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Doppelmord-Prozess
Marcel H. nannte Kindsmord in Sprachnachricht "easy"

Mutmaßlicher Kindermörder Marcel H. vor Gericht
Mutmaßlicher Kindermörder Marcel H. vor Gericht FOTO: dpa, htf
Im Prozess gegen Marcel H. aus Herne sind am Donnerstag vier Sprachnachrichten abgespielt worden. Sie zeugen von der unfassbaren Kaltblütigkeit des Angeklagten unmittelbar nach seiner ersten Bluttat. Von Franziska Hein, Bochum

Marcel H. brauchte 13 Sekunden, um den Mord an seinem neunjährigen Nachbarsjungen in seinen eigenen Worten zu beschreiben. Am Donnerstag hören die Zuschauer zum ersten Mal die Stimme des Angeklagten im Saal des Bochumer Landgerichts. Allerdings nur auf einer Audioaufnahme vom 6. März 2017. H. hat sie eine halbe Stunde nach dem Mord an Jaden an einen Bekannten geschickt. Vier Sprachnachrichten spielt der Richter ab.

Die erste Nachricht dauert zwei Sekunden. H. fragt seinen Bekannten, wie es ihm gehe. In der nächsten Nachricht erklärt er, dass er nun die Sim-Karte seines Handys loswerden wolle. In der darauffolgenden Nachricht spricht er im Plauderton davon, dass er seinen Nachbarsjungen "rübergelockt" habe und wie er ihn erstochen habe. In der letzten Nachricht, die 15 Sekunden dauert, erzählt er, dass er eine ganze Flasche Wein getrunken habe. Als letztes sagt er: "Mal gucken, wann der Nachbar merkt, was passiert ist". Er meint damit den Vater des kleinen Jaden.

Keine Reue bei Marcel H.

H.s Stimme ist klar, er spricht gefasst. Keine Reue, nicht einmal Aufregung oder Verwirrung über seine Tat sind ihm anzumerken. Er lacht sogar an einer Stelle, als er über den Mord spricht, bezeichnet die Tat als "easy".

Zu den Sprachnachrichten schickte H. Fotos vom Tatort an seinen Bekannten. Als der Vorsitzende Richter Stefan Curlemann mit den Schöffen die Bilder in Augenschein nimmt, muss sich eine Schöffin kurz abwenden. Sie hält sich die Hand vor den Mund.

Sichergestellt wurde der Chatverlauf auf dem Handy des Bekannten. Am Donnerstag sagt vor Gericht ein Ermittlungsbeamter der Mordkommission aus, der das Handy ausgewertet hat.

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Auf dem Handy des Bekannten finden sich auch Nachrichten, die H. wenige Tage vor den beiden Morden an Jaden und dem 22-jährigen Christopher W. verschickt hat. Darin beschreibt H. Gewaltfantasien und Mordgedanken. Man habe diese Nachrichten als "allgemeine Spinnerei" abtun können, sagt der Beamte. Aber am 6. März wurden diese Pläne grausame Realität. 

Hier lesen Sie ein Porträt des Angeklagten.