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Superintendent Friedhelm Waldhausen Und Pfarrer Wilfried Faber-Dietze
Christen im Dialog mit Muslimen

Dinslaken. Warum es für die Evangelische Kirche im Kirchenkreis Dinslaken so wichtig ist, im Gespräch zu bleiben.

Herr Waldhausen, unlängst hat die AfD kurzerhand den Islam den Islamisten gleichgesetzt und behauptet, der Islam stelle eine "politische Ideologie" dar, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei. Was sagen Sie dazu?

Waldhausen Manfred Rekowski, Präses unserer Rheinischen Landeskirche, hat dem in einer Pressemitteilung deutlich widersprochen. Er sagt: "Wir werden jedem Angriff auf die Religionsfreiheit entschieden entgegentreten - egal, welche Religion es trifft... Denn wer mit unhaltbaren Wertungen Stimmung macht, wie es jetzt die AfD getan hat, beeinträchtigt nicht nur das Recht auf freie Religionsausübung, sondern schadet auch der Gesellschaft." Dem kann ich mich nur anschließen. Solche Attacken gegen den Islam sind auch Attacken gegen andere Religionen, gegen Katholiken und Protestanten.

Was tut die Evangelische Kirche - auch hier im Kirchenkreis Dinslaken - angesichts der gegenwärtigen Kontroverse zwischen der islamfeindlichen Rechten und den Vertreter einer Willkommenskultur für Flüchtlinge?

Waldhausen Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) hat die Arbeitshilfe "Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen" für die Kirchengemeinden erstellt und ihnen damit eine Grundlage an die Hand gegeben, mit der sie sich selbst mit dem Thema auseinander setzen und sich positionieren können. In unserem Kirchenkreis können sich die Leitungsgremien bei diesem Klärungsprozess Unterstützung durch Pfarrer Wilfried Faber-Dietze, den Synodalbeauftragten für den islamisch-christlichen Dialog, holen. Er führt in die Arbeitshilfe ein und begleitet die Diskussion. Er hat sich bereit erklärt, auf Anfrage in die Presbyterien zu gehen. Ich halte eine solche Klärung der eigenen Position und eine Vergewisserung der Werte und Zeugnisse unseres christlichen Glaubens für wichtig. Das gibt Sicherheit im Dialog. Und wer sich seiner Position sicher ist, kann auch gelassener mit anderen Positionen und Kulturen umgehen. Paradoxerweise ist die Angst vor dem Verlust christlicher Werte ja gerade in den kirchenfernen Teilen der Gesellschaft, die wenig wissen und wenig wissen wollen von christlicher Kirche und ihren Werten, am größten. Praktizierende Christen pflegen und suchen eher den Dialog mit den Muslimen. Das ist meine Erfahrung hier im Kirchenkreis.

Herr Faber-Dietze, was steht in der gerade angesprochenen Arbeitshilfe?

Faber-Dietze Die Arbeitshilfe betont den gemeinsamen Ursprung von Judentum, Christentum und Islam. Sie sind alle drei abrahamitische Religionen. Es geht dem Papier also gegenüber den Muslimen nicht um aktive Mission im früheren Verständnis. Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam auf dem Weg zu sein. Die Arbeitshilfe steht für den "Dialog des Lebens". Es geht zunächst um eine Bestandsaufnahme der Gemeinden: Wo begegnen wir Muslimen? Sind diese Kontakte geplant, koordiniert, gewollt? Wo wollen wir den Kontakt oder die Zusammenarbeit suchen: Durch eine Öffnung unserer Friedhöfe für Muslime, bei den Mitarbeitenden der Gemeinde? In konkreten Begegnungen geht es dann darum, die eigenen Werte zu vertreten. Wir haben ja in puncto Kindererziehung oder Gleichberechtigung von Mann und Frau ganz andere Werte als muslimische Länder. Die gilt es auch zu verteidigen.

Wie geht es nach der Auseinandersetzung der Gemeinden mit der Arbeitshilfe weiter?

Waldhausen Die Beschäftigung in den Gemeinden stößt an der Basis einen synodalen Prozess zum Thema Dialog mit Muslimen an, der letztlich in einer Positionierung der Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland münden wird. Die EKiR erfragt von allen Kirchenkreisen bis 2017 eine Stellungnahme. In Vorbereitung auf diese Positionierung wird sich die Kreissynode am 18. Juni 2016 von 9 bis 16 Uhr mit dem Thema auseinandersetzen. An diesem Tag wird Rafael Nikodemus, der zuständige Landeskirchenrat für Migration und Flucht bei der EKiR, im Eröffnungsgottesdienst die biblischen Aussagen zum Thema Flucht und Migration beleuchten und verdeutlichen, dass es ein urchristliches Thema ist. Im Anschluss wird der frühere Flüchtlingspfarrer Gerhard Greiner zu rechtlichen Fragen beim Thema Flucht Stellung nehmen. Pfarrerin Martje Mechels wird das Thema einordnen in die Zusammenhänge von Konsum und Ausbeutung.

Wie sieht in den Gemeinden das Miteinander mit den Muslimen aus?

Waldhausen Wir haben ja in unseren Gemeinden auf vielen Ebenen Kontakte zu Muslimen: in den Kindergärten, den Jugendhäusern, der Hausaufgabenhilfe. Muslime gehören heute zu unserer Gesellschaft. Und als die Kommunen im vergangenen Jahr mit Hochdruck Unterkünfte für Flüchtlinge suchten, haben sich in allen Gemeinden ehrenamtliche Unterstützungsgruppen engagiert, Menschen haben Flüchtlinge in ihre Wohnungen aufgenommen, Pfarrhäuser wurden bereit gestellt für die Schutzsuchenden. Wir waren froh, als wir das Psychosoziale Zentrum Niederrhein am Dinslakener Bahnhof eröffnen konnten. Dort können schutzbedürftige, traumatisierte Flüchtlinge beraten und behandelt werden. Das Zentrum erfährt so viel Zulauf, dass schon eine Stundenaufstockung für die beiden Fachkräfte geplant ist.

Faber-Dietze Eine gute praktische Zusammenarbeit gibt es in Dinsklaken schon viele Jahre. Mit dem Integrationsbeauftragten Burhan Cetinkaya und den Moscheevereinen hat es viele Veranstaltungen zum Thema gegeben, etwa das Interreligiöse Fest im September oder die Podiumsdiskussion zum Salafismus. Am 15. November wird die Theatergruppe Berliner Kompagnie im Dachstudio "Anders als du glaubst" aufführen. Ein Stück über Juden, Christen, Muslime und den Riss durch die Welt. Es wird eine Aufführung am Morgen für gymnasiale Oberstufen geben und eine öffentliche am Abend.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE DIE ÖFFENTLICHKEITSBEAUFTRAGTE DES EVANGELISCHEN KIRCHENKREISES, RUTH LEVIN.

Quelle: RP
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