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Kamp-Lintfort
Die Kunst, als Galerist zu überleben

Kamp-Lintfort: Die Kunst, als Galerist zu überleben
Andreas Verfürth in seiner Galerie, mit Arbeiten von (von links) Anja Weinberg, Antje Hassinger, Armin Göhringer und Ivica Matijevic. RP-FOTO: POGO FOTO: Josef Pogorzalek
Kamp-Lintfort. Kamp-Lintfort und Kunst - dass das zusammenpassen kann, beweist die Galerie Schürmann. Seit 25 Jahren gibt es sie an der Moerser Straße 252. Zum Jubiläum hat Inhaber Andreas Verfürth eine besondere Ausstellung vorbereitet. Von Josef Pogorzalek

Nein, stinkreich sei er nicht geworden, sagt Andreas Verfürth. Im Gegenteil: "Die ersten 20 Jahre waren knüppelhart. Der Standort ist für eine Galerie nicht ideal." Doch seit ein paar Jahren laufe der Laden, bei sich abwechselnden Aufs und Abs, ordentlich. Verfürth hat sich, man darf es wohl so sagen, durchgebissen. Heute kann der 53-Jährige auf einen Stamm von Künstlern bauen (darunter auch international bekannte und gehandelte), mit denen er Ausstellungen in seiner Galerie bestreitet. Die ganz großen Namen, wie Christo oder Lüpertz, holt er für Ausstellungen, die er regelmäßig in Räumen der Lineg machen darf. Und auch die Ausflüge, die er mit Arbeiten seiner Galerie-Künstler jeweils Anfang des Jahres in den Gewölbekeller des Klosters Kamp unternimmt, liegen ihm am Herzen. Der Gewölbekeller, das sei eben ein ganz besonderer Ausstellungsort.

Im früheren Leben war der aus Moers stammende Verfürth unter anderem Bau- und Möbelschreiner sowie Hochbautechniker. Kurz nach der Gründung der Galerie durch Petra Schürmann im Jahr 1992 schneite er als Kunde herein, verguckte sich in die Chefin, heiratete sie und blieb - "Wie da so ist." In die Kunst verliebt war er schon vorher. Wie wohl dieses innige Verhältnis begann? Vielleicht mit einem Besuch des Centre Pompidou in Paris, mutmaßt Verfürth. "Da hab ich meine ersten Kunst-Postkarten gekauft."

Die Galerie Verfürth, das war anfangs eine Postergalerie mit Bilderrahm-Werkstatt. Im Keller der Galerie rahmt ein Mitarbeiter bis heute Bilder. Das Rahmen bringe ihn auf den Boden der Tatsachen zurück, sagt Verfürth, der sonst in den Ausstellungen und im Kunsthandel seine Leidenschaft auslebt. "Meine Kundendatei ist mein Heiligtum." Kenner und Liebhaber aus ganz Deutschland suchen die Galerie in der Kamp-Lintforter Fußgängerzone auf. Und Verfürth selbst ist jährlich 25.000 Kilometer auf Achse, um ausgesuchten Kunden Kunstwerke zu zeigen und sie (die Werke, nicht die Kunden), in den vorgesehenen Räumen ansprechend zu präsentieren. "Mir ist wichtig, wo die Sachen hängen und wie sie hängen", sagt Verfürth, der weiß, was die von ihm betreuten Sammler wünschen und brauchen. "Ich hab zehn bis 15 Häuser im Kopf, von denen ich weiß: Da fehlt noch was . . ."

Zum Jubiläum hat Verfürth 15 Stammkünstler der Galerie gebeten, jeweils eine Serie von zehn Unikaten anzufertigen. "Ich hätte nicht gedacht, dass alle "ja" sagen." Die Serien-Arbeiten sind kleiner und erschwinglicher als die größeren, teils um ein Vielfaches teureren Referenzobjekte der Künstler, die ebenfalls zu sehen sind. "Unsere Jubiläumspreise liegen bei 700 bis 900 Euro", sagt Verfürth, der weiß, dass 1000 Euro eine Grenze sind, die zu überschreiten sich der kunstinteressierte Normalbürger scheut. "Continuum" heißt die Jubiläumsschau, zu der es einen schönen, gebundenen Katalog (25 Euro) gibt. Bei der Eröffnung können ihn Gäste von allen 15 Künstlern signieren lassen. "Alle haben jedenfalls zugesagt." 850 Einladungen zur Vernissage hat Verfürth verschickt. Auch Gäste ohne Einladung dürfen aber kommen. Die Kamp-Lintforter seien ja ein offenes, diskussionsfreudiges Völkchen, die gerne mal in die Galerie reinschneien, und sei es nur, um ein paar Postkarten zu kaufen.

Wünsche und Träume für die Zukunft? Einen Traum habe er sich schon erfüllt, sagt Verfürth: Eine Heinz-Mack-Ausstellung bei der Lineg im nächsten Jahr. Außerdem peile er etwas Besonderes für das Landesgartenschau-Jahr 2020 an. Ansonsten wünsche er sich nur, dass er weiter so für die Kunst brenne wie bisher. "Wenn ich vor Ausstellungen nicht mehr aufgeregt bin, dann hör ich auf und mach eine Suppenküche auf." Bitte nicht!

Quelle: RP
 
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