| 16.37 Uhr

Münster
Mutter gesteht: Kinder mit Gas aus Holzkohlegrill getötet

Mutter gesteht Kindermord: Kinder mit Gas aus Holzkohlegrill getötet
"Ich weiß, dass ich Entsetzliches angerichtet habe", ließ die Angeklagte mitteilen. FOTO: dpa, bt jhe
Münster. Eine Frau hat am Donnerstagmorgen vor dem Landgericht Münster gestanden, ihre drei Kinder mit giftigen Gasen aus zwei Holzkohlegrills getötet zu haben. Die 41-Jährige überlebte damals schwer verletzt. 

"Ich weiß, dass ich Entsetzliches angerichtet habe. Ich dachte, es ist das Beste für mich und meine Kinder, wenn wir gemeinsam aus dem Leben scheiden", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung der 41-Jährigen, die ihr Verteidiger beim Prozessauftakt vorlas. Die Frau ist wegen dreifachen Mordes angeklagt.

Vor dem Landgericht Münster muss sie sich seit Donnerstag wegen heimtückischen Mordes an ihren drei Kindern verantworten. Die heute 41-Jährige soll laut Anklage die Kinder im Alter von drei, vier und elf Jahren im Mai 2014 bei dem Versuch umgebracht haben, sich selbst zu töten.

Anderthalb Jahre ist es inzwischen her, dass die Frau in ihrem Schlafzimmer im münsterländischen Steinfurt zwei glühende Holzkohlegrills aufstellte. Das Fenster dichtete sie mit einer Decke ab, das Schlüsselloch überklebte sie mit Tesafilm. "Ich wollte, dass alles ganz dicht ist", sagt die Frau den Richtern.

In der Nacht auf den 5. Mai 2014 kuschelte die Mutter sich mit ihren drei Kindern im Alter von drei bis elf Jahren ins Ehebett und schloss die Augen. Ein Kind lag links von ihr, eins rechts, das kleinste auf ihrem Bauch. Auch sie wollte in jener Nacht sterben, hat aber als einzige überlebt.

Ihr Körper ist noch immer vom Gift gezeichnet. Monatelang war unklar, ob es überhaupt jemals einen Prozess geben wird. Als die 41-Jährige am Morgen in den Gerichtssaal geführt wird, muss sie sich auf einen Rollator stützen. "Ich kann meine Muskeln noch nicht wieder strecken", sagt sie den Richtern. Auch mit der Konzentration sei es noch schwierig.

Auslöser der Tat war offenbar eine Mischung aus völliger Verzweiflung und Depressionen. Der Ehemann war im Gefängnis, das Geld knapp. "Sie war in einem Tunnel und kam da nicht mehr raus", sagt ihr Mann am Donnerstag als Zeuge vor Gericht. Der 39-Jährige hat ihr verziehen, wie er sagt. "Meine Frau hat die Kinder mehr geliebt als jeder andere."

In einer schriftlichen Erklärung, die der Anwalt der Frau verliest, heißt es: "Ich dachte, es ist das beste für mich und meine Kinder, wenn wir gemeinsam aus dem Leben scheiden." Und: "Ich weiß, dass ich etwas Entsetzliches getan habe, aber das habe ich damals nicht so empfunden." Heute könne sie ihr Handeln nicht mehr verstehen. Doch jetzt ist sie wegen Mordes angeklagt.

Es gab wohl Hinweise auf Probleme: Nur wenige Wochen vor der Tat hatte die Angeklagte ihrem inhaftierten Ehemann gesagt, dass sie sterben und die Kinder mitnehmen wolle. Daraufhin gab es Gespräche und Hausbesuche von Sozialarbeitern. Doch die gaben erst einmal Entwarnung. "Haben sie die Mitarbeiter des Jugendamtes belogen?", wollen die Richter am Donnerstag wissen. Die Antwort der Frau ist kurz: "Ja."

Der Bruder der 41-Jährigen hatte seine Schwester und deren drei Kinder nach der Tat in der Wohnung der Familie in Steinfurt-Borghorst aufgefunden. Das Kohlenmonoxid stammte von zwei Holzkohlegrills. Während für das dreijährige Mädchen und die beiden vier und elf Jahre alten Jungen jede Hilfe zu spät kam, konnte die Mutter reanimiert werden.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Mutter einen Abschiedsbrief hinterlassen. Zudem hatte sie im Flur auf einem Zettel vor Kohlenmonoxid gewarnt.  

 Für den Prozess beraumte die Strafkammer insgesamt vier Verhandlungstage bis zum 19. November an.

(skr/ pst/AFP/dpa)
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.