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Dinslaken
Polizei macht gegen Taschendiebe mobil

Dinslaken: Polizei macht gegen Taschendiebe mobil
Dinslakens Polizeidienststellenleiter Egbert Doernemann gab gestern auf der Neustraße Tipps zum Thema Taschendiebstahl. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Das Handy in der einen, die gefüllte Geldbörse in der anderen Hand - so schlenderte eine Frau gestern durch die Duisburger Straße. "Das ist eine Einladung", seufzte Egbert Doernemann, Leiter der Polizeidienststelle Dinslaken.

Eine Zeitlang sei es auch bei Jugendlichen hip gewesen, das Mobiltelefon in der Hand zu tragen. "Zeigen, was man hat", nennt Doernemann das. Potenzielle Diebe freut's — sie müssen nur zugreifen und wegrennen. Wie man Langfingern den Job schwer machen kann, das zeigte die Polizei gestern Mittag Passanten in der Dinslakener Innenstadt.

Wertsachen sollte man besser innen in Taschen verstauen. Aber doch nicht so, wie die junge Dame in der Neustraße! "Sind Sie sicher, dass da noch alles drin ist", fragt Doernemann freundlich und erhält ein unsicheres "Joaaaa" als Antwort. Denn die hellbraune Handtasche stand weit offen. Ähnlich wie der Rucksack eines Mädchens einige Minuten zuvor, das zudem in sein Handy vertieft war. Taschen sollten verschlossen sein und möglichst unter den Arm geklemmt oder vor dem Körper getragen werden - im Gedränge gelte das auch für Rucksäcke, auch wenn das uncool aussieht. Eine Schülerin springt eilig von ihrem Hollandrad, als sie den Polizisten sieht. Den Rucksack hat sie verschlossen - aber hinten im Gepäckträger liegen. "Legen Sie eine Schlaufe um den Sattel", rät Doernemann, "sonst kann ich ihn so aus dem Korb heben".

Zwei Fahrräder standen gestern mit vollgepackten Satteltaschen in der Stadt, eines auch noch unabgeschlossen vor der Eisdiele. Doernemann heftete einen gelben Warnzettel und einen Ratgeber an den Gepäckträger - unbemerkt. "Ich hätte die ganze Tasche abziehen können." Wer an Geldautomaten Bares abhebt, sollte schauen, ob er beobachtet wird, wer in der Bahn steht, die Tasche nicht zum Gang hin tragen, wer im Restaurant sitzt, sollte die Tasche im Blick haben, an der Bushaltestelle und im Gedränge aufpassen. "Die Tasche", raunte ein Ehemann seiner Frau in der Pizzeria daher gestern sofort zu, als er Doernemann nahen sah: Denn die hing hinten am Stuhl. "Ich passe auf", versprach der Kellner in einer anderen Pizzeria gestern in einer ähnlichen Situation. Wer sich darauf nicht verlassen möchte, findet unter www.nrw-gegen-taschendiebe.de weitere Tipps. Sollte jemand doch bestohlen werden, rät Doernemann auf jeden Fall, Anzeige zu erstatten - damit gefundenes Diebesgut zugeordnet werden kann. In Dinslaken wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 insgesamt 67 Taschendiebstähle angezeigt (2015: 86), in Voerde waren es 22 (2015: 13) und in Hünxe 7 (8).

Welche schlimmen Folgen es haben kann, wenn man Opfer eines Diebstahls wird, davon berichtete eine 46-Jährige Frau aus Dinslaken. Sie wurde Ende Juni von fünf Männern im Bahnhof beraubt. Sie stießen sie gegen den Ticketautomaten, traten und schlugen sie. Das Portemonnaie mit 600 Euro Urlaubsgeld wurde gestohlen, ebenso die EC-Karte. Noch schlimmer als der Verlust der Wertsachen sei aber, dass niemand ihr geholfen habe, berichtete sie gestern, obwohl gerade ein ganzer Pulk Reisender vorbei lief. "Wenn Du da liegst und die ganzen Füße an Dir vorbei gehen siehst und niemand hilft oder ruft wenigstens die Polizei" - diese Situation werde sie nie vergessen können, kann nachts deswegen nicht schlafen.

(aha)
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