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Unsere Woche
Von Ponykarussells und dem, was wirklich wichtig ist

Dinslaken. Warum Politik gut beraten wäre, nicht nur nach kurzfristiger Aufmerksamkeit zu schielen, sondern Probleme anzupacken, deren Lösung die Bürger von ihnen erwarten.

Es ist Freitag, 4. November, 14.40 Uhr. In ungefähr einer Stunde wird diese Kolumne fertig geschrieben sein. In dieser Zeit sind dann weltweit etwa 350 Kinder verhungert. Das lässt sich aus der Hungerstatistik der Vereinten Nationen ableiten. Warum ich darauf hinweise? Weil es ab und an ganz guttut, die Dimension der Probleme über die - auch an dieser Stelle - geredet und geschrieben wird, in Relation zu setzen, um ihre Bedeutung einzuordnen. Nicht um diese Probleme kleinzureden, aber um einen schärferen Blick dafür zu gewinnen, was wichtig ist und worüber es sich zu reden lohnt und was eben nicht.

Und damit sind wir dann auch schon beim Blick auf diese Woche. Ein - gerade auch in den so genannten sozialen Medien - heiß diskutiertes Thema war, ob Ponykarussells wie das, was auch in diesem Jahr wieder auf der Martinikirmes zu finden ist, verboten gehören oder nicht. Die Dinslakener Christdemokraten haben das in dieser Woche noch flugs vor Kirmesbeginn zum Antrag erhoben und damit zumindest schon einmal eines erreicht - sie haben sich Aufmerksamkeit verschafft. Das - es ist nicht bösartig, ihnen das zu unterstellen - dürfte auch ihre vornehmliche Absicht gewesen sein, selbst wenn wir ihnen gerne abnehmen wollen, dass sie natürlich auch den ethischen Umgang mit den Mitgeschöpfen des Menschen im Blick haben. Und deswegen an dieser Stelle mal 'ne - zugegeben überspitzte - Frage: Ist das eigentlich noch kommunale Politik - oder kann das weg? Letztlich muss das natürlich jeder für sich entscheiden, aber an dieser Stelle sei es bitteschön auch gestattet, zaghaft darauf hinzuweisen, dass es schon noch ein paar Probleme in dieser Stadt gibt, die dringlicher gelöst werden müssten, die ja auch in den beiden letzten Monaten des Jahres auf der Tagesordnung der Ratsgremien stehen und zu denen die Politik - nicht nur die christdemokratische - bislang weitgehend schweigt. Wie beispielsweise soll's weitergehen mit der Dinslakener Schullandschaft, wie lässt sich die Sanierung der Stadthalle finanzieren, und - nur mal so als Erinnerungsposten - was wird aus den Dinslakener Bädern?

Es mutet schon etwas merkwürdig an, wenn kommunale Politik lieber ihren Elan darauf verschwendet, in einer Frage, die durch allerlei überörtliche Gesetzgebung doch hinreichend geregelt scheint, Aktivitäten zu entwickeln, statt die Probleme zu beackern, die der Bürger von ihr mit Recht gelöst sehen möchte. Um's mal so zu sagen: Ob Eltern ihre Kinder bei der Kirmes auf den Rücken eines Ponys setzen oder nicht, können diese im Zweifel ganz gut alleine entscheiden. Bei der Frage aber, welche Schulen und Schulformen für ihre Kinder demnächst in dieser Stadt dauerhaft zur Verfügung stehen, sind sie auf die Entscheidungen der Politik angewiesen. Also liebe Politiker, vielleicht wäret ihr ja gut beraten, mal bei den Fragen die Deckung zu verlassen, wo's wirklich ans Eingemachte geht. Das würde euch dann möglicherweise nicht nur kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern auch nachhaltige Beachtung einbringen.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor:joerg.werner@rheinische-post. de

Quelle: RP
 
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