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Sommerinterview Dr. Michael Heidinger
Reden wir doch mal über das Dart-Spiel

Dinslaken. In den Sommerinterviews reden wir mit unseren Gesprächspartnern über Themen, über die wir normalerweise nicht mit ihnen reden. Heute erzählt Dinslakens Bürgermeister, warum er ein begeisterter Dart-Spieler geworden ist.

2010 gab's die Dart-Europameisterschaft in der Kathrin-Türks-Halle. Das hat Dinslaken viel Aufmerksamkeit auch in internationalen Medien gebracht. Aber auch Sie haben einen persönlichen Gewinn aus dem Ereignis gezogen. Sie haben Ihre Begeisterung fürs Dart-Spiel entdeckt. Was ist passiert?

Dr. Michael Heidinger In der Tat, in jener magischen Nacht im Sommer des Jahres 2010 hat's mich wirklich erwischt. Ich habe bei uns in der Halle Dart zum ersten Mal live erleben dürfen und war vollkommen begeistert von der Stimmung, die ich da mitbekommen habe - ein unglaublich friedlich und trotzdem mit größtem Engagement geführter Wettbewerb. Als ich dann der Dart-Legende Phil Taylor - einem 16-fachen Weltmeister - die Siegertrophäe überreichen konnte, hatte mich der Dart-Sport endgültig infiziert. Es hat dann allerdings noch vier Jahre gedauert, bis ich selber angefangen habe, die Pfeile auf die Scheibe, die die Welt bedeuten, zu werfen.

So als Laie denkt man ja, dass Dart eine nette Freizeitbeschäftigung beim Feierabendbier ist. Dart ist aber auch Hochleistungssport.

Heidinger Mittlerweile ja. Für diejenigen, die das professionell in der Weltspitze betreiben, ist das ein absoluter Hochleistungssport. Wer selber mal Pfeile geworfen hat, der weiß, mit welch unglaublicher Konzentration man da ran gehen muss und die, die ein Profiturnier durchstehen müssen, die wissen am Ende des Tages, was sie geleistet haben.

In der Vorbereitung auf dieses Gespräch habe ich ins Internet geguckt und wollte mich mal eben mit den Dart-Regeln vertraut machen. Ich bin hoffnungslos gescheitert. Das Spiel ist ja eine Wissenschaft für sich. Haben Sie mittlerweile die Regeln völlig durchschaut?

Heidinger Ja, ich bin da gut informiert. Das Spiel interessiert mich und ist zu meinem Hobby geworden. Im Regelfall spielt man in der Variante 501, Double-Out. Das heißt, man muss mit seinen Würfen 501 Punkte runterzählen und das Spiel mit einem Wurf auf das Doppel beenden. Das Doppel ist der äußere Ring, in dem die dort aufgebrachten Punktwerte doppelt zählen. Das ist die am weitesten verbreitete Variante, die ich in der Regel auch spiele.

Wenn man auf die Dart-Scheibe guckt, ist sie zunächst ganz schön verwirrend. Es steckt aber ein ausgeklügeltes System dahinter, das, wenn ich es richtig verstanden habe, dazu dienen soll, im Spiel den Zufall auszuschalten. Gehört das für Sie zum Reiz des Spiels?

Heidinger Mich reizt, dass man immer wieder bei jeder Aufnahme - also wenn man drei Pfeile wirft - die Chance hat, es perfekt zu machen. Das ist, glaube ich, das, was die Faszination des Dart-Sports ausmacht. Das unterscheidet diesen Sport auch von anderen Sportarten. Wenn ich ein Fußballspiel habe, muss ich wieder eine Woche warten, bis ich das nächste Mal antreten kann. Hier kann ich mich ständig der Herausforderung stellen. Für mich persönlich ist Dart auch deswegen eine tolle Sportart, weil ich im höchsten Maße zeitlich flexibel bin. Wenn ich abends nach Hause komme, das ist ja oft genug ziemlich spät, kann ich immer noch eine Stunde ans Board gehen. Es reizt mich allerdings auch - wenn ich denn einmal soweit sein werde - Turniere zu spielen. Das würde dann zeitlich allerdings etwas schwieriger.

