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Neu In Der Stadtbibliothek
Buchheim: Sammler und Exzentriker

Dinslaken. Anlässlich des 100. Geburtstag des bekannten Kunstsammlers, Bestseller-Autors ("Das Boot", 1973) und Malers Lothar-Günter Buchheim am 6. Februar 2018 erschien ein biographisches Porträt, das mit einem freundlichen Geburtstagsgruß allerdings wenig gemeinsam hatte: "Buchheim. Künstler, Sammler, Despot - Das Leben meines Vaters". Geschrieben hat es Yves Buchheim, der Sohn Lothar Buchheims, der seinem Vater eine lieblose Kindheit und schwer belastete Jugendjahre verdankt.

Erstaunlicher Weise ist es Yves Buchheim trotz vieler Verletzungen durch seinen egomanen Vater gelungen, ein zwar tief ambivalentes, insgesamt aber doch ausgewogen wirkendes Bild seines Vaters zu zeichnen.

So ist Yves Buchheim einerseits voller Bewunderung für den "unglaublichen Kunstverstand" seines Vaters, für seine Schaffenswut und seine Begeisterungsfähigkeit, aber andererseits auch voller Abscheu für den nur um sich selbst kreisenden Despoten, den gefürchteten Choleriker, legendären Geizhals und skrupellosen Betrüger. Buchheim galt, so erfahren wir hier, schon in seinen frühen Jahren als Wunderkind, und war als junger Marine-Leutnant im "Dritten Reich" - als Kriegsberichterstatter und als Künstler - ein Mitläufer und Profiteur des NS-Staates. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, sich nach 1945 als Nazi-Gegner neu zu erfinden. Als Kunstsammler hatte er in der Nachkriegszeit keinerlei moralische Bedenken, um möglichst billig an neue Bilder seiner geliebten Expressionisten zu kommen, zum Beispiel, indem er in der DDR illegal Bilder aus Privatbesitz erwarb, sie aus dem Rahmen schnitt und dann auf abenteuerliche Weise in den Westen schmuggelte.

Man erfährt auch sonst viel Neues in diesem lebendig erzählten Lebensbild, so über einen (bislang unbekannten) Gefängnis-Aufenthalt, über Buchheims Verleger-Tätigkeit, seine Sammelwut, seine beachtliche kriminelle Energie beim Geldverdienen und bei der Steuervermeidung und schließlich über die lange Suche nach einem Museum für seine Kunstsammlung. Die gründlich recherchierte und dank des Mit-Autors und SZ-Redakteurs Franz Kotteder anschaulich und oft regelrecht spannend erzählte Biographie hat zu Recht ein breites und lebhaftes Medienecho gefunden und kann auch als unterhaltsames Zeitpanorama mit Gewinn gelesen werden.

RONALD SCHNEIDER

Yves Buchheim/Franz Kotteder: Buchheim. Künstler, Sammler, Despot - Das Leben meines Vaters; Heyne Verlag: 2017.

Quelle: RP
 
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