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Fehlende Rauchmelder in Bochumer Uniklinik
Feuerwehrverband kritisiert geltende Brandschutzregeln

Großbrand in Bochumer Uniklinik
Großbrand in Bochumer Uniklinik FOTO: ANC-NEWS
Bochum . Zwei Todesopfer forderte der Brand im Bochumer Klinikum Bergmannsheil. Jetzt stellt sich heraus: Im betroffenen Gebäude gab es nicht überall Rauchmelder. Die Klinik beruft sich auf geltende Brandschutzbestimmungen - doch sind diese zeitgemäß? Von Marcel Romahn und Thomas Reisener

Nach dem verheerenden Feuer im Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil mehren sich kritische Stimmen an den geltenden Brandschutzregeln. Hintergrund ist die Tatsache, dass es lediglich auf den Fluren des Krankenhauses Rauchmelder gab - darüber hatte zuerst das Online-Portal "Der Westen" berichtet. Ein Sprecher des Klinikums bestätigte unserer Redaktion, dass in den Patientenzimmern des betroffenen Hauses 1 keine Rauchmelder installiert waren. Genau dort hatte sich eine 69 Jahre alte Patientin mit einem Desinfektionsmittel übergossen und angezündet.

Lediglich auf den Stationsfluren des Hauses seien Rauchmelder vorhanden gewesen, sagte der Kliniksprecher. "Unsere technische Ausstattung zur Brandsicherung, ebenso wie unsere Brandschutzkonzepte und Evakuierungspläne werden regelmäßig von zuständigen Behörden und externen Sachverständigen geprüft." Sämtliche Auflagen seien im Klinikum Bergmannsheil damit erfüllt.

Kritik an den geltenden Sicherheitsbestimmungen gibt es jetzt aus der Politik. "Falls die Krankenzimmer im Bergmannsheil-Krankenhaus nicht mit Rauchmeldern ausgestattet waren, wäre das der Beleg für eine erschreckende Fahrlässigkeit", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Gregor Golland. "Entweder der Landesgesetzgeber hat die Auflagen nicht klar genug formuliert oder er hat die Einhaltung nicht gut genug kontrolliert. Das ist vor allem vor dem Hintergrund unverständlich, dass die Rauchmelder-Auflagen für Wohngebäude soeben erst verschärft worden sind."

Gewaltige Herausforderung für die Feuerwehr

Der Brand, der am 30. September große Teile des Krankenhauses zerstörte, war für die Feuerwehr eine gewaltige Herausforderung. Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Flammen vom Brandherd im sechsten Stock auch das direkt darüber liegende Dach erreicht hatten. Der gesamte obere Teil der achtstöckigen Klinik war bereits nach wenigen Minuten in Flammen und dichte Rauchschwaden gehüllt. Sechs Minuten dauerte es, bis die Feuerwehr am Ort der Katastrophe eintraf.

Bereits kurze Zeit nach dem Unglück mehrten sich die Diskussionen darüber, ob der Brand hätte verhindert werden können, und ob die Einsatzkräfte schnell genug am Ort des Geschehens waren.

Sicherheitsvorkehrungen veraltet

Auch Experten halten die geltenden Auflagen für den Brandschutz für nicht mehr zeitgemäß. "Nach heutigen Maßstäben sind diese Richtlinien veraltet", sagt Thomas Deckers, Sprecher des Verbandes der Feuerwehren in NRW. "Je früher ein Brand von einem Warnsystem erkannt wird, umso mehr Zeit haben die Bewohner, um sich in Sicherheit zu bringen." Auch die Feuerwehr könne im Einsatz durch eine frühe Warnung wichtige Minuten gewinnen.

Eine verzögerter Alarm – etwa bei einem Brand, der sich bereits bis auf den Flur ausgebreitet hat – könne jedoch fatale Folgen haben. "Daher sollte langfristig sichergestellt sein, dass die Krankenhäuser einen flächendeckenden Schutz nachrüsten." Heißt: Rauchmelder in allen Patientenzimmern – so wie es auch für Schlafzimmer in Privatwohnungen in NRW ab 2017 Pflicht ist.

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