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Voerde
Mit der Kamera zu verlassenen Orten

Voerde. Das Team der Gruppe areaURBEX erkundet "lost places" - verlassene und von Menschen vergessene Orte. Die Fotos, die dabei entstehen, sind zeitgleich Dokumentationen des Verfalls und kleine Kunstwerke. Von Florian Langhoff

Der Reiz von "lost places" war für Helge Preuschoff schon als Kind vorhanden. Damals waren die von Menschen verlassenen Orte für ihn und seine Freunde ein beliebter Abenteuerspielplatz. "Da ging es eher um den Effekt der Spannung, Spukgeschichten und den Reiz des Verbotenen", erklärt das Mitglied der Fotogruppe areaURBEX. "Urbex" ist dabei die Kurzform von "urban exploration" oder "Stadterkundung" zu Deutsch. Dabei geht es abseits der touristischen Pfade auf eigene Entdeckungstour, meist hin zu den bereits erwähnten verlorenen Plätzen.

Es sind Orte, die manchmal aus dem Gedächtnis der Menschen in der Umgebung verschwunden sind oder einfach ignoriert werden. Aufgegebene Fabriken oder öffentliche Gebäude, leerstehende Industriehallen oder Wohnungen. "Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Natur solche Plätze zurückerobert", sagt Helge Preuschoff. Da wachsen Pflanzen aus den Fließenfugen eines alten Schwimmbades, und Efeu rankt sich um Stahlträger verlassener Industrieanlagen. "Man kann an solchen Orten Bilder machen, die man normalerweise nicht machen kann", erklärt Helge Preuschoff die Faszination der besonderen Plätze.

Eine eigene Ausstellung mit ihren Aufnahmen präsentierte die Gruppe auf dem Dinslakener Fototag. Gruppengründer Richie Schwarz hielt einen Vortrag über die "lost places". Wo man diese finden kann, verraten die Gruppenmitglieder Außenstehenden aber nicht unbedingt. "Man ist damit immer vorsichtig. Wir geben keine Adressen an Menschen heraus, die wir nicht kennen", sagt Helge Preuschoff. Die Erklärung dafür ist sehr einfach: Die Gruppenmitglieder wollen nicht, dass es an den entsprechenden Orten zu Vandalismus oder Diebstählen kommt. Einige der verlassenen Orte wurden nämlich nicht leergeräumt, sondern sehen so aus, als wären ihre Bewohner vor Jahrzehnten einfach aufgestanden und verschwunden. Untereinander tauschen sie natürlich Tipps aus und es ist oft auch nicht schwer, entsprechende Plätze zu entdecken. "Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und fahren", sagt Helge Preuschoff.

Bei der Erkundung solcher Plätze folgt die Gruppe klaren Regeln. Zwar nutzt man alle Möglichkeiten, um Zugang zu den Orten zu bekommen, allerdings nicht mit Gewalt. "Wir brechen keine Schlösser auf", sagt Helge Preuschoff. "Und es gibt auch lost places, zu denen man uns ganz offiziell den Schlüssel gegeben hat." Außerdem verändern die Mitglieder von areaURBEX an den Orten nichts, beschädigen nichts und nehmen auch nichts mit - abgesehen von ihrem Bildmaterial natürlich. Und das ist teilweise wirklich beeindruckend. Der Blick auf menschenleere Gebäude und Orte, die langsam verfallen, ist ungewöhnlich und wirkt um so spannender für die Betrachter.

Der Zusammenschluss zu einer Gruppe hat für die Mitglieder von areaURBEX, neben gewachsenen Freundschaften und dem gemeinsamen Hobby, aber auch einen ganz pragmatischen Zweck: "Alleine losgehen und solche Plätze erkunden, ist zu gefährlich. Man sollte immer zu zweit oder besser zu dritt unterwegs sein, falls mal etwas passiert", erklärt Helge Preuschoff. Denn an dieser Stelle ist und bleibt das Hobby der areaURBEX-Mitglieder auch ein kleines Abenteuer. "Bei verlassenen Orten weiß man nie, was einen erwartet", erklärt Preuschoff. Natürlich werden die Mitglieder der Gruppe auch weiterhin mit ihren Kameras und wachen Sinnen an die Erkundung von "lost places" gehen. Ob es nun eine alte Industrieanlage ist oder auch nur ein kürzlich aufgegebener Kindergarten. "Hauptsache ist, es ist verlassen und man kann dort gute Fotos machen", gibt Helge Preuschoff die Kriterien vor.

Die Bilder, welche die Gruppenmitglieder an verschiedenen verlorenen Orten gemacht haben, kann man sich auf ihrer Internetseite in verschiedenen Galerien anschauen: www.areaurbex.de

Quelle: RP
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