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Bochum
"Faulheit siegt": Lieferservice bringt Fast Food

Bochum: Lieferservice bringt Fastfood
FOTO: dpa, rwe fdt
Bochum. Gerade, als es mit dem Fast Food von McDonald's, Burger King und anderen Anbietern bergab zu gehen scheint, starten zwei Unternehmer aus Bochum den ersten Lieferservice für das schnelle Fritteusen-Essen. Die Unternehmen schauen zunächst noch zu.

Wulf Zechner ist ein gemütlicher Typ - aber jetzt muss es schnell gehen. Der 56-Jährige mit Bauch und Brille steht am Tresen einer Bochumer McDonald's-Filiale. "Du schon wieder", begrüßt ihn der Schichtleiter. Zechner ist Stammgast, obwohl er nie hier isst. Zechner packt die heiße Ware in seine Box und läuft schnell zum Wagen. Big Mac, Whopper oder Pommes - alles muss zum Kunden. Und zwar schnell.

Beim Fast Food, das sagt schon der Name, zählt Geschwindigkeit. Wenige Minuten des Verzagens nur machen aus dem frischen Burger einen pappigen Klumpen. Das wissen auch die US-amerikanischen Burger-Bratereien - und haben bisher auf einen eigenen Lieferservice in Deutschland verzichtet.

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Zwei Bochumer haben es dennoch versucht - und sind in ihrer Stadt seit gut einem Jahr mit dem Burger-Express unterwegs. Wulf Zechner und Sabine Kordelas (53) liefern die heiße Ware von McDonald's, Burger King und Kentucky Fried Chicken (KFC) auf Bestellung bis vor die Haustür.

Die Erlaubnis der Fast-Food-Ketten haben Zechner und Kordelas nicht. Ihre Arbeit wird eher geduldet, als gefördert. Die KFC-Speisekarte darf auch nicht auf die Homepage des Burger Express'.

Die größten Diät-Sünden FOTO: MCDONALDS CORP., AP

Von der Ladentheke an ist ohnehin das Burger-Duo Zechner/Kordelas für die Qualität der Ware verantwortlich. Deshalb Zechners Eile. Acht Minuten soll es maximal von der Filiale bis zum Kunden dauern, sonst werden die Burger pappig - und davor haben selbst die Global Player Angst.

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Insbesondere in dünn besiedelten Gebieten mit langen Anfahrtswegen sei es eine große Herausforderung, die Produkte "genauso frisch und lecker" zu liefern wie im Restaurant, teilt McDonald's auf Anfrage mit. Ein Franchise-Nehmer in Osnabrück teste derzeit allerdings einen Lieferdienst. "Aktuell planen wir jedoch keine bundesweite Einführung."

Einen anderen Weg geht die Konkurrenz von Burger King. Mitte Februar ist das Unternehmen in acht deutschen Städten mit einem Lieferservice an den Start gegangen. Allerdings erst, "als wir sicherstellen konnten, dass unsere hohen qualitativen Standards eingehalten werden können".

Aber ergibt das überhaupt einen Sinn? Burger ausliefern in einer Zeit, in der das Bewusstsein für gesundes Essen, für die eigene Gesundheit, für die Umwelt größer wird? Und in der Branchenprimus McDonald's zuletzt durch sinkenden Umsatz auf sich aufmerksam gemacht hat?

Egal, sagt Zechner. Und Kordelas fügt hinzu: "Die Leute werden immer Fast Food essen." Bis zu zwei Stunden müssten die Kunden mitunter auf ihr Essen warten. Doch die nehmen's gelassen - und akzeptieren zum Teil auch weitere Anfahrtswege.

Insbesondere Firmen, Studentengruppen und die Frauen aus dem Rotlicht-Milieu würden häufig bestellen, sagt der gelernte Kaufmann Zechner. Sechs Euro kostet eine Lieferung - vor allem bei einer Gruppenbestellung ein annehmbarer Kurs.

Burger King nutzt ein anderes System, verlangt keine Gebühr für die Anfahrt, sondern hat "eine geringfügige Anpassung der Preise" vorgenommen. Bei den großen Burgern entspricht diese Anpassung einem Aufschlag von rund einem Euro. "Der Wunsch nach einem Lieferservice bei unseren Gästen ist riesig", ließ Burger King zum Start des Angebots auch gleich wissen. Kaum zu glauben.

Doch auch Zechner weiß: "Die Faulheit siegt." Und mit ihr vielleicht ja auch der Burger-Express. Zwei, drei Kunden gibt es gar, die täglich bestellen. Ein anderer Kunde müsste nur 400 Meter gehen und lässt doch liefern. Auch das 19-jährige Paar mit Neugeborenem, in deren Wohnungsflur Zechner gerade Big Macs, Pommes und Milchshakes auspackt, gehört zur Stammkundschaft. Früher habe er oft gedacht, es müsste doch einen McDonald's-Lieferdienst geben, sagt der junge Mann. Jetzt nutzt er den Burger-Express mit seiner Freundin mindestens einmal im Monat.

Reich macht das Geschäftsmodell aber nicht, Kordelas arbeitet deshalb noch als Seniorenbetreuerin. Einen Mitarbeiter hat der Burger-Express aber immerhin schon, außerdem wollen Kordelas und Zechner nach Gelsenkirchen expandieren. Zechners Ziel: Die Bestellungen irgendwann nur noch in einem Büro annehmen und delegieren.

 

(lnw)
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