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Haan braucht neue Kindertagesstätten

Analyse: Haan braucht neue Kindertagesstätten
Die katholische Kita Maria vom Frieden ist gerade neu eröffnet worden. Im Neubau an der Hochdahler Straße gibt es jetzt vier statt früher zwei Gruppen. FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Haan. Die Zahl der Plätze reicht nicht aus. Das zeigt die aktuelle Bedarfsplanung.Während es für über Dreijährige ausreichend Plätze gibt, klafft immer noch eine Versorgungslücke bei den unter Dreijährigen. Von Alexandra Rüttgen

Die Zahl der Plätze in Haaner Kindertagesstätten insbesondere für unter Dreijährige reicht nicht aus. Das zeigt die aktuelle "Kindertagesstättenbedarfsplanung 2016/17", die Bürgermeisterin Bettina Warnecke jetzt dem Rat und den Ausschüssen vorlegte. Nach wie vor gilt: Die so genannte Bedarfsdeckungsquote liegt weit unter Ziel. "Wir haben immer noch einen großen Fehlbedarf", sagte jetzt Jochen Sack (GAL), Leiter des Jugendhilfeausschusses. "Wir müssen an das Thema rangehen und Mitte des Jahres im Hinblick auf den nächsten Haushalt planen." Womöglich müssen in Haan eine oder zwei Kindertagesstätten neu gebaut werden.

Wie ist die Lage? Zum 31. Oktober 2015 zählte die Stadt 1551 Mädchen und Jungen unter sechs Jahre. Ihre Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent gestiegen. Damit wächst diese Altersgruppe stärker als angenommen und ist aktuell die größte seit 2008.

Wie viele Kita-Plätze gibt es? In Haan gibt es 17 Kindertageseinrichtungen mit insgesamt 61 Gruppen und 1089 Plätzen. Eine der 17 Kitas ist städtisch, fünf Träger sind Elterninitiativen, sechs werden von den Kirchen getragen, fünf haben andere Träger. Wo ist das Problem? Bei der Betreuung von Kindern über drei Jahren beläuft sich die Bedarfsdeckungsquote aktuell auf 102,3 Prozent. Rein theoretisch müsste also jedes Kind dieser Altersgruppe einen Kita-Platz erhalten. Gleichwohl gibt es auch in dieser Altersgruppe noch Kinder, die unversorgt sind. Das gab Vincent Endereß (CDU) im Jugendhilfeausschuss anhand persönlich bekannter Beispiel zu bedenken. Anders sieht die Lage bei den unter Dreijährigen aus: Sie liegt bei lediglich 38,2 Prozent. Als wünschenswert werden 60 Prozent angegeben. Das sind in absoluten Zahlen 432 U3-Plätze, die vorgehalten werden müssten. Um dieses Ziel zu erreichen, fehlen in Haan 78 Plätze.

Was ist eine Bedarfsdeckungsquote? Sie wird errechnet aus der Zahl der Plätze in Kindertagesstätten und -tagespflege und der Zahl der in Haan lebenden Kinder. Zurzeit leben in Haan 720 unter Dreijährige. Dieser Altersgruppe stehen 275 Kindergartenplätze zur Verfügung. Das entspricht einem Anteil von 38,2 Prozent und kennzeichnet die Bedarfsdeckungsquote. Das heißt, für nur knapp 40 Prozent aller unter Dreijährigen kann die Stadt Haan einen Kindergartenplatz anbieten. Hier öffnet sich die Schere: Die für das kommende Jahr ermittelte Bedarfsquote liegt bereits bei 58,6 Prozent.

Wie groß ist der Betreuungsumfang? Tendenziell sind immer häufiger lange Betreuungszeiten gewünscht. Zurzeit sind 72,1 Prozent aller Haaner Kita-Kinder in der 45-Stunden-Betreuung.

Welche Rolle spielen die Flüchtlingskinder? Aktuell sind 43 zugewiesene Flüchtlingskinder unter sechs Jahre. Das würde in etwa zwei zusätzliche Kita-Gruppen erfordern. Erfahrungsgemäß ist die Nachfrage nach Kita-Plätzen aus diesen Kreisen allerdings geringer. Aktuell sind vier unter dreijährige Flüchtlingskinder in Betreuung, sieben unter und acht über dreijährige Flüchtlingskinder stehen auf der Warteliste.

Was passiert nun? Einstimmig verabschiedete der Jugendhilfeausschuss den Bedarfsplan. Alle Fraktionen waren sich einig: "Wir sind uns im Klaren, dass wir hier Maßnahmen ergreifen müssen", sagte Thomas Kirchhoff von der FDP. Die SPD hat bereits einen entsprechenden Antrag eingereicht, nach Erweiterungsmöglichkeiten zu suchen. Auf ihre Anregung wurden in den Haushalt nun 15.000 Euro an Planungskosten gestellt. Die Diskussion beginnt voraussichtlich im April.

Quelle: RP
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