Vom Golf kennt man den Begriff Platzreife, gibt's so etwas beim Dart auch?

Heidinger Nein, beim Dart gibt es da keine Vorgaben. Ich habe mir allerdings selbst bestimmte Ziele gesetzt. Mir gelingen auch jetzt schon perfekte Würfe, aber eben noch nicht regelmäßig. Und deswegen werde ich noch eine Weile trainieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es tatsächlich darauf ankommt, möglichst viele Pfeile zu werfen, um sich zu verbessern. Wenn man dann so einige hunderttausend Würfe hinter sich gebracht hat, dann kann man sich auch zu Turnieren anmelden. Davon bin ich aber noch ein Stück entfernt.

Aber ein erklärtes Ziel von Ihnen ist es schon.

Heidinger. Ja, mich hat da wirklich der Ehrgeiz gepackt. Es ist einfach ein wunderbarer Sport.

Beim Dart ist Konzentration besonders wichtig. Hilft Ihnen das Spiel auch in Alltagssituationen - beispielsweise im Beruf - in denen Konzentrationsfähigkeit gefragt ist?

Heidinger Konzentration ist sicherlich wichtig. Für mich ist Dart spielen aber im Wesentlichen Entspannung. Man kann sehr gut Abstand gewinnen, wenn man sich völlig auf eine ganz andere Sache konzentriert, die eben einmal nichts mit den alltäglichen Anforderungen zu tun hat. Auch das macht für mich die Faszination dieses Sports aus.

Wie wichtig ist, dass man seine eigenen Pfeile hat?

Heidinger Das ist sehr wichtig. Ich habe die unterschiedlichsten Pfeile ausprobiert. Mittlerweile spiele ich mit sehr schlanken Pfeilen, 22 Gramm schwer. Damit komme ich gut zurecht, wobei die Schäfte, die ich wähle, auch etwas länger sind. Aber das muss jeder für sich selber herausfinden. Wenn ich manche Spieler sehe, die mit sehr kurzen Pfeilen antreten, die nur ein paar wenige Gramm wiegen, ist für mich unvorstellbar, mit einem solchen Pfeil auch nur irgendetwas zu treffen. Wenn man sich die Spitzenspieler ansieht, ist es faszinierend, dass da wirklich jeder seinen eigenen Wurfstil hat, und es ist manchmal wirklich überraschend, dass ein Spieler mit einer solchen Wurftechnik derart herausragende Ergebnisse erzielen kann.

Ich sehe, dass Ihre Pfeile das Emblem von Borussia Dortmund haben.

Heidinger Ich habe natürlich geguckt, dass meine Pfeile schöne Flights haben. Für mich ist es Ehrensache, dass meine Pfeile BVB-Flights tragen.

Gibt's so was im Fan-Shop?

Heidinger Man kann das in einschlägigen Läden kaufen, es gibt sie aber auch im Internet. Ich glaube, es gibt kaum ein vorstellbares Motiv, das nicht irgendwann mal auf Flights abgedruckt worden ist.

Dass das Merchandising das Spiel entdeckt hat, beweist ja auch, dass Dart inzwischen jede Menge Menschen anspricht.

Heidinger Ja, Dart hat immens an Bedeutung gewonnen. Wir haben das ja in Dinslaken am eigenen Leib erfahren. 2010 durften wir die Europameisterschaft veranstalten, aber schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es das erste und letzte Mal sein würde, weil die Zuschauerzahlen nicht nur in England, sondern auch hier auf dem Kontinent so stark anstiegen, dass die Kapazität der Kathrin-Türks-Halle einfach nicht mehr ausreichte. Auch was den Vereinssport anbelangt, hat Dart einen unglaublichen Zulauf. Was wir jetzt noch brauchen ist, dass es ein deutscher Spitzenspieler auch mal zum WM-Titel schafft. Dann werden wir das Gleiche erleben wie mit Boris Becker und dem Tennis. Dann wird diese Sportart noch weiter ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

JÖRG WERNER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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