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Kamp-Lintfort
Dauercamper dürfen bleiben

Kamp-Lintfort: Dauercamper dürfen bleiben
Ingrid Spei wohnt mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter in einem Campinghaus. FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Die Stadt Kamp-Lintfort und drei Bewohner der Freizeitanlage Altfeld einigen sich auf einen Vergleich. Von Elena Erbrich

Die Stadt Kamp-Lintfort hat nachgegeben: Drei Bewohner der Freizeitanlage Altfeld dürfen auf dem Campingplatz dauerhaft wohnen bleiben. Alle drei hatten gegen die Stadt geklagt. Sie waren nach dem 26. Mai 2014 auf den Campingplatz gezogen. Dieses Datum hatte die Stadt als Stichtag festgelegt: Seitdem darf kein weiterer Dauercamper dorthin ziehen. Gestern war die Verhandlung am Verwaltungsgericht in Düsseldorf. Dort einigten sich die Parteien auf einen Vergleich.

Ingrid Spei ist erleichtert. Ihre 87-jährige Schwiegermutter darf auf dem Campingplatz wohnen bleiben. "Mir ist ein schwerer Stein vom Herzen gefallen", sagte gestern Ingrid Spei, die seit dreieinhalb Jahren auf dem Campingplatz wohnt. 2015 zog ihre Schwiegermutter zu ihr und ihrem Mann. "Ich habe ihr versprochen, dass sie nie ins Altenheim muss, deshalb habe ich sie hier hingeholt. Ich weiß, dass ich das nicht machen durfte, aber es musste sein", erklärte Spei.

In den beiden anderen Fällen waren zwei Frauen zu ihren Lebenspartnern auf den Campingplatz gezogen. Ein Paar ist mittlerweile verheiratet, das andere möchte heiraten, muss aber zunächst die Scheidung der Frau abwarten. "Das sind alles Härtefälle", erklärte Bürgermeister Christoph Landscheidt. "Dauercampen ist dort nicht erlaubt." Zwar dürfe jeder seinen Hauptwohnsitz auf einem Campingwohnsitz anmelden, aber baurechtliche Vorgaben schlössen das dauerhafte Wohnen in einem Erholungsgebiet aus. "Hätten wir das früher gewusst, wären wir hier gar nicht hingezogen", sagte Ingrid Spei. "Davon war aber nie die Rede."

320 Dauercamper wohnen nach Angaben des Betreibers Dietmar Harsveldt auf dem Campingplatz. "500.000 Dauercamper gibt es in Deutschland, 40.000 in Nordrhein-Westfalen", sagte Harsveldt. "Der Stadt kommt es gelegen, wenn die Leute ihren Erstwohnsitz auf der Anlage anmelden, sie bekommt dafür Geld und muss nichts investieren. Ich als Betreiber investiere." Bürgermeister Landscheidt erklärte: "Wenn wir eine gewisse Anzahl an Bürgern haben, erhalten wir Mittel nach Landesrecht, aber auf der Anlage wohnen so wenig Leute, das ist für die Zahl nicht relevant."

Der Hinweis eines ehemaligen Bewohners der Freizeitanlage Altfeld machte das Bauministerium auf die Dauercamper aufmerksam. Das Ministerium forderte die Stadt auf, das Dauerwohnen zu unterbinden. Die Stadt legte den Stichtag fest. "Mir tun die Menschen leid. Ich kann verstehen, warum sie aus ihren Wohnungen in Duisburg ins Grüne ziehen. Sie zahlen dafür das gleiche Geld", sagte Landscheidt. Das Gebiet sei für ein Wohngebiet jedoch nicht geeignet. "Der Pächter möchte uns ein solches aufs Auge drücken. Er nutzt die Situation und vermarktet den Campingplatz als Dauerwohnanlage."

Rechtsanwältin Claudia Schoppen von der Essener Luther-Rechtsanwaltsgesellschaft, die Familie Spei vertritt, stellte fest: "Die Stadt hat das Dauerwohnen so laufen lassen. Jetzt steht sie wegen des Ministeriums unter Druck."

Quelle: RP
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