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Kamp-Lintfort
Der Kardiologie-Chef geht in Ruhestand

Kamp-Lintfort. Dr. Wilhelm Kirschke, langjähriger Chefarzt der Medizinischen Klinik II am St.-Bernhard-Hospital, ist am Montag in Ruhestand gegangen. Er bleibt dem Krankenhaus als ärztlicher Direktor vorerst erhalten. Von Anja Katzke

Dass er die nächsten 25 Jahre am St.-Bernhard-Hospital bleiben würde, hätte Dr. Wilhelm Kirschke nie gedacht, als er am 1. August 1990 den Chefarzt-Posten der Medizinischen Klinik II antrat. Die Stelle war interessant, der erste Eindruck von Kamp-Lintfort weniger: "Ich war zu der Zeit Oberarzt am Herzzentrum Bad Rothenfelde. Und wenn man aus der Gegend um Münster kommt, kann Kamp-Lintfort nicht gewinnen." Er habe damals als Oberarzt seinen Marktwert austesten wollen, erinnert sich Wilhelm Kirschke. "Wo Kamp-Lintfort lag, wusste ich gar nicht. Doch die Ausschreibung des Krankenhauses las sich gut: 130 Betten, Kardiologie. Gemeint war damit aber die gesamte Innere. Für die Kardiologie standen nur 38 Betten zur Verfügung", erzählt der Arzt schmunzelnd.

Trotzdem blieb Kirschke, zog mit seiner Familie nach Kamp-Lintfort und stand fortan vor der spannenden Herausforderung, die kardiologische Abteilung am St.-Bernhard-Hospital tatsächlich aufzubauen und nach vorne zu bringen. "Heute betreut die Medizinische Klinik II ein Drittel aller Patienten im Krankenhaus. Es werden täglich zwischen 80 und 100 Patienten am Tag behandelt. Und was die Implantation von Herzschrittmachern betrifft, sind wir die viertgrößte Klinik in Nordrhein-Westfalen, noch vor den Uni-Kliniken", betont der 65-jährige Arzt nicht ohne Stolz. Als Kirschke den Posten antrat, war die Ausstattung längst nicht wie heute: "Es gab ein EKG", sagt er. Als erstes baute der Chefarzt das Herzkatheter-Labor auf. Es wurden neue Gerätschaften angeschafft - die Sonographie und vieles mehr. "Einen Entwicklungssprung haben wir um die Jahrtausendwende genommen", erinnert sich Wilhelm Kirschke.

Damals folgte die Klinik der Einschätzung, dass die direkte Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen durch einen Ballon und das Einsetzen von Stents die bessere Alternative zur Medikamentengabe ist. "Die beiden Krankenhäuser in Xanten und Geldern haben mitgezogen", berichtet der Mediziner. Ein weiterer Sprung nach vorne sei durch die Zusammenarbeit mit zwei Herzchirurgen getan worden.

Seither kommen die Patienten nicht nur aus der Region, sondern weit darüber hinaus. Wilhelm Kirschke baute auch das Schlaflabor im Bernhard-Hospital auf. "Das war damals etwas ganz Neues. Ich habe die Patienten anfangs selbst verkabelt." Zur Kardiologie sei er, erzählt der Arzt, eher durch Zufall gekommen. "Während meiner Ausbildung bin ich alle Abteilung der Inneren Medizin durchlaufen. Es fehlte nur die Kardiologie. Sie wurde Schwerpunkt der Facharzt-Ausbildung und hat mich bis heute nicht mehr losgelassen." Wie er seinen Ruhestand gestalten möchte, darüber hat sich Wilhelm Kirschke noch keine Gedanken gemacht: "Ich bin ja erst seit drei Tagen Rentner", sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Für seinen Abschied vom Bernhard-Hospital hat er sich aber etwas Besonderes einfallen lassen: Er lädt zu einem Betriebsfest mit Tombola. Hauptpreis: sein alter Smart, mit dem er jeden Tag zur Arbeit fuhr. Der Erlös ist für die neue Palliativstation gedacht.

Quelle: RP
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