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Kamp-Lintfort
Anne Schary macht die Stille sichtbar

Kamp-Lintfort: Anne Schary macht die Stille sichtbar
Anne Schary hat zwei Jahre lang zum Thema gearbeitet. Impuls für die Künstlerin mit eigenem Atelier auf dem Kamper Berg war eine Bibelstelle im Alten Testament. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Künstlerin Anne Schary präsentiert im Gewölbekeller des Klosters Kamp neue Werke, für die eine Bibelstelle im Alten Testament den Impuls gab: die Jotam-Fabel. Die Ausstellung "Sieh' die Stille" läuft bis zum 25. Juni. Von Anja Katzke

Am Anfang war da eine Bibelstelle im Alten Testament: die Jotam-Fabel. Darin suchen die Bäume ihren König - den sie am Ende im Dornbusch finden und als solchen salben. Diese Bibelstelle beschäftigte Anne Schary sehr und führte sie in einen fast zwei Jahre andauernden Gedankenaustausch mit Dr. Peter Hahnen, den Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp. Das Ergebnis der Gespräche ist nun im Gewölbekeller des Klosters zu sehen.

"Sieh' die Stille" heißt die Ausstellung mit Bildern und einer Installation, die Anne Schary am Ostersamstag im schönen Klostergewölbe eröffnet hat. "Kommt Gott darin vor?", habe Hahnen sie gefragt, als sie vor zwei Jahren über die Jotam-Fabel im Alten Testament zum ersten Mal ins Gespräch kamen. "Ich habe ihn darauf verwiesen, dass es sich ja um eine Bibelstelle handele. Woraufhin er antwortete: ,Komm', dann finden wir ihn." Der Gedankenaustausch mit Peter Hahnen war für Anne Schary ein Impuls dafür, die Gespräche in Bilder umzusetzen. 30 Arbeiten sind in diesen zwei Jahren entstanden, vor allem solche, die den Baum im Fokus haben.

Das erste Baum-Bild, das sie auf Holz realisierte, hängt gegenüber des Eingangs zum Gewölbe. Der Betrachter schaut schon bei der Ankunft auf eine kleine Baumallee, die sich öffnet und den Blick freigibt auf ein undefiniertes Dahinter. "Es geht weiter. Der Weg führt nicht ins Leere", betont Anne Schary. Sie hat ihrer Ausstellung den Titel "Sieh' die Stille" geben. Eine Idee, auf sie während ihrer Spaziergänge durch die Gärten am Kloster Kamp kam. "Ich mag es gerne, die Sinne miteinander zu verquicken", erklärt die Künstlerin und verweist auf den Titel ihrer Adventsausstellungen, zu denen sie seit einigen Jahren ins eigene Atelier auf den Kamper Berg einlädt: "Erzähltes Licht".

Stille sei ja auch eine Form von Selbstwahrnehmung, sagt sie. Ihre Ausstellung soll die Möglichkeit bieten, einen Moment innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. "So wie man einen Computer herunterfährt." Die Besucher entdecken den Baum in immer neuen Spielarten und Formen. Manchmal wirkt er ganz weich, dann dornig. Ihr Umgang mit den Materialien ist spielerisch. Die großformatigen Arbeiten sind auf Holz entstanden, die sie mit Wachs unterlegt, um dann die Acrylfarben aufzulegen. Linien interessieren sie. Sie durchziehen wie gekratzt das zumeist abstrakt-reduzierte Bild. Auch Tusche kommt immer wieder zum Einsatz. Schary, die mit ihrem Atelier für angewandte Kunst im fünften Jahr am Abteiplatz 22 residiert, legt sich nur auf wenige Farben für ein Bild fest: Mal dominiert das Blau, mal leicht und erdige Farben. Im Gewölbekeller entdeckt der Besucher einen Sommernachtsbaum voller Äpfel und von Glühwürmchen umschwirrt ebenso wie Pusteblumen, die mit dem Mond kommunizieren, und Baumstämme, die ganze Planeten als Krone zu tragen scheinen. "Sieh die Stille" befasst sich aber auch mit dem Menschen. Im Gewölbekeller hängt eine Serie mit Gesichtern, die Schary selbst als "Synode der Herzen" bezeichnet. Hier sind die Rahmen etwas Besonderes. Es handelt sich um alte Kisten, in denen Edelsteine im Tresor aufbewahrt wurden, Schatzkisten also, die jetzt das Antlitz von Menschen beschützen. Clou der Ausstellung ist aber eine kleine Kapelle, die Schary als Raum-in-Raum-Installation im Gewölbekeller mit transparenten Papier-Bahnen eingerichtet hat. Die Ausstellung "Sieh' die Stille" ist bis zum 25. Juni im Gewölbekeller des Klosters Kamp zu sehen. Für den 7. Mai, ab 11 Uhr ist eine Midissage mit Musik vorgesehen. Die Finissage findet am 25. Juni statt. Die Ausstellung im Klostergewölbe ist täglich geöffnet. Wer mit Anne Schary über die Präsentation ins Gespräch kommen möchte, kann mittwochs, donnerstags (10 bis 13 sowie 14 bis 18 Uhr) und freitags (14 bis 18 Uhr) in ihrem Atelier für angewandte Kunst am Abteiplatz 22 auf dem Kamper Berg vorbeischauen und anklopfen. Im Internet ist die Künstlerin unter www.anneschary.de zu finden.

Quelle: RP
 
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