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Dinslaken
Rettungsplan für die Knoblauchkröten

Dinslaken. Bio-Station-Projekt: Vier neue Laichgewässer in der Lippeaue sollen bedrohten Amphibien helfen.

Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten steht die Knoblauchkröte in Nordrhein-Westfalen ganz weit oben. Um zu verhindern, dass die nur etwa sechs Zentimeter kleinen Amphibien völlig verschwinden, haben Vertreter der Bezirksregierung Düsseldorf, des NRW-Landesamtes für Natur, des Kreises Wesel und der Bio-Station einen Rettungsplan für die Kröte erarbeitet. Die heißt übrigens Knoblauchkröte, weil sie bei Gefahr ein Sekret absondert, das an Knoblauch erinnert.

Konzept Das Konzept sieht vor, in der Lippeaue bei Schermbeck-Damm/Bricht vier flache Teiche anzulegen. Die Kosten in Höhe von rund 60 000 Euro sollen sich die Grundstückseigentümer - das Land und die NRW-Stiftung - teilen.

Baustart im Herbst Die vier Gewässer sollen, wenn alles nach Plan läuft, im Herbst dieses Jahres angelegt werden. Bodenbohrungen und weitere Voruntersuchungen sind bereits abgeschlossen.

Gut auch für andere Arten Ob die Laichgewässer im darauffolgenden Frühjahr tatsächlich von Knoblauchkröten angenommen werden, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn: "Nachdem wir in der Lippeaue 2013 noch zwei Männchen gezählt haben, konnten wir im Sommer 2014 keinen einzigen Knoblauchfrosch mehr nachgewiesen", sagt Johanna Siewers. Die Diplom-Landschaftsökologin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bio-Station in Wesel und dort zuständig für den Bereich Gewässer, Amphibien und Libellen. Was nicht bedeutet, dass es dort keine Kröten mehr gibt. "In der Biologie gibt es keine Negativnachweise. Wenn man fünf Mal auf einen Kirchturm gestiegen ist und keine Fledermaus entdeckt hat, hat man vielleicht beim sechsten Versuch Glück und stößt auf ein seltenes Exemplar", sagt die 31-Jährige. Selbst wenn die Knoblauchkröten verschwunden blieben, wäre der Gewässerbau nicht umsonst. Denn anderes Getier, darunter der ebenfalls bedrohte Kammmolch, würde sich dort sicher wohlfühlen.

Einziger Standort im Kreis Dass die vier flachen Teiche ausgerechnet in der Lippeaue entstehen sollen, hat damit zu tun, dass hier 2009 noch 30 rufende Männchen registriert wurden. Und damit galt der Bereich als zweitgrößtes Vorkommen in NRW. Übrigens wurde im vergangenen Sommer an 30 Standorten im Kreisgebiet nach Knoblauchkröten gesucht - ohne Erfolg. Neue DNA-TEchnik In diesem Sommer wird es Johanna Siewers erneut in die Lippeaue ziehen, um mit Hilfe eines Spezialmikrofons mögliche Krötentöne zu orten. "Denn die Männchen rufen nur sehr leise. Und dann meist nachts unter Wasser", weiß Johanna Siewers. Aus Kostengründen wird sie nicht, so wie im vergangenen Jahr, auf die neue environmental DNA-Technik (eDNA-Technik) zurückgreifen. Bei dieser Methode werden Wasserproben genommen und anschließend in einem ausländischen Speziallabor auf DNA-Spuren der Knoblauchkröte hin untersucht.

Paarungszeit Noch ein paar Worte zur Knoblauchkröte, die die meiste Zeit im Jahr im feuchten Boden eingegraben lebt. Dies schützt sie vor Austrocknung und Fressfeinden.

Zur Paarungszeit ab März/April wird sie aber aktiv und ist dann auch kurzzeitig an den Laichgewässern anzutreffen.

Quelle: RP
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