantom der Oper" spukt in Oberhausen
FOTO: SE
Oberhausen. Die Neuinszenierung des 25 Jahre alten Musicals setzt auf Schauwerte und erstklassige Stimmen. Von Marion Meyer

Plötzlich Primadonna. Christine kann ihr Glück nicht fassen. Von der Balletttänzerin steigt sie auf zum Star der Pariser Oper. Zu verdanken hat sie das dem mysteriösen Phantom, das hinter den Kulissen sein Unwesen treibt, damit die von ihm Geliebte endlich Anerkennung bekommt. Dafür verbreitet es Angst und Schrecken im Ensemble, schleudert Feuerblitze oder lässt auch mal einen Kronleuchter wirkungsvoll auf die Bühne krachen. Die Liebesgeschichte vor schaurig-schöner Kulisse ist nun wieder in Nordrhein-Westfalen zu sehen: "Das Phantom der Oper" feierte am Donnerstag seine Premiere im Metronom Theater Oberhausen. Zugleich ist dies auch ein doppeltes Jubiläum: 25 Jahre "Phantom der Oper" in Deutschland und zehn Jahre Metronom Theater.

2005 übernahm Stage Entertainment das Theater am Centro Oberhausen und hat seitdem dort acht Musicals und Shows herausgebracht. Nun also darf der maskierte Mann wieder sein Unwesen treiben - bis August 2016. 140 Millionen Menschen haben das Musical bereits weltweit gesehen, das Andrew Lloyd Webber 1984 nach dem Roman von Gaston Leroux schuf. Er schrieb auch die sehr opernhafte Musik; nur das Hauptthema des Phantoms kommt etwas rockiger daher.

Die Partitur verlangt einiges von den Darstellern. Eigentlich müssen sie permanent singen. Gesprochene Passagen bleiben die Ausnahme. Alles wirkt gleichermaßen pompös und mit dickem Pathos überzogen. Zwischentöne sind eher selten. Das ist schade. Zumal ein Wechsel der Tonlagen deutlicher den Unterschied zwischen dem, was auf der Bühne der Pariser Oper stattfindet, und dem Geschehen hinter den Kulissen vorführen würde. Das 20-köpfige Ensemble überzeugt durch herausragende Stimmen, allen voran David Arnsperger als Phantom. Elizabeth Welch als Christine schwächelt dagegen etwas, vor allem in den zarteren Gesangspassagen. Begleitet werden sie von einem glänzenden, voller Energie aufspielenden Orchester.

Die knapp zweieinhalbstündige Show setzt auf Schauwerte. Auf der kleinen Bühne zaubern die Musicalmacher den Prunk des Theaters des 19. Jahrhunderts samt goldenem Barockrahmen und glitzernden Kostümen. Mit relativ einfachen Mitteln und bemalten Prospekten schaffen sie schnelle Szenenwechsel. Der Abstieg in die Katakomben der Oper, wohin das Phantom Christine entführt und über einen von Kerzen beleuchteten See rudert, markiert den Höhepunkt des Spektakels. Dagegen verpufft der Maskenball mit großer Showtreppe, geht unter im Goldglitzer.

Vor allem der leidenschaftlichen Darstellung des Phantoms ist es zu verdanken, dass sich am Ende doch ein Mitgefühl einstellt für die unglücklich liebende Kreatur. Ansonsten regiert die etwas kalte Präzision einer Show, die schon 25 Jahre auf dem Buckel und im Räderwerk des Showbusiness ein wenig ihr Herz verloren hat.

Info Tickets unter Tel. 0211 27 40 00 und www.westticket.de

Quelle: RP
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