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Serie Mein Stadtviertel
Dorfkirche ist Hoerstgens Mittelpunkt

Serie Mein Stadtviertel: Dorfkirche ist Hoerstgens Mittelpunkt
Die Dorfkirche, die direkt an der der Durchfahrtsstraße liegt, gehört zu den Lieblingsplätzen von Wolfgang Lietzow. Er ist Presbyter in der evangelischen Kirchengemeinde. FOTO: kdi
Moers. Wolfgang Lietzow lebt seit 40 Jahren in dem Stadtteil. Der begeisterte Hobby-Fotograf fühlt sich dem Ländlichen verbunden. Das idyllische Straßendorf hat sich seinen Charakter bewahrt. Die evangelische Kirche steht im Mittelpunkt der 1091 Einwohner zählenden Ortschaft. Von Anja Katzke

Wolfgang Lietzow nennt sich selbst einen Zugereisten. Dabei lebt er seit 40 Jahren in Hoerstgen. Der Liebe wegen war er aus Dinslaken-Hiesfeld in den heute zu Kamp-Lintfort gehörenden Ortsteil gezogen. "Ich habe meine Frau damals im Hiesfelder Posaunenchor kennengelernt", berichtet der 75-Jährige, der bis zur Rente als Kommunalbeamter gearbeitet hatte. Das ländlich gelegene Straßendorf wurde zur neuen Heimat.

Die evangelische Kirchengemeinde baute das Gemeindehaus um. Es liegt an der Dorfstraße. FOTO: Anja Katzke

"Ich kam ja selbst vom Land und musste mich nicht erst umgewöhnen", sagt er. Das Ländliche, die Landschaft und die Natur prägen für ihn den Stadtteil. "Und die Kirche, die mitten im Dorf steht", betont Lietzow. Er ist Presbyter in der evangelischen Kirchengemeinde. "Die Kirche ist etwas Besonderes und hat viel Bemerkenswertes in sich." Zum Beispiel eine Weidtmann-Orgel aus dem Jahr 1732. Sie gehört zu den noch bespielbaren Instrumenten des Orgelbauers.

"Aus derselben Zeit stammt auch die Kanzel", schwärmt Lietzow. "Und der Abendmahlbecher wird schon seit Jahrhunderten eingesetzt." Ja, dieses Dorf hat Geschichte. So sind die Hoerstgener Kirchenbücher seit 1632 überliefert. Die evangelische Gemeinde entstand inmitten eines katholischen Gebiets, als sich die Reichsfreiherrlichkeit Hoerstgen der Reformation anschloss. Die Kirche prägt heute noch das Dorfleben, auch außerhalb der Gottesdienste.

Wolfgang Lietzow bedauert, dass das "Hotel zur Post" leer steht. Das Restaurant war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. FOTO: Anja Katzke

"Sie macht den Dorfbewohnern Angebote, die sie einfach nur annehmen müssen." Neben dem Posaunenchor, in dem Wolfgang Lietzow spielt, gibt es einen Jugendchor und eine "hervorragende Kirchenmusikerin". Das Besondere sei aber, sagt Lietzow, dass sich Hoerstgen seinen ursprünglichen Dorfcharakter erhalten habe. Die Wohnqualität sei ordentlich - besonders für die Einwohner, die nicht direkt an der Dorfstraße wohnten. "Wenn an Sonntagen die Motorrad-Ausflügler durch die Durchgangsstraße fahren, hört man sie selbst in der Kirche.

" Mit dem Langerhof sei vor 15 Jahren auch ein Neubaugebiet entstanden. Für eine rege Bautätigkeit in der letzten Zeit sorgen die beiden in Hoerstgen angesiedelten Kirchen. Die evangelische Gemeinde baute das Gemeindehaus um. Die Freie evangelische Gemeinde schuf an der Molkereistraße ein neues Gotteshaus. Lietzow selbst wohnt außerhalb der Dorfmitte und genießt den Blick auf die Felder und Wiesen. Der Hobby-Fotograf entdeckt nach so vielen Jahren noch immer wieder Neues.

Hoerstgen hat 1091 Einwohner. Nächste Folge: Kamp. FOTO: aka

Seine liebsten Motive sind die Natur, Menschen und Tiere. "Ich fühle mich dem Land verbunden. Man muss nur die Augen öffnen." Das 1091 Einwohner zählende Hoerstgen habe sich mit den Jahren dennoch verändert, insbesondere die Infrastruktur. Früher habe es im Dorf einen Metzger, einen Bäcker, mehrere Betriebe und sogar ein Haushaltswarengeschäft gegeben. Heute findet sich an der Dorfstraße noch eine Pizzeria. "Das Hotel zur Post ist ja leider schon seit zwei Jahren geschlossen.

Wir waren immer gerne dort." Brot und Brötchen könne man im Dorf kaufen. "Eier und Fleisch gibt es auf dem Biolandhof Frohnenbruch, ein paar Kilometer weiter an der Schlossallee. Dort kommt man gut mit dem Fahrrad oder zu Fuß hin", berichtet Lietzow. Die Hoerstgener seien nie nach Lintfort orientiert gewesen. "Früher fuhr man nach Issum einkaufen", sagt er. Die Ortschaft selbst ist heute noch landwirtschaftlich geprägt. "Es gibt mehrere Milchviehbetriebe, und in Sichtweite unseres Hauses eine Putenmast", erzählt Lietzow.

Was der 75-Jährige vermisst sind Post und Sparkasse. "Das fehlt wirklich, weil man dafür extra losfahren muss." In Hoerstgen ist man aufs Auto angewiesen - oder auf den Bus. Das Dorf wird von dem SB 30 angefahren, der zwischen Geldern und Duisburg verkehrt. Dafür sei die Nachbarschaft im Ort sehr gut, sagt Lietzow. Auch ein kleines Dorfcafé gibt es wieder. "Es bietet von Zeit zu Zeit ein kulturelles Programm an." Geöffnet hat es immer freitags von 14 bis 17 Uhr.

Das Café ist Ergebnis einer Zukunftswerkstatt, die zum Ziel hatte, Hoerstgen zu beleben. Es war eine Initiative der beiden Gemeinden im Ort. Untergebracht ist es im alten Haus der Freien evangelischen Gemeinde. Den Kuchen backen freiwillige Helfer, wie das Café auch ehrenamtlich betrieben wird. Die evangelische Gemeinde organisiert zudem alle zwei Jahre ein Gala & Diner. "Diese Veranstaltung soll helfen, die Gebäude unserer Gemeinde zu unterhalten.

Beim nächsten Mal steht ein Konzert für Harfe und Flöte an."

Quelle: RP
 
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